Getroffen von der Corona-Pandemie

Schaustellerfamilie Fahrenschon aus Großkarolinenfeld zieht bittere Sommer-Bilanz

Schausteller Max Fahrenschon
              junior aus Großkarolinenfeld auf dem Vordach seines Kinderkarussells.
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Schausteller Max Fahrenschon junior aus Großkarolinenfeld auf dem Vordach seines Kinderkarussells.

Dieses Jahr war wegen der Corona-Pandemie auch in der Region Rosenheim alles anders. Frühlingsfeste, Wiesn und Dorffeste hat es nicht gegeben. Wie waren die Sommermonate für Schausteller? Und wie geht es jetzt weiter? Max und Christian Fahrenschon ziehen Bilanz.

Großkarolinenfeld/Rosenheim – Max Fahrenschon (58) blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Obwohl die vergangenen Monate hart gewesen seien. Er ist pragmatisch und hat sich mittlerweile mit Corona „einigermaßen arrangiert“. Die Pandemie hat sein Unternehmen jedoch stark getroffen.

„Frühjahr war sehr deprimierend“

In den Sommermonaten ist er mit seinem Kinderkarussell und seinem Schießstand normalerweise auf zwölf Volksfesten unterwegs. Heuer waren es nur drei –  und das auch erst nach wochenlangem Abmühen. „Das Frühjahr war sehr deprimierend. Die Ungewissheit hat an den Nerven gezerrt“, sagt Fahrenschon.

Sein Bruder Christian (56) führt den Festzeltbetrieb Fahrenschon. Er hat unter anderem in Bad Aibling und Großkarolinenfeld das „Volksfest zum Mitnehmen“ veranstaltet. Hendl hat er verkauft, und Steckerlfisch. Der Aufwand war groß, die Feste gut gelaufen, die Gäste diszipliniert. Max Fahrenschon wollte zu den Veranstaltungen sein Kinderkarussell beisteuern. In Großkarolinenfeld sei ihm das verweigert worden. In Bad Aibling habe es dann geklappt. Sie hätten Umsatz gemacht, „wenn schönes Wetter war“. Viel sei es aber nicht gewesen.

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Die Einbrüche in den Geschäftszahlen sind bei den zwei Brüdern groß. Bis zu 80 Prozent Umsatzrückgang verzeichnen beide. „Unterm Strich habe ich die Saison mit einem Minus abgeschlossen“, sagt Christian Fahrenschon.

Sorge bereitet ihm der bevorstehende Winter. Seinen Zahlungsverpflichtungen habe er bisher nachkommen können. Aber ein finanzielles Polster habe er sich – wie sonst üblich –  über die vergangenen Monate hinweg nicht aufbauen können. „Durch den Sommer haben wir uns gewurschtelt. Aber jetzt wird es langsam eng.

„Situation geht zu Herzen“

Während sein Bruder im Frühjahr Soforthilfen vom Staat beantragt und auch bekommen hat, wurde Christian Fahrenschon das Geld verwehrt. . Der Grund: Durch seine vier Ersatz-Volksfeste hatte er genügend verdient, um sich für die Hilfen nicht mehr zu qualifizieren. „Weil ich versucht habe, etwas auf die Beine zu stellen, habe ich mir selbst geschadet“, sagt er verärgert. Die ganze Situation geht ihm zu Herzen.

Christian Fahrenschon führt mit seiner Frau Claudia den Festzeltbetrieb Fahrenschon.

Da habe auch der „Sommer in Rosenheim“ nicht viel Abhilfe schaffen können. Die Veranstaltungsreihe sei trotzdem ein Lichtblick gewesen, da sind sich beide einig. Christian Fahrenschon war mit einem Fischstand vertreten, den er zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern betrieb. Bruder Max stellte seinen Schießstand und das Kinderkarussell auf. In Anbetracht der geringen Erwartungen ein geschäftlich guter Erfolg für ihn, sagt er. „Wir haben davon profitiert, dass so viele Leute den Sommer daheim verbracht haben. Es war auch toll, dass die Stadt uns erlaubt hat, die Stände aufzubauen.“

Brüder hoffen auf den Christkindlmarkt

Nach den turbulenten, stressigen Monaten hoffen die Brüder vor allem auf den Christkindlmarkt in Rosenheim. Wobei Christian Fahrenschon befürchtet, dass er nicht in dem Ausmaß wie üblich stattfinden wird. Er will trotzdem seine Steaksemmeln und Folienkartoffeln verkaufen. Denn die nächste Einnahmensquelle stehe erst im Mai an, beim Frühlingsfest in Großkarolinenfeld. „Bis dahin muss ich irgendwie über die Runden kommen.“

Max Fahrenschon setzt beim Christkindlmarkt auf seinen Glühweinstand und den Geschenkartikelverkauf seiner Tochter. Er steht mit dem Wirtschaftlichen Verband in Verbindung, überlegt sich Konzepte. Sein Wunsch: „Die Corona-Infektionszahlen müssen unten bleiben.“

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