Ausgleich gefordert

Samerberger Bauhof hat bei Grainbach Biotop abgeholzt – Untere Naturschutzbehörde wusste nichts davon

Kurz vor Weihnachten hat der Bauhof der Gemeinde Samerberg entlang des Kogelgrabens bei Grainbach Gehölz entfernt. Der Truppe war nicht bewusst, dass es sich bei diesen Flächen um ein geschütztes Biotop handelt.
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Kurz vor Weihnachten hat der Bauhof der Gemeinde Samerberg entlang des Kogelgrabens bei Grainbach Gehölz entfernt. Der Truppe war nicht bewusst, dass es sich bei diesen Flächen um ein geschütztes Biotop handelt.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Ende Dezember hat der Bauhof bei Grainbach, nahe des Kapellenwegs, einen Großteil des Gehölzes entfernt. Was die Truppe nicht wusste: Bei dem Gebiet handelte es sich um ein geschütztes Biotop. Die Untere Naturschutzbehörde fordert als Entschädigung nun einen Pflanzplan.

Samerberg/Grainbach –Ein Rundgang am Kogelgraben nahe des Kapellenwegs in Richtung Wertstoffhof zeigt im Moment ein tristes Bild: Baumstumpf an Baumstumpf reiht sich aneinander. Darüber liegt haufenweise Geäst verstreut. Kurzum: Man steht in mitten eines Kahlschlags. Ende Dezember hat der Bauhof einen Großteil des Gehölzes entfernt. Und das, obwohl es sich bei diesem Bereich mit seinem naturnahen Bewuchs um ein geschütztes Biotop handelt. Überrascht von dieser Aktion zeigen sich nicht nur vereinzelte Bürger, sondern auch die Untere Naturschutzbehörde, die auf Nachfrage bestätigte, dass sie über dieses Vorhaben nicht informiert worden sei. Dennoch gehe man nicht von einer „Mutwilligkeit vonseiten der Gemeinde aus“, erklärte Pressesprecherin Ina Krug.

Gemeinde versichert, es war ein Versehen

Grund für diesen „bedauerlichen Vorfall“, wie Bürgermeister Georg Huber es nennt, seien Maßnahmen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht für die dicht angrenzende Wohnbebauung gewesen. Es mussten einzelne, teils abgestorbene Bäume entnommen werden, die bei Sturm auf die benachbarten Häuer zu fallen drohten. Der Bauhof habe in „Eigenregie“ einen Großteil des Gehölzes entfernt, „nicht wissend“, dass es sich dabei um die Randbereiche eines Biotops gehandelt habe, so der Bürgermeister in einer Stellungnahme an die Untere Naturschutzbehörde. Die Gemeinde sei nun bemüht, den Schaden wieder gut zu machen.

„Es war ein Fehler von mir“, räumt Bauhofleiter Niko Altmann gegenüber den OVB-Heimatzeitungen ein. Er habe nicht recherchiert, dass es sich bei diesem Gebiet um ein Biotop handelte. Rund eine Woche lang seien er und seine Truppe mit den Arbeiten beschäftigt gewesen. Wegen der Hochwasserereignisse im August wollte der Bauhof das Gehölz aus dem Bach entfernen, damit der Wasserabfluss nicht blockiert werde. Und auch, wenn 80 Prozent der Bäume, die man entfernt habe, „krank“ gewesen seien, findet Altmann klare Worte: „Zu Fehlern muss man stehen.“ Er und seine Truppe wollen den Schaden wieder beheben.

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Grundsätzlich sei es möglich, einzelne Gehölze, die unterspült seien und deren Standsicherheit dadurch gefährdet sei, herauszunehmen, sagt Krug. Aber ein „Kahlschlag“, wie nun bei Grainbach zu sehen, sei aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde „nicht nötig“ gewesen. Jetzt stünde man vor dem Problem, dass das Biotop aufgrund der Entnahme dieser großen Menge an Gehölze seine „ökologische Funktion nicht mehr erfüllen“ könne und „erheblich beeinträchtigt“ sei. Die Lösung in den Augen der Behörde? Nachpflanzungen. „Wir haben die Gemeinde aufgefordert, bis zum 31. Januar 2021 einen entsprechenden Pflanzplan bei uns einzureichen“, so Krug.

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Diplom-Biologin Christiane Mayr vom Landschaftspflegeverband Rosenheim betreut am Samerberg mehrere Biotope. Vor etlichen Jahren habe sie das Biotop am Kogelgraben, das sich auf etwa 2500 Quadratmetern erstreckt, einkartiert, erklärte sie auf Nachfrage. Bei dem Bach, der von dem naturnahen Ufergehölz eingesäumt wird, handelt es sich laut Mayr um ein „naturnahes Fließgewässer“, welche rechtlich geschützt sei. Bäume wie Esche, Sommerlinde, Traubenkirsche, Hainbuche und Bergahorn befanden sich auf dem Gebiet – bis sie vom Bauhof entfernt wurden.

„Die Natur hat Selbstheilungskräfte“

Einen Pflanzplan, wie die Untere Naturschutzbehörde ihn fordert, sieht die Biologin allerdings kritisch: „Ich würde es besser finden, wenn die Gemeinde eine angemessene Strafe zahlt.“ Wenn jetzt Bäume und Sträucher nachgepflanzt werden, würde dadurch der „naturnahe Charakter“ verloren gehen. Da die Wurzeln des Gehölzes noch vorhanden seien, ist Mayr zuversichtlich, dass in drei Jahren „wieder alles dicht“ sei. „Die Natur hat Selbstheilungskräfte, der Bachlauf regeneriert sich wieder von selbst.“

Kritisch sieht den Vorfall Gemeinderätin Irene Schulze-Strein (Die Grünen). Sie sieht eine „Mischung aus Unwissenheit und fehlender Sensibilität in der Gemeinde.“ Was es künftig brauche, sei mehr „Bewusstsein für die Notwendigkeit der Durchsetzung der Klimaschutzziele“.

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