Simssee-Verschmutzung Thema im Riederinger Gemeinderat – Landwirte wehren sich gegen Vorwürfe

Im Simssee sind am Nordende rötliche Schlieren zu sehen, die sich über das Wasser ziehen. Vertreter des Gesundheitsamtes vermuten Rotalgen. Durch Wasserproben habe man das aber nicht bestätigen können.
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Im Simssee sind am Nordende rötliche Schlieren zu sehen, die sich über das Wasser ziehen. Vertreter des Gesundheitsamtes vermuten Rotalgen. Durch Wasserproben habe man das aber nicht bestätigen können.
  • Alexandra Schöne
    vonAlexandra Schöne
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  • Elisabeth Kirchner
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Die Verunreinigung des Simssees bleibt ein heißes Thema in der Region. Der Eintrag von Gülle in den See steht im Mittelpunkt. Landwirte melden sich dazu in der Gemeinderatssitzung zu Wort.

Riedering/Simssee – Der Zustand des Simssees bewegt weiterhin die Gemüter von Landwirten, Bürgern und Seeschützern in der Region. Rotalgen durchziehen den See seit Monaten. Die Wasserqualität verschlechtert sich offenbar zunehmend.

Dr. Gerhard Vilmar von der Aktionsgruppe „Sauberer Simssee“ hält die Gülle, die von den Feldern zusammen mit Abrieb von Straßen und Reifen über die Gullys in den See gespült wird, für die Hauptursache für die Verunreinigung. Die Landwirte rund um den See wehren sich indes vehement gegen Schuldzuweisungen. Der Gemeinderat Riedering nahm die Geschehnisse zum Anlass, um das Thema Simssee in seiner jüngsten Sitzung aufzugreifen.

Das Problem der Verunreinigung ist in der Region nicht unbekannt. Seit 17 Jahren läuft deshalb das „Simssee-Schutzprojekt“. Der Abwasserzweckverband (AZV) Simssee arbeitet gemeinsam mit Landwirten an Maßnahmen zum Gewässerschutz. Diese werden aber laut Bürgermeister Christoph Vodermaier (FWGR) „bislang nicht richtig gewürdigt“.

Bauern und AZV Hand in Hand

Vodermaier stört dabei das „Bauernbashing“. Er verstehe deshalb die Verärgerung der Landwirte. Denn diese seien in dem „Simssee-Schutzprojekt“ mit dem AZV bislang die Einzigen, die in den vergangenen 17 Jahren freiwillig Maßnahmen – wie Untersaaten oder eine Pflanzrichtung quer zum Hang – ergriffen hätten. „Den Bauern liegt doch auch daran, dass die Nährstoffe auf dem Boden bleiben und nicht abfließen.“ Auch der AZV engagiere sich und stelle seit 2003 pro Jahr 30 000 Euro zur Verbesserung der Wasserqualität zur Verfügung.

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Man müsse die Bevölkerung sensibilisieren, sagte Vodermaier, aber gleichzeitig auch alle Beteiligten mit ins Boot holen. Der Simssee sei unumstritten ein „Naherholungsgebiet für uns, aber auch für Touristen“. Außerdem sei der See die wirtschaftliche Grundlage für Fischer, Seebesitzer und Landwirte.

Broschüre über Simssee-Schutz aktualisieren

Kürzlich hat laut dem Bürgermeister ein Treffen mit dem Landratsamt, dem Wasserwirtschaftsamt, den Seebesitzern, dem Fischereiverband, dem Aktionsbündnis „Sauberer Simssee“ und den fünf Anliegergemeinden stattgefunden. Dabei habe er angeregt, eine Broschüre über den Schutz des Simssees zu aktualisieren, die unter dem damaligen Landrat Dr.  Max Gimple publiziert wurde.

