Ab September 50 Euro mehr: Gemeinderat Oberaudorf ist für Erhöhung der Kindergartengebühren

Ab September werden die Kindergartengebühren erhöht. Das gilt sowohl für die „Schatztruhe“ in Niederaudorf (Foto) als auch für das „Audorfer Kindernest“ in Oberaudorf.
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Ab September werden die Kindergartengebühren erhöht. Das gilt sowohl für die „Schatztruhe“ in Niederaudorf (Foto) als auch für das „Audorfer Kindernest“ in Oberaudorf.

Es sei eine Entscheidung gewesen, die kein Bürgermeister gerne treffe. Und doch sei sie notwendig, sagte Bürgermeister Matthias Bernhardt in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Kindergartengebühren sollen erhöht werden, denn alle Bürger Oberaudorfs sollen etwas vom sozialen Kuchen abbekommen.

Von Barbara Forster

Oberaudorf – Die Gebühren für die Kindertagesstätten in der Gemeinde Oberaudorf sollen ab 1. September um 50 Euro erhöht werden. Eine Entscheidung, die für einen Bürgermeister nicht leicht sei, merkte Prof. Dr. Matthias Bernhardt (FWO) in der jüngsten Gemeinderatssitzung an. Zumal die Gebühren 2019 erst gesenkt worden sind. Ein Fehler, wie der Rathauschef einräumte: Denn jetzt sei man gezwungen, dagegen zu steuern. Der Beschluss für die Anpassung der Kindertagesstättengebührensatzung (KTGS) war am Ende nicht einstimmig: 14 Gemeinderäte waren dafür, drei dagegen.

Rund 1,2 Millionen Euro investiert

Die Gemeinde unterstütze die beiden Kindergärten „Audorfer Kindernest Oberaudorf“ und die „Schatztruhe in Niederaudorf“ jedes Jahr mit steigenden Beiträgen. Im Jahr 2019 waren es etwa 1,2 Millionen Euro, sagte Bernhardt. Dies entspreche etwa zehn Prozent des Gemeindehaushaltes.

Der Freistaat Bayern habe sich 2019 dazu entschieden, jeden Kindergartenplatz mit 100 Euro pro Monat zu bezuschussen. Damals, so berichtete Bernhardt in der Sitzung, wurde das Geld direkt an die Eltern weitergereicht. Anstatt der damals ursprünglichen Gebühr von 104 Euro im Monat für eine tägliche Betreuungszeit zwischen drei bis vier Stunden seien die Gebühren auf vier Euro im Monat gesunken. Bei einer täglichen Betreuungszeit von mehr als neun Stunden wiederum von 173 Euro auf 73 Euro.

Jetzt müsse man allerdings handeln. Die Gemeinde investiere viel Geld in die Kindergartenkinder. Aber auch andere Altersgruppen sollten vom „sozialen Kuchen“ etwas abgekommen, erklärte der Rathauschef.

In den kommenden Jahren werde die Gemeinde eventuell in Einrichtung neuer Klassenzimmer und auch in eine Jugendeinrichtung investieren müssen. Woanders könne man das Geld nicht abziehen, verdeutlichte Bernhardt. Deshalb sehe sich die Gemeinde nun gezwungen, die Gebühren um 50 Euro zu erhöhen. Damit läge man aber immer noch deutlich unter den Sätzen im Jahr 2018, betonte Bernhardt. 80 Prozent der Kosten seien Personalkosten, ein weiterer großer Teil fließe in den Gebäudeunterhalt. Reduzieren ließen sich die Kosten nur zu Lasten der Qualität. Aber Oberaudorf möchte den jetzigen Anspruch beibehalten, weshalb eine Erhöhung die einzige Option wäre.

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Auf lange Sicht müsse die Gemeinde überlegen, was möglich wäre. Als „mittelfristige Lösung“ sehe Bernhardt zum Beispiel eine Schließung um die Mittagszeit. Manchmal mussten wegen zwei Kindern am Nachmittag zwei Betreuer arbeiten, ließ er verlauten. Beispiele wie diese würden hohe Kosten nach sich ziehen. Und ganz nach dem Motto „Was nix kostet, ist nix Wert“, würden viele Eltern auch mehr Zeit buchen, um flexibler zu sein. Mit einer Gebührenerhöhung könnte man dieses Problem möglicherweise aus dem Weg räumen. Dass diese Entscheidung wahrscheinlich viel Unmut bei den Eltern auslösen wird, weiß er. Nichtsdestotrotz sei sie aber notwendig, damit Oberaudorf fähig zu Investitionen für alle Bürger bleibe.

Unter den Gemeinderäten entstand eine angeregte Diskussion. Stephan Bruhn (FW) teilte die Ansicht des Bürgermeisters: Die Gebühren müssen angehoben werden. Der Staat gebe immer mehr Betreuung vor. Dadurch haben sich die Kosten im Laufe der vergangenen Jahre weit mehr als verdoppelt.

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Eine Erhöhung von 50 Euro ist in seinen Augen ein „ganz wichtiger Schritt“. Für sozialbedürftige Eltern, die sich diese Kosten nicht leisten können, gebe es wiederum andere Möglichkeiten, sie sozial zu unterstützen.

Anderer Meinung war da Susanne März (FW). Das Kind sei „unser Gut“, wo man Geld investieren sollte. Sie bemängelte die Tatsache, dass neben der Erhöhung auch die Geschwisterermäßigungen wegfallen würden. Weiter kritisierte sie, dass man sich bereits vor zwei Jahren hätte überlegen sollen, die Gebühren anzuheben. „Der Rahmen passt nicht.“ Die Eltern würden sich nicht abgeholt fühlen. Auf die Frage, für wie lange die Erhöhung angedacht sei, entgegnete Bernhardt, dass er dafür „Kaffeesatz“ lesen müsste. Wichtig sei jetzt rechtzeitig entgegenzusteuern und dann strukturell zu arbeiten.

Zeitnah soll Infoabend für Eltern stattfinden

Ebenfalls für eine Erhöhung war Magnus Waller (CSU). Die jetzigen Preise seien nicht teuer, früher hätte man weitaus mehr für eine Kindertagesstätte gezahlt. „Das sind unsere Kinder. Das muss es mir selber Wert sein“, machte er deutlich. Auch Daniela Bernhardt (FW) sagte, dass eine Erhöhung „angemessen“ und „wichtig“ sei.

Am Ende fiel der Beschluss 14:3 für eine Anpassung der KTGS: Diese umfasst eine Anhebung der Gebühren für Regelgruppen-Plätze um 50 Euro je Einheit, eine Anhebung der Gebühren für Krippengruppen-Plätze um 20 Euro je Einheit, eine Festsetzung kostendeckender Essensgebühren sowie der Wegfall sämtlicher Geschwister-Ermäßigungen.

Auf Nachfrage teilte Bernhardt mit, dass für die Eltern zeitnah ein Infoabend, organisiert von den Elternbeiräten, angedacht sei.

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