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Indien vertraut auf Stephanskirchen

Rosenheimer Techniker entwickeln Prototypen für milliardenschwere Motorradfirma

In der Region wird ein Motorrad für Indien entwickelt.
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In der Region wird ein Motorrad für Indien entwickelt.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Hero Motocorp, einer der weltweit größten Hersteller von Motorrädern, setzt auf die Ideen aus dem Rosenheimer Landkreis. Durch die Initiative des erfahrenen Ingenieurs Markus Theobald eröffnete der Marktgigant sein technisches Zentrum in Stephanskirchen. Doch damit nicht genug.

Rosenheim – Wenn sich im Jahr 2024 in Indien ein Motorradfahrer in die Kurve legt, wird er kaum daran denken, dass der erste Entwurf seines Gefährts aktuell in Stephanskirchen über das Testgelände fährt. Doch mit Hero Motocorp vertraut einer der größten Motorradhersteller der Welt auf die Ideen aus der Region. Zwei Jahre nach der Gründung besuchte der indische Geschäftsführer des milliardenschweren Unternehmens, Pawan Mundal, nun zum ersten Mal das Hero Tech Center im Rosenheimer Landkreis und inspizierte das gesamte Gelände. Anlässlich des Besuchs gibt Theobald einen Einblick in sein Werk und berichtet, wie die Konzepte aus Stephanskirchen auf den Straßen von Asien, Afrika und Südamerika landen.

Von der Leidenschaft zur Großproduktion

„Das alles begann vor rund fünf Jahren mit sechs Leuten, die leidenschaftlich an Motorrädern arbeiteten“, sagt Theobald. Der Ingenieur selbst ist schon lange im Geschäft und war 19 Jahre für die Firma BMW tätig, die den Standort in Stephanskirchen bis 2012 für ihre Motorradherstellung nutzte. Mit seinem kleinen Team schaffte es Theobald, den Marktführer aus Indien zu überzeugen, den Technologiestützpunkt in Stephanskirchen wieder aufzubauen. Nachdem er sich im europaweiten Auswahlverfahren durchgesetzt hatte, erwachte die große Halle inklusive Bürotrakt 2019 offiziell unter Hero Motocorp wieder zum Leben.

„Mittlerweile haben wir 50 Mitarbeiter und stehen im regen Austausch mit dem Hauptsitz in Jaipur“, berichtet Thomas Künchen, Personalmanager des Technologiezentrums. Die Aufgabe des Teams ist es, Konzepte für neue Motorräder zu entwickeln, daraus Prototypen zu bauen und diese ausgiebig zu testen. Ist die Entwicklung abgeschlossen, wird die Vorlage für das Bike nach Jaipur geschickt. Nach weiteren Optimierungen landet das Motorrad nach rund drei Jahren Arbeit schließlich in der Großproduktion.

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Laut Künchen können in den Fabriken in Indien rund 35 000 Motorräder jeden Tag produziert werden. Eine Schlagzahl, die für einige deutsche Firmen schon den Jahresumsatz abdecken würde. Die rund 800 indischen Mitarbeiter verarbeiten die Entwürfe von Theobald und seinen Mitarbeitern jedes Jahr zu rund neun Millionen Zweirädern. Der Umsatz von der Firma Hero Motocorp, das ursprünglich als Fahrradhersteller für Honda arbeitete, wird an der Börse jährlich auf gut 600 Millionen Euro notiert.

Für den Technischen Direktor, der seit fast 30 Jahren im Landkreis lebt, ist die Arbeit für den Marktgiganten „eine komplett andere Welt“. Denn die Wertschätzung eines Motorrades sei in Indien so groß, wie die für ein Auto in Europa. Nach der Erfahrung von Theobald ist ein Bike dort nicht nur ein Hobby, sondern ein notwendiger Gebrauchsgegenstand, auf den auch mal fünf Leute Platz finden müssen. Dementsprechend vielseitig seien die Anforderungen beim konstruieren, berechnen und bauen.

Richtig getestet werden die Motorräder beim hauseigenen Rallye-Team, das Wolfgang Fischer aus Halfing betreut. Auf internationalen Rennstrecken, wie beispielsweise bei der Rallye Dakar, zeige sich dann, was die Prototypen wirklich aushalten.

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Wie genau das Motorrad der Zukunft aussieht, will Theobald nicht genau verraten. Allerdings ist ihm klar, dass gerade im Bereich der alternativen Antriebsformen aktuell viel gearbeitet wird und sich das auch in der Motorrad-Branche bemerkbar macht. Bis dort der klassische Verbrennungsmotor verschwindet, werde es aber noch eine Weile dauern.

Der indische Geschäftsführer schien nach seinem Tag im Technologiecenter mit der Arbeit in Stephanskirchen zufrieden zu sein. „Was ich gesehen habe, hat mich sehr inspiriert. Das hier ist ein Sitz, an dem wir die Mobilität neu gestalten“, gibt sich Munjal optimistisch.

Kapazitäten sind begrenzt

Der aus Asien befeuerte Aufschwung könnte jedoch irgendwann an den Kapazitäten scheitern, wie Künchen feststellt: „Bis auf 70 Mann werden wir maximal noch aufstocken“. Danach wäre der Standort vollkommen ausgelastet. Mit dem regen Austausch zum Hauptsitz in Jaipur ist der Personalmanager jedoch guter Dinge, dass auch in den kommenden Jahren die Technik aus Stephanskirchen durch die Straßen der Welt fahren wird.

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