Seekuh oder Quarzmehl? Wasserqualität am Tinninger See soll besser werden

Der Tinninger See ist beliebt bei Badegästen. Der schwimmende Algenbewuchs ist zwar lästig, aber ein Zeichen dafür, dass sich die Wasserqualität in den vergangenen Jahren verbessert hat.

Grünlich schimmert der Tinnninger See: Starker Algenbewuchs trübt die Idylle des Moorsees bei Riedering. Im Gemeinderat wurde erörtert, wie man den Wasserpflanzen Herr werden kann. Mähen mit der Seekuh bringt nur einen vorübergehenden Effekt. Kann der Einsatz von Quarzsand helfen? Die Gemeinderäte waren sich da nicht einig.

von Elisabeth Kirchner

Riedering – Zum wiederholten Male stand der Tinninger See auf der Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatssitzung. Über dessen Wasserqualität informierten Dr. Thomas Bittl vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und Edeltraud Wissinger vom Büro Ecozept Freising. Das Büro hat den Auftrag, die Sanierung des Sees fachlich zu betreuen.

Nährstoffreicher Moorsee

Der Tinninger See „ein nährstoffreicher, flacher, verlandener See ohne nennenswerte Zu- und Abflüsse“, sagte Dr. Bittl. Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamt haben gezeigt dass die Wasserqualität in vergangenen Jahren besser geworden ist. Die Nährstoffkonzentration sei insgesamt gesunken, so Bittl.. Schimmerte der See früher grünlich, gebe es jetzt aufschwimmende und aufwachsende Algen. Der starke Algenbewuchs, der sich trotz der Mäharbeiten durch die Seekuh bemerkbar mache, lasse den See „furchtbar“ ausschauen, gab der Experte zu. Aber diese Wasserpflanzen, allen voran das raue Hornblatt, entziehen zusammen mit dem Phytoplankton dem See Nährstoffe, was wiederum „ökologisch gesehen positiv zu beurteilen“ sei.

Mähen schlecht für Gewässerökologie

Ein komplettes Mähen sah Bittl kritisch: Es sei gewässerökologisch gesehen nicht zielführend. Für das Wasserwirtschaftsamt sei die Verringerung der Nährstoffkonzentration die wesentliche Stellschraube, betonte er. Noch immer gebe es Nährstoffe im Sediment, vermutlich aus den vergangenen Jahrzehnten, sowie einen Nährstoffeintrag von außen.

Erhöhte Stoffkonzentration im Gögginger Bach

So weise der Gögginger Bach weise eine höhere Stoffkonzentration auf, als er eigentlich aufweisen sollte. Hier erwarte er sich Mithilfe durch die Studie der Firma Ecozept, deren jüngste Ergebnisse Edeltraud Wissinger daraufhin vorstellte. Bei Projektstart 2017 habe es zwölf konventionelle Betriebe und sechs Ökobetriebe gegeben, mittlerweile sei das Verhältnis 50:50. Bei den extensiv genutzten Flächen in dem Gebiet erfolgten auf manchen Feldern bis zu sieben Mahten, durchschnittlich jedoch um die fünf pro Jahr. Im Herbst werde man im Ortsteil Gögging Begehungen vornehmen.

Sebastian Hamberger (Wählerunion Söllhuben) plädierte für eine Behandlung mit Quarzmehl. Eine Firma habe Erfolge mit dieser Methode erzielt. Er habe einen Selbstversuch mit einem Brunnen gestartet. Dr. Bittl entgegnete, dass wissenschaftliche Untersuchungen für den Erfolg dieser Methode fehlten. Auch das Landesamt für Umwelt habe bisher keine positive Wirkung nachweisen können. Zudem sei der Tinninger See ein Moorsee, die Seen, über die berichtet wurde, hingegen seien Baggerseen.

Dr. Georg Kasberger (CSU) hakte nach, ob nicht veränderte Lichtverhältnisse, etwa wegen einer verkürzte Vereisungsperiode, für den Algenwuchs verantwortlich sein können. Dr. Bittl erklärte, dass es hierfür noch keine Laborversuche gebe. In Anbetracht des letzten eisfreien Winters sei zudem die Reaktionszeit zu kurz. „Vielleicht tauchen hier auch alte Pflanzen wieder auf“, so der Fachmann weiter.

Ausbaggern zu aufwändig

Josef Loferer (FWGR) nannte die Situation „verrückt“: Einerseits wolle man einen sauberen See, aber jetzt sei der See zu sauber. Dominik Summerer (CSU) wandte ein, dass der Einsatz der Seekuh teuer käme und dass der Erfolg aber jeweils nur vorübergehend sei.

Thomas Grüber (CSU) hakte nach, ob man durch ein Ausbaggern die Verlandung verhindern könne. Als „zu teuer und zu aufwendig“ bezeichnete Dr. Bittl diesen Vorschlag. Würde man nur einen Meter der 25 000 Quadratmeter großen Seefläche ausbaggern, ergebe das rund 25 000 Kubikmeter Feststoff. Matthias Pummerer schlug daraufhin vor, nur eine kleinere Fläche rund um den Badesteg auszubaggern.

Irmgard Wagner (SPD) fand die Lösung mit dem Quarzmehl teuer. Robert Langzauner (Wählerunion Söllhuben) wandte ein, dass andere Firmen Quarzmehl und Urgesteinsmehl weitaus billiger anbieten würden als die erwähnte Firma NaturSinn, die angibt, die Gesteinszutaten seien mit Energie angereichert.

„42 000 Euro für Hokuspokus zu teuer“

Thomas Grüber meinte, es sei nicht sinnvoll, „42 000 Euro für Hokuspokus auszugeben“. Er zeigte sich aber aufgeschlossen für ein Gespräch mit einem Vertreter der Firma. Christine Kreuz (FWGR) war dennoch skeptisch: Man könne einen Baggersee wie den Reischenharter oder Thansauer See nicht mit dem Moorsee Tinninger See vergleichen.

Bürgermeister Vodermaier beendete die Diskussion. Er schlug vor, einen Vertreter der Firma NaturSinn zu einer der nächsten Sitzungen einzuladen. Dem schlossen bis auf drei Gegenstimmen die übrigen Gemeinderäte an.

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