Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Präsentation mit positiven und negativen Beispielen

„Charta der Baukultur“ – Nach diesen Leitsätzen sollen die Samerberger bauen

Dieses Bauernhaus ist laut Kreisbaumeister Rupert Seeholzer ein positives Beispiel für die Samerberger Baukultur.
+
Dieses Bauernhaus ist laut Kreisbaumeister Rupert Seeholzer ein positives Beispiel für die Samerberger Baukultur.

Geranien auf dem Balkon, das Dach als Spitzgiebel oder doch lieber das Haus im Toskanastil? Der Samerberger Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung eine sogenannte „Charta der Baukultur“ verabschiedet. In Leitsätzen formuliert die Verwaltung wie eine zukunftsweisende Bebauung aussehen kann.

Von Beate Leitner

Samerberg – Die Samerberger Gemeinderäte nehmen das Thema „Baukultur“ ernst. Leitsätze wie „Baukultur ist ein wesentlicher Pfeiler der Entwicklung unserer Gemeinde“ und „Unser Handeln wertschätzt das baukulturelle Erbe unseres Ortes, führt dieses mit nachhaltiger Qualität fort und lässt Neues zu“, an denen sich die bauliche Entwicklung der Gemeinde in den kommenden Jahren orientieren soll, wurden in einer „Charta der Baukultur“ in der vergangenen Gemeinderatssitzung einstimmig beschlossen. Ebenso einstimmig wurde Gemeinderat Andreas Köppl (CSU) zum Baukulturbeauftragten der Gemeinde gewählt.

Akzeptanz muss erst wachsen

Auch wenn die Charta mit ihren acht Grundsätzen keine rechtlich bindende Handhabe bietet, sehen die Gemeinderäte darin eine Leitlinie für zukünftige Bauvorhaben in der Gemeinde. „Jedes Projekt muss sich in Zukunft daran messen lassen“, so Irene Schulze-Strein (Zukunft-Samerberg). Deshalb sei eine Beratung der Bauherren möglichst früh im Planungsprozess wichtig. Diese Meinung teilten auch Christoph Heibler (CSU) und Thomas Hörl (ZS). Thomas Schmid (ZS) ergänzte, dass die Gemeinde bei öffentlichen

Gemeinde soll sich an Charta halten

Bauten mit gutem Beispiel vorangehen und die Grundsätze der Charta auch bei der Aufstellung von Bebauungsplänen mit einfließen lassen müsse. Christine Eckert (Überparteiliche Wählergruppe) begrüßte es als „gutes Zeichen, wenn sich die Gemeinde zu diesen Grundsätzen bekennt“, zeigte allerdings eine gewisse Skepsis bezüglich der Umsetzbarkeit, da viele Bauvorhaben rein „bedarfs- und finanzorientiert“ geplant würden.

Bürgermeister Georg Huber (ÜPW) betonte, dass die Akzeptanz in der Bürgerschaft wichtig sei und das Thema nach und nach wachsen müsse. Die vollständige Charta der Baukultur kann auf der Homepage der Gemeinde Samerberg nachgelesen werden.

Fort- und Weiterbildungen in Sachen Baukultur

Dem Beschluss vorangegangen war eine Präsentation von Tobias Hanig, Betreuer der Gemeinde Samerberg im Rahmen des Leader-Projektes „Baukulturregion Alpenvorland“ (ARGE). Acht Pilotgemeinden aus den Landkreisen Rosenheim, Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen setzen sich mit unterschiedlichen Herausforderungen und Zugängen zu Baukultur auseinander. Die „Arbeitsgemeinschaft Baukultur“, ein Expertenteam aus unterschiedlichen Fachgebieten rund um Architektur, Stadt- und Regionalplanung und Kommunalpolitik begleitet die acht Kommunen auf diesem Weg.

Hanig gab einen Überblick über Aktivitäten und Exkursionen der ARGE Baukultur, die seit der Gemeinderatsklausur im Oktober 2020 wegen der Corona-Pandemie größtenteils online stattfinden mussten. So zum Beispiel die erste Baukulturwerkstatt, als Projekt Kick-off oder Vorträge zu den Themen „Baulücken, Leerstände und unterforderte Häuser“.

Samerbergs neuer Baukulturbeauftragter: Projektleiter Tobias Hanig gratuliert Andreas Köppl zur Wahl.

Positive und negative Beispiele

Unter dem Titel „Ene mene muh und rein kommst du“ verbarg sich eine Präsentation zur Suche nach Wohnraum im landwirtschaftlich geprägten Umfeld einer Großstadt. Im Weiteren beschäftigte sich die ARGE Baukultur mit neuen Wohnformen im ländlichen Raum, „Ungewohnt bewohnt!“ und mit Qualität im Wohnungsbau, unter sinnvollem Einsatz von Ressourcen. „Schön privilegiert“ stellte neues Bauen für die Landwirtschaft vor.

Ab Jahresmitte 2021 konnten wieder Präsenz-Veranstaltungen stattfinden. So der Besuch von Kreisbaumeister Rupert Seeholzer, der in einem bilderreichen Vortrag die „Do’s und Don’ts“ der Samerberger Bebauung analysierte.

Highlights waren auch der Ausflug der Samerberger Jugend mit Gemeinderat und Jugendbeauftragten Christian Bauer in die „Werkstod“ nach Viechtach und die Exkursion der Samerberger und Bad Feilnbacher Gemeinderatsmitglieder in den Bregenzer Wald, wo bei Besichtigung verschiedener Unternehmen und regionaler Architektur Anregungen für die bayrischen Gemeinden gesammelt wurden.

Studierende bringen sich ein

Tobias Hanig informierte die Gemeinderäte auch über den Stand des Projektes „FRI.LUFTS.LIV“. Der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen prägte diesen Begriff, um die Bedeutung des Aufenthalts in der freien Natur für das geistige und körperliche Wohlbefinden zu beschreiben. Die Landschaft am Samerberg ist ein Touristenmagnet und bedingt eine gewisse Infrastruktur in Form von Rastplätzen, Toiletten und dergleichen mehr. Dass solche Zweckbauten durch kluge Entwürfe selbst zur Attraktion werden können, zeigen im Rahmen von FRI.LUFTS.LIV 70 Studierende der TH Rosenheim, Fakultät Innenarchitektur, unter der Leitung von Frau Prof. Denise Dih.

Moderne Ansätze: Studierende zeigen wie moderne Baukultur aussehen könnte. Im Untergeschoss könnten Duschen und Toiletten untergebracht werden.

Das Projekt startete im Sommersemester 2021. Auslöser war eine intensive Diskussion im Samerberger Gemeinderat zum Thema „Toiletten für Tagestourismus“. Die Arbeitsergebnisse, neben besagten Toiletten zum Beispiel auch eine Freiluftküche oder ein Bike-Spa, können ab Anfang Juli 2022 besichtigt werden. Als Ausstellungsfläche dient die Landschaft am Samerberg. Präsentiert werden die Entwürfe entlang einer „Wonderroute“ an den Orten, für die sie geplant wurden. „Für uns sind diese Arbeiten Denkanstöße, die uns ermutigen, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen“, sagt Bürgermeister Huber und ist bereits selber gespannt auf die Entwürfe der Studierenden ist.

Mehr zum Thema

Kommentare