Schechen: „Die Geschwindigkeit ist gewaltig“ findet der neue Bürgermeister

Feuerwehrkommandant und Bürgermeister: Stefan Adam bringt beides unter einen Helm.
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Feuerwehrkommandant und Bürgermeister: Stefan Adam bringt beides unter einen Helm.

Schechen – Er konkurriert mit seinem Wasserburger Kollegen um das schönste Rathaus: Stefan Adam hat seit 100 Tagen seinen Arbeitsplatz in einem Schlösschen aus dem 16.Jahrhundert. Wo er häufig mit dem Fahrrad vorfährt, denn das ist – neben den Fahrzeugen der Feuerwehr – bevorzugtes Fortbewegungsmittel.

Vom Feuerwehrkommandanten zum Bürgermeister – ohne Umweg über den Gemeinderat. Wie erging es Ihnen die ersten Tage am neuen Arbeitsplatz?

Stefan Adam: „Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Tage im Amt. Mir war es wichtig, möglichst schnell einen Überblick über Themen, die unsere Gemeinde umtreiben, sowie über vorhandene Strukturen, Prozesse, Abläufe und Beziehungen zu bekommen – um mit eigenen Ideen anknüpfen zu können. Das Amt ist eine Herausforderung und die Aufgaben sind enorm vielseitig. Genau darauf habe ich mich gefreut und natürlich auch eingestellt. Neben aktuellen Themen gibt es auch Welche, die über Jahre gewachsen sind. Nicht nur deshalb hätte mir eine frühere Tätigkeit als Gemeinderatsmitglied womöglich den Einstieg erleichtert. Letztendlich gehe ich unvorbelastet und unvoreingenommen an meine neuen Aufgaben heran. Kommunalverwaltung und Gremiumsarbeit sind mir allerdings aus meiner früheren beruflichen Tätigkeiten nicht unbekannt.“

Was war die größte Überraschung – positiv oder negativ?

Adam: „Positiv überrascht haben mich meine neuen Kolleginnen und Kollegen imSchechner Rathaus. Ich bin dankbar und froh hier ein gut funktionierendes Team vorgefunden zu haben. Die Mitarbeiter sind äußerst kompetent und hilfsbereit. Im Vergleich zu größeren Verwaltungseinheiten müssen die Mitarbeiter ein umfangreiches breites Wissen haben und dieses stets auf dem neuesten Stand halten. Das hat mich wirklich beeindruckt. Auch sind die Wege wahnsinnig kurz und die Geschwindigkeit ist gewaltig.“

Sie arbeiteten zuvor im Bauamt der Stadt Rosenheim. Sind Sie manchmal in Versuchung, sich im Schechener Bauamt besonders einzumischen?

Adam: „Vermutlich ergeht es jedem neuen Bürgermeister so, dass man sich mit Vorliebe an Aufgaben heranwagt oder näher beleuchtet, die einem bekannt sind. Es gibt keinen Anlass, sich im Schechener Bauamt einzumischen. Auch ist das Zentrale Gebäudemanagement der Stadt Rosenheim mit 70 Mitarbeitern und rund 140 Liegenschaften nicht mit meinen Bauamtsmitarbeitern vergleichbar. Wie mein Vorgänger Hans Holzmeier werde ich jedoch auch gewisse Aufgaben des Bauamts wahrnehmen. Einmischen werde ich mit bei der Bauleitplanung. Die grundrechtlich verankerte Planungshoheit ist eines der höchsten Güter der Gemeinde und damit für mich unabwendbar Chefsache.“

Wie ist der Kontakt zu den Bürgermeister-Kollegen? Helfen sich die vielen „Neuen“ gegenseitig und holen Sie sich auch mal Rat von erfahrenen Kollegen?

Adam: „Tatsächlich treffe ich viele Bürgermeisterkollegen regelmäßig auf diversen Veranstaltungen, wie Verbandsversammlung oder Gesellschafterversammlungen, Lehrgängen, SUR-Sitzung, Gemeindeforum Brennerdialog oder wie vor Kurzem bei einem Arbeitstreffen zum Radwegekonzept im Landkreis Rosenheim. Natürlich tauscht man sich über die verschiedenen Themen aus. Ganz intensiv fand dieser Austausch beim gemeinsamen Radausflug der Bürgermeister rund um den Chiemsee Ende Juli statt. In diesem Rahmen wurde auch eine Turnhalle besichtigt, die mittels eines gemeinsamen Kommunalunternehmens von zwei Nachbarsgemeinden errichtet wurde.“

Haben Sie in und aus anderen Gemeinden schon etwas gesehen, gehört oder gelesen, wo sie sagten „Das will ich für Schechen auch!“? Und falls ja: Was war‘s?

Adam: „Gerne hätte ich einen eigenen Berg, um mir die Anfahrt nach Grainbach zu sparen. Scherz beiseite: An diesem Beispiel sieht man schon, dass erfolgreiche Konzepte nicht zwangsläufig in anderen Gemeinden funktionieren müssen. Es gibt genügend Ideen und an Gestaltungsmöglichkeiten mangelt es in Schechen mit Sicherheit nicht. Unsere Gemeinde ist am Wachsen und stellt uns auch dadurch immer wieder vor Herausforderungen. So werden wir immer wieder Möglichkeiten zur Gemeindeerneuerung besprechen und diese abwägen, um stets durchdacht und moderat mit unseren Ressourcen umzugehen. Als Beispiel fällt mir dazu gleich der Ausbau unserer Kindertageseinrichtung ein. Der Bedarf ist da und wir wollen und müssen diesem auch Nachkommen. Einem schlüssigen Betriebskonzept, zum Beispiel Natur- oder Bauernhofkindergarten stehe ich sehr aufgeschlossen gegenüber.“

Was wünschen Sie sich persönlich für die nächsten 100 Tage und mehr im Amt?

Adam: „ Ich werde die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Akteuren vertiefen und die anstehenden Projekte im Interesse der Gemeinde weiterentwickeln. Nicht jeder Trend passt zu Schechen und ich möchte durch Bürgernähe und dem daraus gewonnenen Verständnis dazu beitragen, zukünftige Projekte angemessen zu gestallten. Darauf freue ich mich.“

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