Freilaufender Hund wütet in Garten in Schechen: Gemeinderat diskutiert Leinenpflicht

Die meisten Hundehalter haben ihre Tiere im Griff und sind rücksichtsvoll, so wie diese beiden Spaziergänger. Doch eben nicht alle...
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Die meisten Hundehalter haben ihre Tiere im Griff und sind rücksichtsvoll, so wie diese beiden Spaziergänger. Doch eben nicht alle...
  • vonKatharina Heinz
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Drei Hühner tot, eines später den Verletzungen erlegen – diesen Schaden hat ein freilaufender Hund angerichtet, als er in den Garten von Sabine Altendorfer in Au bei Schechen eingedrungen ist. Der Gemeinderat diskutiert über eine Anleinpflicht.

Schechen – „Und das war nicht das erste Mal“, berichtet Altendorfer, der es nun gehörig reicht. Deswegen hat die CSU-Gemeinderätin einen Antrag eingebracht, der in er vergangenen Sitzung behandelt wurde. Sie fordert eine Anleinpflicht für Hunde.

Hühner, Hase, Halterin waren alle schon Opfer

Schon mehrmals hätten freilaufende Hunde die Hühner im Gehege bei ihr im Garten angefallen, erzählt Altendorfer. Im vergangenen Jahr sei der Hase der Familie totgebissen worden, sie selbst wurde beim Joggen schon von einem Hund ins Wadl gezwickt.

Gassi-Tourismus bei Au und Kobel

Die Gemeinderätin berichtet von einem regelrechten „Gassi-Tourismus“ bei Au und Kobel. Die meisten Hundebesitzer seien rücksichtsvoll. Die wenigen, die ihre unangeleinten Tiere nicht im Griff haben, sorgten aber für Probleme. „Ein Hund, der über die Straße rennt, einen Zaun eindrückt und sich die Hühner holt, der geht auch alles andere an“, meint Altendorfer, die betont, auf keinen Fall Hunde-Hasser zu sein. Doch in der Gegend gingen auch viele Familien mit Kindern spazieren und Manche hätten einfach Angst vor frei laufenden Hunden.

Anleinpflicht ist rechtlich nicht einfach

Eine Anleinpflicht in Schechen? Rechtlich nicht so einfach, wie -Geschäftsleiter Karl-Heinz Salzborn erklärt. Eine Verordnung für das ganze Gebiet sei aus tierschutzrechtlichen Gründen ausgeschlossen. Man könne aber für bestimmte Bereiche eine sogenannte „Verordnung über das Anleinen von großen Hunden und Kampfhunden“ aussprechen. Die aber beziehe sich nur auf Tiere über 50 Zentimeter Schulterhöhe.

Größere Kommunen haben genug Personal

In der Regel, so Salzborn, hätten größere Kommunen solche Verordnungen etwa an Spielplätzen. Große Kommunen auch deswegen, weil die dann meist Personal dafür haben, um die Verordnung auch überwachen zu können.

In Schechen, so Salzborn, habe man durchschnittlich einmal im Jahr ein „Hundeproblem“. Das werde der Gemeinde dann von der Polizei gemeldet. Je nach Sachverhalt verwarne man den Hundehalter oder erteilt eine Anleinverfügung notfalls mit Maulkorb.

Gemeinde befürchtet Probleme und Klagen

Für dieses Prozedere spricht, dass die Gemeinde dabei eine klare Handhabe und Rechtssicherheit hat. Sollte eine Anleinpflicht für ein bestimmtes Gebiet ausgesprochen werden, die nicht völlig wasserdicht ist, könnte dagegen geklagt und die Verordnung vor Gericht gekippt werden. Schon die Begrenzung des Gebiets um Kobel und Au könne da problematisch werden.

Hundehalter in Verantwortung nehmen

„Aber es ist schon traurig, wenn erst etwas passieren muss“, findet Altendorfer. Ihre Gemeinderats-Kollegen teilen ihre Ansicht. „Es ist eine Frechheit, wie sich manche der Hunde-Touristen aufführen“, meint Markus Grabmayer (SPD). In seinen Augen ist eine Anleinpflicht auch keine Tierquälerei, weil der Hund geführt werden wolle. Maria Pindl (CSU) moniert, auch die Hinterlassenschaften der Hunde seien ein Problem. Hans Neumayer (Parteifreie Bürger) erklärt, dass Hunde laut Gesetz frei laufen dürften, wenn der Besitzer auf sie einwirken könne.

Auch er hoffe, dass eine Verordnung den „Gassi-Tourismus“ eindämme. Lucas Rothstein (SPD) glaubt nicht daran. Schließlich könne die Verordnung nur auf große Hunde angewendet werden. „Wir erschaffen damit ein Bürokratiemonster und am Ende hilft es nichts“, meint er. Ähnlich sieht das Johanna Murnauer (CSU). „Ich finde eine Anleinpflicht nicht schlecht, obwohl ich selber einen Hund habe“, sagt sie. Doch gerade die kleinen Exemplare seien die Frechen.

Verwaltung soll Entwurf erarbeiten

Trotz der Vorbehalte sprach sich das Gremium mit 17 zu drei Stimmen dafür aus, dass die Verwaltung zumindest einen Verordnungsentwurf über das Anleinen von großen Hunden ausarbeitet.

Das macht die Hühner von Sabine Altendorfer auch nicht wieder lebendig. Gerade einmal vier Tiere hat der Ausreißer, ein Riesenschnauzer, verschont. Den Hundehalter will Altendorfer nun zumindest auf Schadensersatz verklagen.

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