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„Wie sich manche Menschen da reinsteigern können...“

Lakritz-Kampagne mit Bussi-Schorschi aus Schechen erhitzt die Gemüter in sozialen Netzwerken

Meterhoch lacht Georg Weiss aus Schechen im Hamburger Hauptbahnhof die Fahrgäste an. Ihm gefällt die Idee, das Nord-Süd-Gefälle beim Lakritzkonsum in eine freche Werbekampagne zu packen.
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Meterhoch lacht Georg Weiss aus Schechen im Hamburger Hauptbahnhof die Fahrgäste an. Ihm gefällt die Idee, das Nord-Süd-Gefälle beim Lakritzkonsum in eine freche Werbekampagne zu packen.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Georg Weiss, Baumschulbesitzer aus Schechen, ist Teil einer frechen Werbekampagne, die mit den unterschiedlichen Geschmäckern von Nord- und Süddeutschen spielt. Und meterhoch verkündet, das beworbene Produkt aus Lakritz sei „Nix für Münchner“. Was nicht nur die gequält aufjaulen lässt.

Schechen – Den Weißwurst-Äquator kennt jedes bayerische Kind. Nördlich davon leben die Preissn. Gscheidhaferl und Nervensägen allesamt. Das steht fest. Der Verlauf der Trennlinie zwischen Bayern und dem Rest der Welt nicht so ganz. Orthodoxe Bayern verorten den Weißwurst-Äquator schon an der Donau, liberale erst am Main.

Der Norden raspelt mehr Süßholz

Dort fällt er mit dem Lakritz-Äquator zusammen. Südlich davon leben die Bazis. Hinterwäldler und Trachtenträger allesamt. Nein, das steht nicht fest. Das meinen die Bayern nur, dass die Nordlichter, die Saupreissn so denken. Fest steht: Nördlich des Lakritz-Äquators wird deutlich mehr von dem schwarzen Zeug gegessen als südlich. Es wird dort auch in viel mehr Varianten angeboten, als südlich der Süßholz-Trennungslinie. Was jeder bestätigen kann, der in einem Nord- oder Ostseeurlaub mal ins Süßigkeitenregal des Supermarktes geguckt hat.

Die Geschmäcker sind verschieden

Genau mit diesem geographischen Bruch der Geschmacksvorliebe spielt die Werbekampagne eines nordrhein-westfälischen Lakritz-Herstellers. Meterhoch lacht Georg Weiss, umringt von zwei Frauen im Dirndl, von einem Werbeplakat im Hamburger Hauptbahnhof. Daneben ein Teil einer Lakritz-Tüte und der Spruch „Nix für Münchner“. Weil: Siehe oben. Kleine Niedersachsen und Niederrheiner finden Lakritzschnecken einfach viel toller, als kleine Niederbayern.

Streicheleinheit für die Eitelkeit

Der Schechener Georg Weiss, ehemals auch als „Bussi-Schorschi“ bekannt, erzählt, eine Werbeagentur sei auf ihn zugekommen, hätte ihn unbedingt für die Kampagne haben wollen. „Ich empfand es auch als Streicheleinheit für meine Eitelkeit und hab es deswegen gemacht“, gesteht er gut gelaunt. Eine anständige Gage hätte es auch gegeben. Eigentlich sei er „komplett aus den Medien weg“, aber die Aufnahmen hätten schon Spaß gemacht und seien auch ziemlich aufwendig gewesen. „Drei Leute, die sich nur ums Make Up kümmern, drei für die Kleidung – da war was los“, erzählt er. Bei allem Spaß: Er bleibe auf dem Teppich und kümmere sich um seine Firma, aktuell verstärkt um Christbäume.

Spalt-Werbung oder coole Aktion – das Netz ist gespalten

Weiss findet die Idee, mit den verschiedenen Vorlieben der Nord- und Süddeutschen zu spielen, durchaus witzig. Und ist damit nicht allein. „Mega, Mega, Mega!!!!“ und „sehr cool!“ wird in sozialen Netzwerken kommentiert. Allerdings ist das eine Minderheit.

Lesen Sie auch: Tüftler, Erfinder, Christbaumzüchter: Georg Weiß senior aus Schechen gestorben

„Diese allzu durchschaubare Spalt-Werbung basiert auf bayernfeindlichen Ressentiments“, befindet ein Mann. Wie war das mit den allesamt nervtötenden Saupreissn?

„Auf diesem Bild werden zwei Touristinen aus dem Norden gezeigt, zu erkennen dem bescheuerten Hut und der dämlichen Flechtfriseur“, kommentiert eine Hedi ein anderes Foto der Kampagne – Rechtschreibfehler inklusive. Die „Touristinnen“ wurden genauso für die Kampagne gebucht wie Weiss. Es lebe das Vorurteil.

Faschingstracht und teurer Bärendreck

Souveräner ist da „Eva sagt“: „Also alles was auf diesem Bild zu sehen ist, ist nix für Münchner... Peinliche Menschen in greißliger Faschingstracht und mit schlechtem Geschmack (die weiße Brille!) und dann a Packerl überteuerter Bärendreck dazu. Alles richtig: nix für Münchner.“

Menno, dabei hatte doch der Georg Weiss seine alte weiße Brille extra zuhause in Schechen wieder aus der Schublade geholt. Heutzutage trägt er schlichtes Schwarz. Und ist über die Aufregung in den sozialen Netzwerken fassungslos: „Es ist ein Wahnsinn, wie sich manche Menschen da reinsteigern können...“

Bis 80 Prozent nach Nord und West

Die beiden größten deutschen Lakritz-Produzenten, Haribo und Katjes, verkaufen traditionell 75 bis 80 Prozent ihrer Lakritzerzeugnisse nach Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Das bestätigten beide Unternehmen einem Fachmagazin. Bleiben nach Adam Riese 20 bis 25 Prozent für 14 Bundesländer.

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