Handwerk

Mit 20 Jahren kommt Wolfgang Winnefeld junior aus Rohrdorf hoch hinaus - als Dachdecker-Meister

Der frisch gebackene Dachdeckermeister Wolfgang Winnefeld junior ist von seinem Beruf begeistert, denn er spielt sich nicht nur im Büro ab, sondern vor allem draußen, auf der Baustelle „wo man wirklich sieht, dass etwas vorwärts geht“.
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Der frisch gebackene Dachdeckermeister Wolfgang Winnefeld junior ist von seinem Beruf begeistert, denn er spielt sich nicht nur im Büro ab, sondern vor allem draußen, auf der Baustelle „wo man wirklich sieht, dass etwas vorwärts geht“.

Die Mischung macht‘s: Wolfgang Winnefeld junior mag es an seinem Job dass Theorie und Praxis ineinandergreifen. Wie er beraten kann und am Abend sieht, was er geschafft hat. Er ist Dachdecker, kennt sich mit Brandschutz genauso aus wie mit Photovoltaik. Und ist mit 20 Jahren Meister.

Von Johannes Thomae

Rohrdorf – „Wenn ich gesagt habe, das ist rot, dann hat mein Sohn gesagt, nein, blau“ Dieses Erlebnis kennen wohl viele Väter mit heranwachsenden Söhnen. Bei Wolfgang Winnefeld war es aber insofern etwas lästiger, als der Dachdeckermeister auch der Chef seines Sohnes ist, und stets hinterfragte Arbeitsaufträge dem Betriebsklima nicht förderlich sind. Umso größer sein Stolz, dass der junge Wolfgang Winnefeld jetzt mit gerade mal 20 Jahren ebenfalls Meister ist.

Vorarbeiter teilten den Junior ein

Mittlerweile ist ja auch die Phase des Opponierens längst überwunden, für die Wolfgang Winnefeld senior sowieso eine salomonische Lösung gefunden hatte: Er vergab die Aufträge für den Sohn einfach an seine beiden Vorarbeiter, die ihrerseits dann den Junior entsprechend einteilten.

Meister erst auf dem Papier

Den beiden, Kay Heitkamp und Robert Brokopp, die schon 27 beziehungsweise 15 Jahre in der Firma sind, ist der Wolfgang junior nach wie vor eng verbunden, sagt, dass er in seiner jetzigen Phase des Lernens in der Praxis nicht zuletzt auch auf ihr Wissen baut. „Denn“, so meint er bescheiden, „Meister bin ich bislang bloß auf dem Papier, das Wichtige, das Sammeln von Erfahrung fängt ja jetzt erst an“.

Im eigenen Betrieb Erfahrung sammeln

Deshalb hält er es auch prinzipiell für vernünftig, nach der Lehre einige Jahre als Geselle zu arbeiten, bevor man sich an den Meister macht. „Nicht jeder hat die Chance im elterlichen Betrieb zu arbeiten und so problemlos auch nach der Meisterprüfung noch Praxiswissen sammeln zu können“.

Vaters Praxis und die Theorie des Sohnes

Was nicht heißen soll, dass er in der Meisterschule nicht viel gelernt hätte, im Gegenteil. Allein schon bezüglich der ganzen Energiesparvorschriften, die zu beachten sind. „Als ich in diesem Beruf anfing“, so erzählt dazu Winnefeld senior, „gab’s mit dem Kunden – leicht übertrieben – nur Material und Farbe der Dachdeckung zu besprechen“.

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Heute müsse der Bauherr über ein ganzes Paket an Vorschriften und Möglichkeiten informiert werden, von Wärmeschutz, Brandschutz, Schallschutz, Schneelastabsicherung angefangen bis hin zu Photovoltaik und Solarthermie. Das gilt für Neubauten, fast mehr aber noch für Sanierungen und Reparaturen, auf denen bei der Firma Winnefeld der Schwerpunkt liegt. Deshalb werden die beiden viele Kundengespräche auch gemeinsam führen, nicht nur damit Winnefeld junior von der Praxiserfahrung des Vaters lernt, sondern auch um sein Wissen, das dank Meisterschule auf dem neuesten Stand ist, einzubringen.

Die Mischung macht’s

Für ihn liegt das, was den Beruf interessant macht, nicht zuletzt an dieser Mischung: Er hat unmittelbar mit seinen Kunden zu tun, kann ihnen in den Beratungsgesprächen wertvolle Tipps geben, ist aber auch immer draußen, auf der Baustelle, „wo man unmittelbar sieht, dass etwas vorwärtsgeht“.

Unglückliche Studenten und fehlende Handwerker

Für Winnefeld senior ist damit ein ganz grundsätzlicher Punkt angesprochen. Er ist überzeugt, dass es heute viele junge Menschen gibt, denen das Anpacken viel mehr läge, als Theorie „und Papierkram“. Dieses Streben hin zur Praxis und damit zum Handwerk wird aber, so seine Befürchtung, von vielen Eltern eingebremst, die glaubten, nur Gymnasium und Studium machten einen Menschen glücklich. „Das Gegenteil ist der Fall, die zwingen ihre Kinder auf eine Schiene, auf die die eigentlich gar nicht wollen und dem Handwerk fehlen dadurch engagierte Fachkräfte

„Das ist mein Ding“

Winnefeld junior ist jedenfalls froh, dass ihm seine Eltern hier freie Wahl gelassen haben: „Ich bin in den Dackdeckerberuf in keinster Weise gedrängt worden“. Schon auf dem M-Zweig der Mittelschule sei ihm klar gewesen, „dass das auch mein Ding sein wird“. Wobei sicher eine Rolle gespielt hat, dass er von Kind auf mitbekam, dass die Firma mit den fünf Angestellten eine Truppe ist, die nicht nur miteinander arbeitet, sondern auch miteinander Spaß hat.

Eltern trauten dem Glück lange nicht

Für die Eltern Silvia und Wolfgang Winnefeld ist die Entwicklung jedenfalls ein Glücksfall: „Natürlich hofft man irgendwie“, sagt Wolfgang Winnefeld, „dass vielleicht der Sohn den eigenen Betrieb mal übernehmen könnte, aber so richtig daran zu glauben traut man sich lange nicht“.

Der junge Meister aber kann seinen Beruf nur allen, die gerne auch im Freien arbeiten, wärmstens ans Herz legen. „Denn bei ihm hast Du eines sicher: Jeden Abend das Gefühl, wirklich was geschafft zu haben“.

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