„Sehe mich als Dienstleister“

Bürgermeister Rainer Auer(50) ist ein ausgesprochener Bergfreak. Deshalb hat er sich entschlossen, als „Lieblingsplatzerl“ seinen Garten zu wählen. Dort hält er seit Jahren einige Hühner. Allerdings sei es etwas schwierig gewesen, eines davon zu fangen: Sie wollten partout nicht aufs Foto. Doch Auer und der Fotograf ließen nicht locker. schlecker
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Bürgermeister Rainer Auer(50) ist ein ausgesprochener Bergfreak. Deshalb hat er sich entschlossen, als „Lieblingsplatzerl“ seinen Garten zu wählen. Dort hält er seit Jahren einige Hühner. Allerdings sei es etwas schwierig gewesen, eines davon zu fangen: Sie wollten partout nicht aufs Foto. Doch Auer und der Fotograf ließen nicht locker. schlecker

Familie Auer ist ausgesprochen sportlich unterwegs: Neben Bürgermeister Rainer Auer, der seit letztem Sommer den Titel „sportlichster Bürgermeister Bayerns“ tragen darf, begleitet ihn seine Frau auf vielen seiner ausgiebigen Mountainbike-Touren. Und auch die beiden Söhne lieben Sport. „Mit meinem älteren (20) ringe ich momentan. Es ist absehbar, wann er mich überholt. Aber noch kann ich mich wehren“, sagt der Stephanskirchener Bürgermeister.

Stephanskirchen – Durch den Sport, so Auer, habe er viel gelernt und hier habe er sich als junger Mensch seine Erfolge geholt. „Ich bin einfach ein Mensch, der die Bewegung braucht“, meint er. Es sei ein „gutes Ventil“ für vieles. Den Bergsport betreibt er seit seiner Kindheit. „Aber wandern muss ich nicht haben.“ Er erobert die Berge im Winter auf den Ski und im Sommer auf dem Rad. Seine „Hausstrecke“ führt über den Inndamm nach Nußdorf auf den Heuberg. „Oben am Brunnen ruhe ich etwas aus, dann geht es zurück“, erzählt er beim Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Doch bis ihn die Bürger zum Bürgermeister wählten, war er zunächst Konditor und dann Lehrer. „Aber die Kuchenbäckerin ist heute meine Frau. Ihr Apfelkuchen ist unübertroffen“, schwärmt er. Überhaupt halte ihm die Familie den Rücken frei. „Bürgermeister bist du nicht von 8 bis 17 Uhr. Das lässt dich 24 Stunden nicht los. Die Gedanken sind beim Einschlafen und beim Aufwachen dabei.“ Deshalb sei er seiner Frau und auch den beiden Söhnen (18/20 Jahre) dankbar, dass sie ihm diesen nötigen Freiraum geben.

Seit 2008 ist er Bürgermeister in Stephanskirchen – ohne jede Parteizugehörigkeit. Das hält er auch für richtig. „Dankbar“ sei er seiner Verwaltung, denn damals sei er als Newcomer „ins kalte Wasser“ gesprungen. „Ohne die Unterstützung einer funktionierenden Verwaltung hast du keine Chance. Du bist da völlig abhängig. Aber sie waren gnädig zu mir“, meint er im Rückblick.

Seine Rolle als Bürgermeister sei eine Zwitterform, erklärt er. Denn einerseits müsse er die Regularien einer Verwaltung berücksichtigen, andererseits dem Bürger, von dem er ja gewählt wurde, dienen. „Ja“, sagt er, „ich sehe mich und meine Mannschaft hier als Dienstleister“. Er möchte ein Vermittler sein, und den „besten Ideen zum Durchbruch verhelfen“. Er will auch keine abfragbaren Ziele für seine Gemeinde nennen, sondern sagt: „Ich möchte das Potenzial der Bürger, der Vereine, der Gemeinderäte abrufen. Ich möchte, dass die besten Ideen auf den Tisch kommen und diskutiert werden. Und die müssen durchaus nicht nur von mir stammen. Aber ich will sie ermöglichen.“

Durch viele Gespräche seien so die Holzhäuser für die Flüchtlinge zustande gekommen. „Wir haben in Haidholzen Erfahrung mit den Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg“, erinnert Auer. Dezentrale Unterbringung sei schon damals ein Faktor für geglückte Integration gewesen. „Davon sollten wir uns inspirieren lassen.“ Grundsätzlich hält er es für wichtig, sich bei Diskussionen auch in die Situation des anderen hineinzuversetzen. „Dann hat man die Geduld und findet am Ende einen gemeinsamen Weg“, so Auer.

Ein weiteres großes Thema, das die Gemeinde künftig stark bewegen wird, sei bezahlbarer Wohnraum. „Es geht um die Entwicklung neuer Wohnmodelle: Für junge Familien genauso wie für Senioren.“ Auer glaubt nicht an das Modell „Haus-Garage-Gartenzaun“, und ebenso wenig, dass die Generation der Babyboomer im Alter in Seniorenheimen unterkommen kann wie ganze Generationen vor ihr. „Wir müssen bei der Pflege und auch beim Grundstücksverbrauch neue Wege finden“, sagt er. Stephanskirchen sei da auf einem guten Weg: Das Gebiet am Tulpenweg soll in diesem Sinne entwickelt werden. Bezahlbarer Wohnraum soll auch in Haidholzen Südwest entstehen.

Und auch die Themen Wasserversorgung und Verkehr brennen dem Rathauschef unter den Nägeln. Er hat da klare Prioritäten: „Wir wollen eine eigene Wasserversorgung, die Vogtareuther Spange und auf keinen Fall die Dritte Innbrücke, denn sie würde nur noch mehr Verkehr nach Stephanskirchen bringen.“

Ob das alles so kommen wird? „Ich habe da so einen Wahlspruch“, lacht Auer: „Das Leben meistert man lächelnd oder gar nicht.“

„SEHE MICH ALS DIENSTLEISTER“

GESPRÄCH MIT DEM STEPHANSKIRCHENER BÜRGERMEISTER RAINER AUER

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