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Kommune soll ihren Charme bewahren

Seit über einem Jahr Bürgermeister in Oberaudorf: Matthias Bernhardt zieht Bilanz

Matthias Bernhardt ist seit 1. April Bürgermeister von Oberaudorf.
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Matthias Bernhardt ist seit 1. April Bürgermeister von Oberaudorf.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
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Seit über einem Jahr sitzt Matthias Bernhardt (FWO) nun im Chefsessel des Oberaudorfer Rathauses. Keine leichte Aufgabe in Zeiten der Corona-Pandemie. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen zieht er Bilanz und spricht über erreichte und bis dato noch unerreichte Ziele.

Wie haben Sie dieses turbulente Corona-Jahr als Bürgermeister empfunden?

Matthias Bernhardt: Vor allem hat es mir leidgetan für die Mitbürger, die sich teilweise in sehr schwierigen Lagen befanden. Dies fängt bei unseren Gewerbetreibenden an, die unglaublich viel Maßnahmen umsetzen und sich stark anpassen mussten, und es geht weiter bei den Eltern, die ihre Kinder zuhause betreuen und Job und Schule beziehungsweise Kindergarten vereinbaren mussten. Das zu sehen, hat mich betroffen gemacht. Die Gemeinde konnte oftmals auch relativ wenig unterstützen, weil wir keine rechtliche Handhabe hatten beziehungsweise Informationen immer zeitgleich mit den Bürgern bekommen haben. Uns fehlte oft die Information der übergeordneten Behörden, um rechtzeitig umfassend informieren zu können. Gleichzeitig habe ich für uns als Gemeinde die Pandemie nie als Entschuldigung gelten lassen, etwas nicht anzupacken. Wir haben trotzdem zugesehen, dass wir die wichtigen Dinge angehen.

Gerade im März gab es so einige Gemeinderatssitzungen. Wann sind Sie denn mal nicht im Rathaus?

Bernhardt: Freizeit ist ein rares Gut (lacht). Das hat man aber vorher gewusst. Dass man als Bürgermeister relativ viel Zeit im Rathaus verbringt, ist klar. Das ist ja auch die Verpflichtung, die man eingeht. Aber ohne die großartige Hilfe meine Mitarbeiter würde das auch nicht gehen und natürlich ist auch die Unterstützung durch die Familie wichtig. Allgemein war das erste Jahr inhaltlich durch viele Planungen gekennzeichnet. Im Zweiten kommen wir jetzt langsam in die Umsetzung. Da wird man im Dorf auch sehen, dass sich aus diesen Planungen etwas ergibt.

Vieles auf den Weg gebracht

Worauf sind Sie als Bürgermeister bis jetzt besonders stolz?

Bernhardt: Wir haben ja vieles auf den Weg gebracht: zum Beispiel die Bauleitplanungen am Heimfeld und am Gschwendtnerfeld, aber auch die Erhaltungssatzung für das Innendorf und die Dorfgestaltungssatzung. Hier war uns wichtig, dass der Dorfcharakter erhalten bleibt. Und durch die Gestaltungssatzung werden in Zukunft auch Dinge wie Flachdächer verhindert werden. Das waren wichtige Punkte, die wir umgesetzt haben.

Auch der Kindergartenumbau in Niederaudorf wurde jetzt in Angriff genommen.

Bernhardt: Ja. Darüber wurde viel diskutiert im Gemeinderat. Aber am Ende war wichtig, dass man auch in die Umsetzung kommt. Und dass wir das beim Kindergarten jetzt geschafft haben, ist wichtig und war höchste Zeit. Die Architektenleistungen sind jetzt vergeben. Dasselbe gilt auch für das Gebiet „Am Heimfeld“. Überall passiert jetzt etwas.

Kloster Reisach ein vielschichtiges Thema

Und wie schaut es in Sachen Kloster Reisach aus?

Bernhardt: Das ist ein ganz vielschichtiges Thema. Eines, das man langfristig angehen muss. Unser kurzfristiges Ziel ist es nach wie vor, unsere Vereine wieder dort unterzubringen. Und das ist ein äußerst zäher Prozess, weil in meinen Augen nichts dagegenspricht, dass die Vereine das Kloster nutzen könnten. Aber aufgrund von der nicht klaren Zuordnung der Behörden ist das ein Problem. Unser langfristiges Ziel ist das große Thema: Was passiert denn eigentlich mit dem Kloster? Tut man sich mit privaten Investoren zusammen und entwickelt das Kloster weiter oder wird die Gemeinde aktiv? Der Knackpunkt ist nicht das Kloster an sich, sondern die Kirche. Und das Problem ist folgendes: Wenn eine Kirche vom Staat veräußert wird, ist es eigentlich keine Kirche mehr. Das wollen wir natürlich vermeiden. Gleichzeitig kann natürlich auch die Gemeinde keine Kirchen kaufen und erhalten. Das geht über unsere Möglichkeiten hinaus. Aber wir arbeiten daran. Wir sind mit der Bayerischen Regierung in Kontakt und auch mit der bayerischen Immobilienverwaltung im Gespräch.

