ZUM WOHL DES KINDES

Schulsozialarbeit an der Grundschule Oberaudorf wird aufgestockt

An der Grundschule Oberaudorf wird seit einigen Jahren Schulsozialarbeit angeboten. Aus Sicht des Schulleiters Matthias Wiesensarter müsse der Bedarf nach Angeboten erhöht werden.
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An der Grundschule Oberaudorf wird seit einigen Jahren Schulsozialarbeit angeboten. Aus Sicht des Schulleiters Matthias Wiesensarter müsse der Bedarf nach Angeboten erhöht werden.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Weil wegen Corona und steigender Schülerzahl der Bedarf an Betreuungsangeboten im Rahmen der Jugendsozialarbeit immer mehr zunehme, hat die Gemeinde Oberaudorf beschlossen, die wöchentliche Stundenanzahl ab 1. April zu erhöhen.

Oberaudorf – Kinder mit Problemen gibt es nicht nur in der Großstadt. Auch in Oberaudorf steigt der Bedarf nach Betreuungsangeboten in der Jugendsozialarbeit. Seit 2015 ist Diplompädagogin Ursula Dekassian unter der Trägerschaft „Pro Arbeit Rosenheim“ als Jugendsozialarbeiterin an der Grundschule Oberaudorf tätig.

Weil ihr Vertrag Ende März ausläuft, nach Ansicht des Schulleiters Matthias Wiesensarter eine Fortsetzung ihrer Arbeit aber dringend nötig sei, bedurfte es in der vergangenen Gemeinderatssitzung einen Beschluss, der diese Angelegenheit regelt.

29.160 Euro kostet Betreuung im Jahr

Alle Gemeinderäte waren sich einig, dass in das Wohl der Kinder investiert werden sollte. Deshalb beschloss das Gremium am Ende einstimmig, die Zusammenarbeit mit dem Verein „Pro Arbeit Rosenheim“ unbefristet zu verlängern. Darüber hinaus wurde festgelegt, dass ab 1. April die wöchentliche Stundenzahl der Schulsozialarbeit von zehn auf 15 Stunden erhöht wird. Dafür würden jährlich Kosten von 29.160 Euro anfallen.

Um dem Gemeinderat die Aufgabenfelder der Schulsozialarbeit vorzustellen und über den Stand der Dinge zu informieren, waren Schulleiter Matthias Wiesensarter und Ursula Dekassian in der Sitzung zu Gast.

Die Zusammenarbeit mit dem Verein „Pro Arbeit Rosenheim“ funktioniere „sehr gut“, setzte Wiesensarter an. Das Angebot sei eine wichtige Einrichtung an der Grundschule – insbesondere deshalb, weil dafür keine weiten Wege erforderlich seien. Man müsse nicht erst nach Rosenheim fahren, um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zudem leiste Ursula Dekassian sinnvolle Präventionsarbeit in den verschiedenen Klassen, die zur Konfliktlösung beitragen würde.

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Aus seiner Sicht steige der Bedarf nach solchen Angeboten. Zum einem erhöhe sich die Schülerzahl, und zum anderem habe er den Eindruck, dass sich die Corona-Pandemie negativ auf das Gemüt der Kinder auswirke. Dazu gäbe es auch belegende Studien. Darüber hinaus lebten auch in Oberaudorf einige Flüchtlingsfamilien. Und für Kinder mit Migrationshintergrund gebe es ebenfalls unterstützende Maßnahmen, beispielsweise bei Sprachproblemen.

Die Jugendsozialarbeit, so schilderte Ursula Dekassian, verstehe sich als Schnittstelle zwischen Schule, Familie und sozialem Umfeld. Sowohl Einzelfallarbeit als auch Gruppenarbeit gehöre zu ihren Aufgaben. Zudem biete sie auch Beratungsgespräche für Eltern an. Die Grundschule Oberaudorf beschreibt sie als „zentralen Punkt“, eine Anlaufstelle für Schüler und Eltern, die Hilfe suchten. Dabei sei entscheidend, dass den Kindern eine Vertrauensperson zur Verfügung stehe, die „keine Lehrkraft“ sei.

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Diese These unterstrich auch Wiesensarter: Lehrer, die die Kinder zugleich bewerten würden, seien in seinen Augen keine geeigneten Ansprechpartner. Und bei Ursula Dekassian bliebe alles in einem geschützten Raum, weil sie unter Schweigepflicht stehe. Im Anschluss nannte sie einige anonyme Fallbeispiele.

Bürgermeister Matthias Bernhardt (FWO) ergriff das Wort und sprach sich für die Erhöhung des Betreuungsbedarfs aus: „Mich bedrückt das, wenn ich höre, dass es auch in Oberaudorf Kinder mit Verwahrlosungstendenzen gibt.“ Auch Stephan Bruhn (FWO) befürwortete eine Aufstockung der Stundenzahl: „Jedes Kind, das wir nicht auffangen, haben wir später als Problemfall in der Gesellschaft.“

Geld sei „gut investiert“

Katharina Kern (CSU) wollte wissen, ob die Jugendsozialarbeit mit dem Jugendamt vernetzt sei und im Notfall auch Fälle von Kinderwohlgefährdung melden würde. Ursula Dekassian bejahte, betonte allerdings, dass sie diesbezüglich immer nochmals Rücksprache mit einer Fachkraft halten würde. Für Stefan Hirnböck (FWO) sei das Geld für die Erhöhung der Betreuungsstunden „gut investiert“. Und darüber waren sich alle einig.

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