Nachruf

Samerberg: Abschied von Altbürgermeister Josef Deindl

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Die Samerberger haben Abschied genommen von ihrem Altbürgermeister Josef Deindl, der im gesegneten Alter von 95 Jahren verstarb. Deindl fand auf dem Friedhof von Rossholzen seine letzte Ruhestätte.

Samerberg – Josef Deindl, Kollervater von Unterstuff und steter Mittelpunkt einer großen Familie, hatte sich vielfach um das Gemeinwohl und um das Zusammenleben auf dem Samerberg verdient gemacht.

Bei der Trauerfeier im Friedhof der Kirche „St. Bartholomäus“ erinnerte Diakon Günter Schmitzberger daran, dass dem Verstorbenen eine funktionierende Gemeinschaft und eine gute Infrastruktur immer am Herzen lagen, dazu ergänzte er: „Es darf dabei nicht vergessen werden, dass er das alles schaffen konnte, weil er mit seiner Resi eine starke Frau hatte. Mit ihr war er 69 Jahre verheiratet. 2021 hätten die beiden das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern können.“ Die musikalische Gestaltung der Trauerfeier übernahmen Bläser aus den Reihen der Musikkapelle Samerberg.

Viele Schicksalsschläge

Samerbergs Bürgermeister Georg Huber erinnerte zu Beginn seiner Würdigung an das von vielen Schicksalsschlägen geprägte Leben von Sepp Deindl. Als viertes von sieben Geschwistern kam dieser in Unterstuff zur Welt, kurz nach Schulbeginn verstarb sein Vater. Mit 14 Jahren kam er als Helfer in der Landwirtschaft zum Göbel nach Holzmann und 1940 folgte eine Schreinerlehre beim Feichten in Esbaum. Im Februar musste der junge Sepp Deindl zum Reichsarbeitsdienst, zur Wehrmacht und in den Zweiten Weltkrieg. Wieder daheim, musste er den Tod des Großvaters und den frühen Tod seiner Mutter verkraften

Mit 22 den Hof übernommen

. Mit 22 Jahren übernahm er den Hof. 1951 heiratete er seine Frau Resi, mit ihr und den drei Kindern hatte er sein persönliches Fundament für seine beruflichen und ehrenamtlichen Aufgaben geschaffen, doch musste er in den Jahren 2000 und 2011 den Tod seiner beiden Söhne verschmerzen. Huber erinnerte an die kommunalpolitischen Stationen des Verstorenen: „1954 ist Sepp Deindl als Nachrücker in den Gemeinderat von Steinkirchen gekommen. Zwei Jahre später, 1956, ist er zum Bürgermeister der damaligen Gemeinde Steinkirchen gewählt worden, wo er auch Standesbeamter war. Sein Hauptaugenmerk galt dabei dem Straßenbau.“

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Ab 1980 leitete er vier Jahre das Verkehrsamt Törwang. Von 1984 bis 1990 war er Erster Bürgermeister der Gesamtgemeinde Samerberg, dabei gehörten die Wasserversorgung, der Schulhausbau und das Feuerwehrwesen zu seinen leidenschaftlichen Projekten. Als Alt-Bürgermeister konnte Sepp Deindl auf 36 Jahre Kommunalpolitik zurückblicken, 2012 ehrte ihn die Gemeinde Samerberg mit der Samerberger Bürgermedaille.

Martin Schober,Vorsitzender vom Trachtenverein „Almenrausch“ Rossholzen, dankte dem Ehrenmitglied für jahrzehntelange Treue und aktive Mitarbeit und Peter Sattlberger vom Trachtenverein Hochries-Samerberg erinnerte daran, dass der Verstorbene bei den Freilichtspielen in Grainbach mitwirkte und die althochdeutsch verfassten Vereinschroniken in die heutige Schrift übertrug.

30 Jahre war Josef Deindl im Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Aschau-Samerberg, dafür bedankte sich Franz Huber mit ehrenden Worten. Wie Hauptmann Fritz Dräxl von der Gebirgsschützenkompanie Samerberg erwähnte, war Sepp Deindl als Gründungsmitglied eine stets zuverlässige Stütze und guter Schütze.

Zu seinem 80. Geburtstag wurde er mit der Goldenen Verdienstmedaille der Kompanie geehrt. Mehrfache Auszeichnungen gab es auch vom Bund der Bayerischen Gebirgsschützen, ein dreifacher Ehrensalut galt einem geschätzten Mitglied, dessen Gebirgsschützen-Kameraden den Sarg zur letzten Ruhestätte trugen.

In Rimini in Gefangenschaft

Josef Deindl war der letzte Teilnehmer des Zweiten Weltkriegs aus den Reihen des Veteranenvereins Roßholzen-Steinkirchen. Zweiter Vorsitzender Egid Moser berichtete, dass der junge Samerberger Soldat als Gefreiter in den französischen Westalpen im Partisaneneinsatz und am Futapaß an der italienischen Süd-Front sein Vaterland verteidigte. Hierfür bekam er als Partisanen-Auszeichnung das Eiserne Kreuz.

Erst im März 1946 kam er aus der Gefangenschaft in Rimini in seine geliebte Samerberger Heimat zurück. Toni Hötzelsperger

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