Hochries Hütte bis Mitte März geschlossen – das sagen DAV und Wirt dazu

Die Lage heuer: wenig Schnee. Und wenig Service, fügt mancher Wanderer grummelnd hinzu.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Wanderer sind verärgert, der DAV verweist auf Engpässe wegen der Bergbahnsanierung. Noch bis 22. März bleibt die Hochrieshütte geschlossen. Die Wirte hätten derzeit keine Möglichkeit, Nachschub zur Hütte zu transportieren, sagt DAV-Chef Franz Knarr. Hubschraubertransporte seien unwirtschaftlich.

Aktualisiert 6. Februar: 

Samerberg– Der Wandersmann ärgerte sich, und zwar richtig: Noch zu Beginn des Weges sei zu lesen gewesen, dass die Hochrieshütte offen sei, zwar bis in den April hinein. Doch oben folgte die Enttäuschung: Keine Bedienung mehr, und das schon Anfang Januar, und überhaupt: Erst dort oben sei ihm mitgeteilt worden, dass die Hütte für den Rest des Winters schließe. „Das hätte man doch wirklich vorher mitteilen können“; sagte Jörg Illing den OVB-Heimatzeitungen. Er spricht von „Hochrieshütte im Chaos“.

Franz Knarr, Vorsitzender des Alpenvereins Rosenheim, der die Hochrieshütte betreibt, gibt Contra. Chaos? Man saniere schließlich die Hochriesbahn. „Deswegen haben wir bis 22. März geschlossen“, sagt er. „Ohne Seilbahn kommt der Wirt mit der Versorgung nicht zurande.“

Manuel Hohenegg heißt der Wirt, und er appelliert an das Verständnis der Wanderer. Normalerweise laufe es so, dass im Winter zwar keine Personen transportiert werden, dass aber Bewegungsfahrten – Fahrten, damit die Bahn nicht gleichsam „einrostet“ – zum Transport von Lebensmitteln genutzt werden können. 

Mitte November stellte sich raus, dass die Pause 2019/2020 eine längere werden würde. Vier Monate lang würde keine Gelegenheit für eine Fahrt da sein, da Gondeln komplett abgehängt. „Letztmals konnten wir uns Mitte Dezember eindecken“, sagt Hohenegg, „und es ist eben so, dass wir frisch zubereiten.“ Kasspressknödel zum Beispiel, die kommen besonders gut an. Hohenegg muss noch wesentlich mehr vorhalten: „Wir tischen kein Dosenfutter auf, und wir bieten auch vegetarische und vegane Speisen an.“ So, wie es eben das vielfältiger und anspruchsvoller gewordene Publikum schätzt. Zahlreicher ist es auch geworden, vor allem im milden Herbst 2019. „Mitte Dezember hatten wir noch 15 Grad, die Hochries war viel stärker besucht als gewöhnlich“, sagt Hohenegg. 

Man kann sich einschränken, man kann sich auf traditionelle Hüttenküche zurückziehen, mit länger haltbaren Zutaten, Linseneintöpfe etwa, aber irgendwann sind auch diese Vorräte aufgebraucht. Am 2. Januar habe er Schilder an allen Ausgangspunkten aufgehängt, sagt Hohenegg, dass ab 5. Januar geschlossen sei.

Ohne Bahn kein Materialtransport

Normalerweise mache man im Januar vielleicht zwei oder drei Wochen dicht, sagt Knarr. „Zur Zeit ist es aber so: Weder kann der Wirt Material transportieren, noch Personal rauffahren.“ Der Winterdienst sei schon schwierig genug, wenn man, wie in den Jahren zuvor, die Bahn immer wieder mal zu Transportfahren einsetzen könne. Vergangenes Jahr wurde schon mal Nachschub mit dem Helikopter auf die Hütte transportiert. Das aber gehe nur in Ausnahmefällen, etwa vor einem sonnigen Wochenende, sagt Knarr. Denn: „Wirtschaftlich ist das nicht, da fallen 1200 Euro Kosten pro Stunde an.“ Bei dem Winterwetter bislang aber dürfte derlei kaum lohnen.

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Bahnsanierung heuer abgeschlossen

Bis zum Frühling soll alles fertig sein. Im vergangenen Jahr war der Hauptantrieb und ein neues Notstromaggregat eingerichtet worden. Derzeit läuft, wie berichtet, die zweite Sanierungsrunde an der Hochriesbahn auf Hochtouren. Unter anderem werden die Gondeln überholt. Gut drei Wochen vor Ostern soll alles abgeschlossen sein, dann wird die Hochrieshütte wieder aufmachen.

Derweil wirbt Franz Knarr um Verständnis. Die Vorschriften seien mehr geworfen, die Ansprüche gewachsen. Die Transportsituation für die Hochrieshütte aber sei gleich geblieben. „Wir haben überlegt, ob der Karrenweg revitalisiert werden kann“, sagt Knarr. „Aber: In die Natur eingreifen wollen wir auch nicht.“ Kurz: „Die Hochries ist ein schwieriger Berg.“

Nicht mal der Vorraum ist mehr offen

Weniger für Wanderer wie Jörg Illing. 500 Mal, so schätzt er, ist schon oben gewesen auf dem Hausberg der Rosenheimer. In letzter Zeit aber sei es mit dem Service auf dem Gipfel bergab gegangen. Im Vorjahr sei zumindest noch der Vorraum der Hütte geöffnet gewesen, „für Wanderer und Skitourengeher, die sich vielleicht mal windgeschützt umziehen wollen“. In der Tat ist Illing nicht der einzige, der sich beschwert.

Schlechte Erfahrungen mit offenem Vorraum

Grundsätzlich wäre so ein Raum zum Umziehen eine gute Sache, findet auch Franz Knarr. „Doch haben wir ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Da drin ist mit Gas und Esbit gekocht worden, es lag immer wieder Unrat drin, es wurden die Bänke nach draußen verzogen, es war insgesamt eine sehr enttäuschende Erfahrung.“ Inklusive der Feststellung, dass ausgerechnet an diesem Ort höchsten Rosenheimer Freizeitvergnügens der eine oder andere Besucher sein Geschäft verrichtet haben soll. Unterste Schublade, findet Knarr, „das tut einem echt in der Seele weh“.

Seelenschmerzen verspürt – wie manch anderer – auch Jörg Illing. Wegen der geschlossenen Hütte, des verschlossenen Vorraums, wegen der weggeschlossenen Holzbänke auch, die früher auf der Terrasse müden Wandererbeinen Komfort boten. „Schade“ findet er das alles. „Der Alpenverein interessiert sich wohl nicht mehr für die Hütte.“

Auch das sieht Manuel Hohenegg anders. Er betont das Engagement von DAV und Hüttenteam. Es könne zwar auf der Hochries so stark stürmen, „dass wegfliegt, was nicht niet- und nagelfest ist“. Sonst aber seien Holzbänke aufgestellt, „und den Schnee räumen wir auch“. Das ist diesmal etwas überschaubarer als vergangenes Jahr – der Monster-Schneefall vergangenes Jahr häufte bis zu sieben Meter Schnee auf, aber auch bei dem einen Meter dieses mageren Winters muss geschippt werden. Am 23. März soll die Hütte wieder geöffnet werden. Die Bahn läuft dann immer noch nicht. Auf dem Rücken des DAV-Nachwuchses soll dann nach oben schweben, was man für eine zünftige Eröffnung benötigt. Man kann die Aktion auch als leisen Hinweis darauf sehen, wie mühselig Versorgung im Gebirge einmal war und manchmal immer noch ist.

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