In der Gemeinderatssitzung, die zum Punkt Simssee ohne Beschlussfassung endete, sagte Richard Mühlbauer (FBP), dass es ihn ärgere, dass die Landwirte immer als Schuldige dargestellt würden. Einerseits sollten sie viel und billig produzieren, gleichzeitig fordere der Verbraucher Qualität. Mühlbauer ist selbst Landwirt. Seiner Ansicht nach gebe es beim Aktionsbündnis „Sauberer Simssee“ viel Unwissen. Die vielen Maßnahmen zum Gewässerschutz, die seit 2003 laufen, seien von dem Bündnis nicht ausreichend berücksichtigt worden. Ihm sei das Miteinander wichtig, betonte er mehrfach, und erntete dafür Applaus aus den Reihen des Gremiums und der Zuhörer. Mühlbauers Meinung teilten Christine Kreuz (FWGR) und mehrere Gemeinderäte aus allen Fraktionen.

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Sebastian Hamberger (WGS) hingegen gab an, Mitglied des Aktionsbündnisses zu sein. Für ihn bleibe das Hauptproblem die Bewältigung des Regenwassers. Das Überlaufen der Gullys müsse verhindert werden.

See-Experten-Team aus Österreich untersucht Simssee

Robert Langzauner (WUS) hakte daraufhin nach, ob schon Ergebnisse des See-Expertenteams, die Anfang August im See getaucht sind, vorliegen. Bereits seit drei Jahren untersucht ein Team der „systema Bio- und Management Consulting GmbH“ aus Österreich den Simssee. „Mit vier Tauchern kartieren wir die Unterwasserpflanzen am Ufer entlang“, erklärte Geschäftsführerin Dr. Karin Pall auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Die Gruppe aus Wissenschaftlern, Tauchern und IT-Experten hat dabei laut Pall zwei Hauptaufgaben: Herauszufinden, woher die Belastung für die Pflanzen kommt, und wie sie sich in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat. „Wir prüfen, ob sich ein Trend abzeichnet, entweder in die positive oder negative Richtung“, so Pall. Vor Abschluss des Projekts Ende Oktober dürfe sie zu den Ergebnissen aber nichts sagen. Da sei nicht im Sinne des Auftraggebers, das Bayerische Landesamtes für Umwelt, der Auftraggeber für das Projekt.

Aus diesem Grund hat auch Riederings Bürgermeister Christoph Vodermaier noch keine Resultate vorliegen, wie er bestätigte. Dennoch zeigt er sich überzeugt: Die Behörden wären eingeschritten, wenn die Wasserqualität für Schwimmer zuletzt gesundheitsgefährdend gewesen wäre.

Treffen von Bauern und Aktionsgruppe

Für Gerhard Vilmar von der Aktionsgruppe ist dieses Miteinander das erklärte Ziel. „Wir wollen für den See, aber nicht gegen die Landwirte handeln. Dafür brauchen wir einen lösungsorientierten Ansatz“, betonte er ausdrücklich. Deshalb lädt Vilmar nun zu einer Diskussionsrunde ein. Am 30. September setzt er sich mit fünf Landwirten und dem Riederinger Bürgermeister an einen Tisch, um über die Zukunft des Simssees zu diskutieren. Weitere Informationen dazu können per E-Mail an info@sauberersimssee.de angefordert werden.

Das „Simssee-Schutzprojekt“:

Der Abwasserzweckverband (AZV) Simssee, das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (WWA) und das Freisinger Planungsbüro Ecozept arbeiten gemeinsam mit rund 200 Landwirten im „Simssee-Schutzprojekt“ zusammen. Das Ziel: den Zustand des Sees weiter zu verbessern und abzusichern. Die Maßnahmen: Untersaaten, Zwischenfrucht und Pflanzrichtungen quer zum Hang. Seit 2010 wurden die Anstrengungen vom Bereich Riedering auf die Gemeinden Bad Endorf, Prutting, Söchtenau und Stephanskirchen ausgedehnt. Das Gebiet im Schutzprojekt umfasst rund 3000 Hektar.

Was sind Rotalgen?

Rotalgen sind Gewächse, die durch die Fotosynthese eine rote Färbung annehmen. Sie kommen sowohl im Salz- als auch im Süßwasser vor. Ob ein Gewässer wegen Rotalgen für Menschen gesperrt wird, hängt laut Landratsamt-Sprecherin Ina Krug von der Höhe der Konzentration ab. Laut Dr. Gerhard Vilmar von der Aktionsgruppe sind Rotalgen für den Menschen ungefährlich. Allergische Reaktionen oder Hautreizungen seien im Normalfall nicht zu erwarten.

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