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Und wie geht es dem anderen Sorgekind, der Kläranlage?

Bernhardt: Die Kläranlage ist im Zeitplan. Auch die Kosten bleiben bei den rund zwölf Millionen Euro – mit vielleicht kleinen Abweichungen, aber im Großen und Ganzen bleibt es in diesem Bereich. Aber für den Bürger ist die generelle Kostensteigerung natürlich nach wie vor unerfreulich. Daran können wir jetzt leider nichts mehr ändern, beim Amtsantritt waren die Aufträge weitgehend vergeben. Inhaltlich und technisch verläuft aber alles positiv. Aber die Kostenfrage wird für den Bürger eine Belastung bleiben.

Inwiefern?

Bernhardt: Der Bürger bekommt jetzt unmittelbar die Belastung durch den Verbesserungsbeitrag zu spüren und im Nachgang wird sich der Bau auch in den Abwassergebühren niederschlagen. Das wurde ja im alten Gemeinderat so beschlossen, dass die Hälfte der Investitionskosten über den Verbesserungsbeitrag finanziert wird. Dann sind es aber immer noch sechs Millionen Euro, die wir über viele Jahre über die Abwassergebühren einzunehmen haben.

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Im Gebiet „Am Heimfeld“ sollen jetzt mehr Wohneinheiten entstehen. Braucht Oberaudorf mehr Einwohner?

Bernhardt: Das ist ein komplexes Thema. Oberaudorf wächst seit Jahren. Und das Heimfeld schafft natürlich gewissen Wohnraum, den es aber auch benötigt. Man findet ja eigentlich keinen Grund mehr zum Bauen. Der Bedarf ist da. Wenn diese Maßnahme umgesetzt ist, werden wir aber erst einmal weniger Baugrund ausweisen und schauen, wie sich die Situation entwickelt. Wir müssen aufpassen, dass wir in keine Zwangslage kommen und rechtzeitig mit Kindergartenerweiterungen oder Schulausbau nachziehen.

Pumptrack für Jugendliche

Was tut Oberaudorf in Sachen Freizeitaktivitäten? Ihr persönlicher Wunsch wäre eine Attraktion für die Jugendlichen.

Bernhardt: Was wir dieses Jahr im Haushalt schon einkalkuliert haben, ist ein Pumptrack. Viele Jugendliche haben häufig danach gefragt. Wir bemühen uns, dass wir in eine zeitnahe Umsetzung kommen. Das werden wir in der nächsten Gemeinderatssitzung ansprechen.

Was fand in Ihren Augen bislang zu wenig Beachtung?

Bernhardt: Wenn man so will, dann die Verkehrsproblematik in Oberaudorf. Ich glaube, dass wir zusehen müssen, dass wir die Attraktivität von unserem Dorf bewahren und verbessern. Ein erster Schritt wurde schon durch die Ortsgestaltungs- und Erhaltungssatzung getan. Wir möchten auch ins Städtebauförderprogramm und wir befinden uns mit dem Staatlichen Bauamt in Gesprächen, ob wir die Dorfdurchfahrtsstraße mit der Geigelsteinstraße tauschen könnten. Dann hätten wir wieder die Gestaltungshoheit über das Innendorf zurück. Bis jetzt darf die Gemeinde ja nicht mal einen Zebrastreifen über die Dorfstraße bauen ohne einen riesigen Verwaltungsakt. Außerdem bekommen wir sehr viele Anfragen, was Tempo-30-Zonen angeht.

Brenner-Nordzulauf Problem für das Oberaudorf

Was wäre Ihr Ausblick für dieses Jahr?

Bernhardt: Als großen Ausblick haben wir den Brenner Basistunnel Nordzulauf. Da haben wir mit der violetten Trasse noch ein ganz großes Problem für unser Dorf. Wir streben eine Verschiebung der Verknüpfungsstelle in den Wildbarren an. Wir haben viele aktive Landwirtschaften, die schützenswert sind. Gerade mit Blick auf Niederaudorf, das 2010 die Goldmedaille im Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft‘ erhalten hat, wäre es doch unnachvollziehbar, wenn der Staat durch bauliche Maßnahmen diese Zukunft infrage stellt. Dieses Thema wird uns aber noch länger als nur nächstes Jahr beschäftigen, das ist ein Marathonlauf und kein Sprint.

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