Eichenprozessionsspinner: An der B15 werden Raupen abgesaugt

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Eine Eiche wird von den Raupen des Eichenprozessionsspinners befreit. 
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Der Eichenprozessionsspinner und der Buchsbaumzünsler breiten sich auch im Raum Rosenheim aus. Der Kampf gegen die Schädlinge ist nicht ungefährlich. 

Update 1. Juli: 

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners entlang der B 15 und zweier Staatsstraßen im Landkreis Rosenheim

Pressemitteilung des Staatlichen Bauamts Rosenheim

Sie leben in Ästen und Stämmen von Eichen und können für Menschen durchaus gefährlich sein: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners. Die bis zu vier Zentimeter langen Raupen tragen giftige Brennhaare, die bei Hautkontakt zu Ausschlägen oder allergische Reaktionen führen können. Werden die Brennhaare eingeatmet, können asthmatische Beschwerden die Folge sein, erklärt Clemens Ruckert, zuständig für Landschaftspflege und Umweltschutz beim Staatlichen Bauamt Rosenheim.

Aber auch für die Bäume stellt ein zu starker und wiederholter Befall mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners eine Belastung dar.

Raupen an der B15 werden abgesaugt

Aus diesem Grund ist von Mittwoch, 1. Juli, bis Freitag, 3. Juli, im Auftrag des Staatlichen Bauamtes Rosenheim eine Baumpflegefirma im Landkreis Rosenheim unterwegs, die die Raupen mittels Absaugung beseitigt. Schwerpunkt der Maßnahme ist dabei zunächst die B 15, im Bereich der WEKO-Kreuzung. Zudem werden entlang der Staatstraßen 2095 bei Sonnen (Richtung Prutting) und auf der St 2089, zwischen Großholzhausen und Litzldorf (Höhe Kleinholzhausen), einzelne Eichen abgesaugt.

„Zur Sicherheit sollten alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, die hier unterwegs sind und an einer der Maßnahme vorbeifahren, die Fahrzeugfenster geschlossen halten“, so Ruckert abschließend.

Die Aufnahme im Anhang zeigt, wie eine Eiche von den Raupen des Eichenprozessionsspinners befreit wird. Das Foto steht Ihnen unter Nennung der Quelle „Staatliches Bauamt Rosenheim“ zur freien Verfügung.

Am Badeplatz in Pietzing werden die Bäume jährlich von den Schädlingen befreit. Geyer

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30. Juni:

Ausschläge, Pusteln, Atemnot – bis hin zum allergischen Schock

Rosenheim – Für Hubert Ronge, Baumpfleger aus Raubling, hat sich in den letzten Jahren ein neues Geschäftsfeld aufgetan. Neben klassischer Baumpflege und Fällarbeiten entfernt er nun immer öfter mit einer Hebebühne und speziellen Saugern Eichenprozessionsspinner von befallenen Bäumen. Ronge steht an diesem warmen Junitag mit weißem Schutzanzug am Badeplatz in Pietzing am Simssee und untersucht die dortigen Eichen auf Befall und entfernt die Insekten. „Wir machen das jedes Jahr hier, dadurch ist der Befall nur gering.“

Warum das überhaupt notwendig ist? Die Raupen sind bedeckt mit feinen Haaren. Die Haare sehen harmloser aus, als sie sind. Wer mit ihnen in Berührung kommt, hat lange was davon: Ausschläge, Pusteln und wenn es ganz schlecht läuft auch Atemnot oder einen allergischen Schock. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit warnt ausdrücklich auf seiner Internetseite vor dem Kontakt mit dem Insekt.

Landkreis kontrolliert und entfernt Befall

„Wir kontrollieren daher die Liegenschaften des Landkreises regelmäßig“, sagt Roman Pröll, Kreisfachberater für Gartenpflege am Landratsamt Rosenheim. Rund einen Monat Arbeit habe das Landratsamt inzwischen allein mit diesem Schädling. Früher sei der Eichenprozessionsspinner kein so großes Thema gewesen. Die milden Winter in den letzten Jahren hätten aber dazu geführt, dass die Schädlinge sich immer weiter verbreiten: „Der Eichenprozessionsspinner ist ein wärmeliebendes Insekt.“ Je milder die Witterung, desto besser für das Insekt.

Ein Raupennest, das entfernt werden muss.

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Pröll vermutet außerdem, dass ein Mikroklima dem Eichenprozessionsspinner nutzt. „Besonders an denAutobahnen ist der Befall stark. Woran das liegt wissen wir noch nicht genau“, sagt Pröll. In Raubling habe sich der Schädling ausgebreitet, aber auch in Bernau sei er schon entdeckt worden.

Buchsbaumzünsler mag keinen Regen

Immerhin, die Buchsbesitzer können ein bisschen aufatmen. Der nasse Juni sei den Buchsbaumzünslern nicht bekommen. Pröll vermutet, dass die nächste Population sich dadurch verzögert. Weiterhin sollten Buchsbaumbesitzer ihre Pflanzen im Auge behalten.

Beide Schädlinge führen zu einem Kahlfraß. Beim Buchs gehe dies sehr schnell. Der Eichenprozessionsspinner sorge schleichend dafür, dass Eichen eher langsam schwächer werden. Der Spinner frisst die Blätter, keine Fotosynthese ist mehr möglich. Auf die Dauer kann der Baum anfällig für Krankheiten werden oder bei starkem Befall schlicht sterben.

Was Roman Pröll wurmt: „Viele Menschen fällen inzwischen ihre Eichen. Denn jedes Jahr Absaugen ist auch ein ziemlicher Aufwand.“ Anders als bei den öffentlichen Flächen müssen Grundstückseigentümer für ihre Bäume aufkommen und eine Absaugung bezahlen. Fatal: Der Klimawandel führt zu einer Ausbreitung des Schädlings und zudem zur Fällung von Eichen. Dabei wären diese wichtig für das Klima, so Pröll.

Was tun bei Befall mit einem Pflanzenschädling?

Was tun, wenn eine Eiche womöglich befallen ist? Erster Ansprechpartner ist laut Pröll die Gemeinde, die dann in den meisten Fällen einen Kontakt zum Landratsamt herstellt. Experten des Landratsamtes begutachten dann den Fall und wie man bestenfalls weiter vorgeht.

„Es macht schon einen Unterschied, ob der Befall in einem belebten Bereich ist, oder in freier Landschaft“, sagt der Kreisfachberater. Ob eine Weide in der Nähe sei, spiele auch eine große Rolle. Denn Kühe könnten sich verätzen, wenn sie die feinen Haare des Eichenprozessionsspinners schlucken.

Vorsicht bei Eichenprozessionsspinner: Appell an Eigenverantwortung

Während Hubert Ronge und sein Mitarbeiter im Schutzanzug die Eichen in Pietzing bearbeiten, liegen nur wenige Meter entfernt Badegäste – unter Eichen, die er in diesem Jahr noch nicht bearbeitet hat. Auch ein Warnschild hält sie nicht davon ab. Für Ronge keine Seltenheit: „Das erlebe ich häufig, dass sich die Leute nichts dabei denken.“

Roman Pröll kann das bestätigen: „Die Menschen verlieren den Blick für die Natur.“ Wenn dann etwas passiere, werde schnell ein Schuldiger gesucht. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger. „Die Menschen sollen mit offenen Augen durch die Natur gehen und wieder ein Gefühl dafür bekommen.“ Nicht erst, wenn sie mit den Brennhaaren der Raupe in Kontakt gekommen sind.

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