„Das schmerzt schon sehr“: Wegen Corona-Krise keine Aufführungen im Volkstheater Flintsbach

Der Hauptvorhang im Flintsbacher Theaterhaus öffnet sich in diesem Jahr nicht. Erstmalig seit dem Zweiten Weltkrieg entfällt die Spielsaison. Volkstheater Flintsbach
  • vonBarbara Forster
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Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg entfallen heuer die Vorstellungen im Volkstheater Flintsbach. „Das schmerzt schon sehr“. so Vorsitzender Anton Obermair. Die Spieltradition in der Inntalgemeinde reicht fast 350 Jahre zurück.

Flintsbach –  Das Volkstheater Flintsbach sei das zweitälteste Dorftheater Deutschlands, sagt Anton Obermair, Erster Vorsitzende des Volkstheaters Flintsbach. Und seit dem Zweiten Weltkrieg sei es erstmalig, dass eine Spielsaison nicht stattfinden kann.  „Das schmerzt schon sehr“, teilt der Vorsitzende am Telefon mit. Aber Corona hätte ihnen keine Wahl gelassen.

Fester Bestandteil des Dorflebens

In Flintsbach Theater zu spielen sei „eine Ehre“, sagt Obermair. Man blicke auf eine fast 350-jährige Spieltradition zurück. Das Volkstheater sei ein fester Bestandteil des Dorflebens. Dementsprechend traurig und enttäuscht seien auch die Schauspieler, dass das geplante Stück - „Himmelwärts“ von Ödin von Horvath – nicht stattfinden wird. Probestart wäre am 20. April gewesen. „Die Spielrollen wurden schon verteilt“, erklärte Obermair mit matter Stimme. Premiere hätte das Stück am 20. Juni gefeiert. In der Regel rechne man mit 7000 bis 8000 Zuschauern pro Spielsaison, erklärt Obermair. Ein „enormer Einnahmeblock“ breche nun weg. Dabei hätte der Verein die Einnahmen gut gebrauchen können: 2023 feiert das Theaterhaus (erbaut 1823) sein 200-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wollte man das Gebäude umfangreich sanieren.

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Vor allem das Dach und die Wände müssten dringend isoliert werden, erklärt Obermair. Im Winter sei es im Theaterhaus zu kalt und im Sommer zu heiß. Das sei weder für Zuschauer noch für die Spieler angenehm. Trotz enormer Einbußen hat sich der Vorstand deshalb entschieden, die Baumaßnahmen weiterhin durchzuführen. Normalerweise finanziere sich der Verein durch den laufenden Spielbetrieb komplett eigenständig. Jetzt sei dieser allerdings auf Spenden und Fördergelder angewiesen.

Wie es jetzt weitergeht? „Da müssen wir jetzt erst einmal schauen“, lässt der Vorsitzende verlauten.

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„Wir wollten nicht aufgrund von Corona die geplanten Erneuerungen verschieben“, erklärt Obermair. Notfalls müsste man einen Kredit aufnehmen. Die Bauabschnitte seien auf drei Etappen aufgeteilt: Die Ostfassade des Gebäudes sei vergangenen Winter (2019/2020) schon erneuert werden, berichtet Obermair. „Das wurde noch aus Eigenmitteln finanziert.“ Kommenden Winter sei dann aber die Westfassade an der Reihe und im darauffolgenden Jahr erfolge die Sanierung des Daches.

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Obermair freut sich auf den Tag, wenn der Spielbetrieb wieder fortgesetzt werden darf. Das Bühnenstück „Himmelwärts“ von Ödin von Horvath werde auf jeden Fall irgendwann aufgeführt – aber vermutlich nicht im nächsten Jahr: „Das Stück handelt vom Tod“, erklärt Obermair den Umstand. In Anbetracht der aktuellen Corona-Situation sei dieses Thema möglicherweise unangebracht.

„Es ist kein Weltuntergang“

Für Spielleiter Peter Astner wäre diese Saison die letzte gewesen: „Nächstes Jahr stehe ich nicht mehr zur Verfügung“, sagt er gegenüber den OVB Heimatzeitungen. Dann falle die Spielleitung in jüngere Hände. Dass Proben und Vorstellungen in diesem Jahr ausfallen mussten, findet er „furchtbar schade“. Er stellt allerdings klar: „Es ist kein Weltuntergang. Andere trifft es viel härter.“ Wer den Verein bei seinen Sanierungsmaßnahmen unterstützen möchte, kann sichunter info@volkstheater-flintsbach.de melden.

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