Mit Schwung ins zweite Jahrhundert

Beim Einzug ins Festzelt.

Leider spielte das Wetter nicht mit, doch die Halfinger Trachtler GTEV "Almenrausch" machten das Beste aus der Situation. Obwohl sämtliche Parkplätze beim Festzelt in Folge der Regenfälle nicht benutzbar waren, feierte der Verein in beeindruckender Weise sein 100. Gründungsfest. Die rund 3000 Besucher wurden bereits an den Ortseingängen über die Situation informiert und parkten auf den Ortsstraßen. Mit Pendelbussen wurden sie dann zum Festzelt gefahren.

Halfing - Um 6 Uhr erfolgte der Weckruf: ein lauter Böllerschuss, der den Halfingern bekannt gab: "Das Fest hat begonnen". Festleiter Paul Anner, Vorstand Sepp Schied, Zweiter Vorstand Wolfgang Obermaier, Ehrenvorstand Rupert Maier und Bürgermeister Peter Böck wurden von der Halfinger Musikkapelle musikalisch geweckt und zum Festzelt "gespielt". Bereits gegen 8Uhr trafen die ersten Vereine ein, darunter der Patenverein "Edelweiß" Bad Endorf. Sie wurden musikalisch von der Halfinger Blasmusik im großen Festzelt, das an der Holzhamer Straße aufgebaut war, empfangen.

Wegen des schlechten Wetters fand die Festmesse im Zelt statt. Es war eine herrliche Kulisse: auf der Bühne der Altar, mehr als 50 Fahnen vor dem neuen riesigen Bühnenbild mit der Halfinger Kirche und der heimischen Bergkette, die Musikkapelle und 60 Sänger der Männerchöre aus Halfing, Vogtareuth und Bad Endorf, dazu unten im Zelt 3000 Trachtler, die Mitglieder aller Ortsvereine und weitere Festgäste. Neben dem Altar stand eine wertvolle, aus Silber getriebene Madonna aus dem Jahr 1522.

Festleiter Paul Anner stimmte die Besucher eindrucksvoll auf den Gottesdienst ein, sodass die Trachtler der Messe aufmerksam folgten und mitfeierten. Die drei Männerchöre sangen gemeinsam die Bauernmesse von Annette Thoma; auch dies war ein selten zu hörender Genuss.

Pater Adam Salomon, der als Ortspfarrer die Messe zelebrierte, stellte in den Mittelpunkt seiner Predigt die Tradition der bayerischen Trachtenvereine und verglich diese mit dem Franziskanerorden, der in diesem Jahr sein 800-jähriges Bestehen feiert. Auch er trage eine "Tracht": die Mönchskutte. Er wünschte dem Festverein für die Zukunft alles Gute.

Nach der Messe vollzog Pater Adam die Weihe der restaurierten Vereinsfahne von 1914 sowie der Fahnenbänder. Die Besucher im Zelt waren mäuschenstill, als drei Dirndl mit bewegenden Worten im sogenannten Prolog je ein Fahnenband des Festvereins an den Patenverein und umgekehrt sowie ein Fahnenband, gestiftet vom Halfinger Festausschuss, an die Fahnen hefteten. Bürgermeister Böck heftete ein neues Totenband an die restaurierte Fahne und gedachte dabei der verstorbenen Vereinsmitglieder. Mit einem "Großer Gott wir loben dich", gesungen von fast allen Besuchern, ging die beeindruckende kirchliche Feier im Festzelt zu Ende.

In ihren Grußworten hoben Bürgermeister Peter Böck, Zweiter Gauvorstand Sebastian Gasteiger und Landratsstellvertreterin Marianne Loferer unisono die besondere Leistung der Trachtenvereine beim Erhalt der Bräuche und des Gewands hervor.

Vorstand Sepp Schied schaute in seinem Grußwort zurück in die Gründungszeit und in die vergangenen 100 Jahre. Er dankte allen Helferinnen und Helfern, die solch ein Fest erst ermöglichen und wünschte sich, dass dieses Fest dem Verein wieder einen starken Auftrieb verleihe.

Obwohl es während der Messe noch einmal kräftig regnete, hatte der Himmel ein Einsehen mit den Halfinger Trachtlern. Pünktlich zu Beginn des Festzugs hörte der Regen auf und so konnten die Trachtler in einem farbenprächtigen Festzug durch Halfing ziehen, mit insgesamt mehr als 2800 Zugteilnehmern aus 36 Trachtenvereinen und 14 Ortsvereinen, begleitet von elf Musikkapellen, neun Festwägen und Kutschen. Angeführt wurde der Zug von der Reiterstaffel der Polizei Rosenheim und Festleiter Paul Anner. Bürgermeister Böck mit Ehefrau Monika, Pater Adam und der Polizeipräsident Franz Mayer, der in Halfing geboren und aufgewachsen ist, saßen in der ersten Kutsche und ließen sich von den vielen Zuschauern feiern. Prächtig ausgestattete Pferdegespanne waren ein zusätzlicher Augenschmaus für die Festgäste.

Nach dem Mittagessen führten die eingeladenen Vereine zahlreiche Ehrentänze und Plattler auf, es war ein stundenlanges, zwangloses, aber doch gut organisiertes Feiern miteinander. Vorstand Sepp Schied und Festleiter Paul Anner überreichten den Vereinen und Ehrengästen zum Abschluss die Erinnerungsgaben. Auch dies ein besonderer Einfall der Halfinger Trachtler: anstatt des oft üblichen Bierkruges gab es einen handgetöpferten Weihwasserkessel für die Vereinsheime, liebevoll auf ein verziertes Holzbrett mit den Daten des Festes drapiert. Vielleicht waren es ja gerade diese Weihwasserkessel, die den grauen Himmel während des Festzugs veranlasst hatten, die "Gieskanne" abzustellen? re

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