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Italienischer Gelegenheitsarbeiter mit riskantem Aushilfsjob - Mit Bewährungsstrafe davon gekommen

Schleuser - unrentabler Nebenberuf

Oberaudorf - Nicht schlecht gestaunt haben die Beamten der Bundespolizei, als sie in der Nacht zum 7. August 2010 an der Autobahnausfahrt Oberaudorf einen VW Sharan anhielten. Sieben Frauen und fünf Kleinkinder saßen und lagen kreuz und quer in dem Fahrzeug. Der Fahrer, ein 49-jähriger Italiener aus Fiorenzola, wies die nötigen Papiere vor. Nicht aber seine Passagiere. Das ist bei illegalen Einwanderern aus dem Irak auch eher selten. Jetzt hatte sich der 49-Jährige vor dem Rosenheimer Schöffengericht zu verantworten.

Vor Gericht erzählte er - mit Hilfe einer Dolmetscherin - lang und breit, wie sehr ihn ein guter Bekannter hinters Licht geführt habe, für den er lediglich eine Gefälligkeitstour fahren sollte. Erst im letzten Moment habe ihm dieser erklärt, dass es darum ginge, Leute nach Deutschland zu bringen. Geld habe er auch keines gesehen. Er habe die Passagiere auch gefragt, ob sie die nötigen Papiere für den Grenzübertritt hätten. Aber sie hätten ihn nicht verstanden. Auf seine eindringliche Frage nach "Passaporte" hätten sie aber "yes, yes" gesagt. Das habe ihm genügt, so der Angeklagte.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Heinrich Loeber, ob es ihm nicht seltsam erschienen sei, dass diese "ordentlichen" Passagiere nachts auf einem unbeleuch-tetem Parkplatz zugestiegen seien, und dass er sie an einem Halteplatz weit außerhalb von München absetzen sollte, gestand er nach langem Hin und Her, dass er da wohl zu blauäugig gewesen sei, und seinem "Freund" Pietro aus Bergamo nicht hätte so sehr vertrauen dürfen.

Wortreich schilderte er seine prekäre persönliche Situation; erklärte auch, wie man den "Pietro" aus Bergamo, der ihm diesen Job vermittelt habe, ausfindig machen könne, und auch dessen Hintermann.

Ein Beamter der Bundespolizei berichtete, dass die Iraker ausgesagt hätten, sie seien von einem anderen Italiener dahingehend instruiert worden, dass sie - sofern sie vom Fahrer wegen Ausweispapieren befragt würden - einfach mit "yes, yes" antworten sollten und dass sich das dann auch genau so abgespielt hätte.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft führte in ihrem Plädoyer aus, dass es sich bei den Ausführungen nur um eine Schutzbehauptung handeln könne. Niemand dürfe ignorieren, unter welch dubiosen Umständen dieser Transport zustande kam. Sie forderte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und die Entziehung der Fahrerlaubnis.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull, verwies darauf, dass sein Mandant nicht vorbestraft sei, dass er sehr wohl ein umfängliches Geständnis abgelegt habe, wenn er dies als Fremdsprachler auch nicht so präzise formuliert habe. Des Weiteren habe er auch feststellbare Hintermänner benannt. Es sei ihm nicht anzulasten, wenn die Polizei solchen Hinweisen nicht nachgehe. Schließlich verwies er noch darauf, dass sein Mandant sich bereits vier Monate in Untersuchungshaft befände. Das würde dem Mann sicherlich eine hinreichende Warnung sein, sich nicht noch einmal auf ein derart riskantes und unrentables Geschäft einzulassen. Er beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Das Rosenheimer Schöffengericht wählte aus beiden Anträgen den Mittelweg und verurteilte den Italiener zu zwei Jahren Haft. Allerdings wurde die Strafe auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. au

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