Rotalgen-Plage in der Mitte des Simssees: Ist Gülle die Ursache?

Rotalgen überziehen das Wasser in der Mitte des Simssees. Die Aktionsgruppe „Sauberer Simssee“ sieht den landwirtschaftlichen Eintrag, also zum Beispiel Gülle, als Grund für das Algenwachstum.
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Rotalgen überziehen das Wasser in der Mitte des Simssees. Die Aktionsgruppe „Sauberer Simssee“ sieht den landwirtschaftlichen Eintrag, also zum Beispiel Gülle, als Grund für das Algenwachstum.
  • vonAlexandra Schöne
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Rotalgen treiben ihr Unwesen auf dem Simssee. Besonders im mittleren Bereich des Sees überziehen sie die Wasserfläche wie ein feiner Film. Die Wasserqualität des Simssees lässt zu wünschen übrig. Doch die Lösung des Problems wird vermutlich schwierig.

Riedering/Simssee – Ein Grund für das verstärkte Algenwachstum ist nach Ansicht von Dr. Gerhard Vilmar, Vorsitzender der Aktionsgruppe „Sauberer Simssee“, die Gülle. Sie wird seiner Meinung nach durch Entwässerungsschächte in den ufernahen Feldern in den See eingetragen.

„Das Wasser stinkt nach Fäulnis und ist trüb, auch mitten auf dem See“, klagt Vilmar. „Fischer haben mir bestätigt, dass sich in den Netzen sehr viele Rotalgen befinden.“

Wasserqualität des Simssees lässt nach

Was sie gedeihen lässt, sei der übermäßige landwirtschaftliche Nährstoffeintrag. Die Algen setzten eine Kettenreaktion in Gang, sagt Vilmar: Gibt es zu viele, nehmen sie den Pflanzen im See das Licht. Diese können ohne Sonnenlicht keinen Sauerstoff produzieren, was wiederum den Fischen schadet.

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Dass die Wasserqualität des Simssees nachlässt, ist keine Neuigkeit. „Sie verschlechtert sich seit Jahren“, betont Vilmar. Auf Veranlassung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt untersuche ein Seeexpertenteam aus Österreich den Simssee bereits seit drei Jahren. Das Ergebnis: Ab vier bis fünf Metern Tiefe gibt es keinen Bewuchs mehr, sagt Vilmar. Dementsprechend also auch keinen Sauerstoff. Der See gerät aus dem Gleichgewicht.

Laut Vilmar ist die umliegende Entwässerung durch Gullys das Problem. Sie liegen größtenteils in landwirtschaftlichen Flächen. Dort befinden sie sich flach am Boden, damit die Landwirte beim Bestellen der Felder mit den Maschinen nicht hängen bleiben.

Gülle wird in den See geschwemmt

Durch die Gullys werden Gülle und Abrieb von Straßen und Reifen in den See geschwemmt. Gemeinsam mit dem Simsseebesitzerverband engagiert sich die Aktionsgruppe „Sauberer Simssee“, um dieses Problem zu bekämpfen. Nach einem Fachgespräch im Landratsamt fand vor Kurzem eine „Gully-Rundfahrt“, wie Vilmar es nennt, auf der Kreisstraße zwischen Riedering und Moosen statt. Mit dabei waren unter anderem Vertreter vom Straßenbauamt, vom Abwasserzweckverband und vom Seebesitzerverband.

„Wir haben uns neben der Kreisstraße sowie neben Gemeindestraßen einige Gullys angeschaut“, sagt Vilmar. Um die Verunreinigung des Simssees zu bekämpfen, müssten die Abflüsse rund 15 Zentimeter angehoben werden. Dann kann sich Vilmar zufolge bei Regen ein kleiner See um den Gully herum bilden, der dann langsam versickert.

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Landratsamt signalisiert Bereitschaft

Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim, bestätigt diese Vorgehensweise. „Das Landratsamt ist bereit dazu“, sagt er. Jedoch würden die meisten der Schächte auf Privatgrund liegen. Deshalb müsse man mit jedem der Landwirte sprechen. „Wenn jemand nicht bereit dazu ist, die Schächte erhöhen zu lassen, können wir nichts machen“, erläutert Fischer.

Dr. Gerhard Vilmar ist es wichtig, den Bauern nicht auf die Füße zu treten. Er verstehe, dass keiner eine nasse Wiese möchte. Aber es sei sicherlich auch im Interesse der Landwirte, dass bei starkem Regen die Gülle nicht sofort von den Feldern in den See laufe.

Der Simssee ist ein beliebter Badesee. Ein Gesundheitsrisiko für den Menschen bestehe laut Vilmar beim Schwimmen im See momentan nicht. Die Aktionsgruppe nehme eigenständig Wasserproben.

Mit den Landwirten zusammenarbeiten

Die Simssee-Problematik ist auch in Riedering schon lange ein Thema. „Wir sind uns bewusst, dass wir noch viel machen müssen“, sagt Marianne Loferer, Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde. Die Maßnahmen müssten mit den Landwirten erarbeitet werden. Viele seien bemüht, ihre Anbauflächen zu verbessern, sie nicht so nah ans Wasser zu legen. Für Dr. Gerhard Vilmar ist das zu wenig. Er ist der Meinung: „Es muss ein Ruck durch die Gemeinden und Behörde gehen.“

Der Geschäftsführer des Kreisverbandes Rosenheim des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) war am Freitagabend für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen. Kreisbäuerin Katharina Kern wollte sich zu der Thematik nicht äußern, da sie das Geschehen am Simssee nicht verfolgt habe. BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier befindet sich im Urlaub und war ebenfalls nicht erreichbar.

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