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Kohlendioxid als wertvoller Rohstoff

Rohrdorfer baut als erstes deutsches Zementwerk eine CO2-Abscheideanlage

Beim Spatenstich: (von links) Europaabgeordnete Angelika Niebler, Unternehmensleiter Mike Edelmann, Dr. Helmut Leibinger, Leiter Anlagen- und Verfahrenstechnik, Anton Bartinger, Prokurist und technischer Leiter der Sparte Zement, und Günther Wunsam, kaufmännischer Leiter der Sparte Zement bei Rohrdorfer. Rohrdorfer
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Beim Spatenstich: (von links) Europaabgeordnete Angelika Niebler, Unternehmensleiter Mike Edelmann, Dr. Helmut Leibinger, Leiter Anlagen- und Verfahrenstechnik, Anton Bartinger, Prokurist und technischer Leiter der Sparte Zement, und Günther Wunsam, kaufmännischer Leiter der Sparte Zement bei Rohrdorfer. Rohrdorfer

Auf dem Betriebsgelände des Zementwerks in Rohrdorf entsteht derzeit Deutschlands erste CO2-Abscheideanlage für die Zementproduktion. Der Betreiber des Zementwerks, startet das Pilotprojekt aus eigener Initiative, um die Möglichkeiten der Abscheidung von Kohlendioxid und damit eine klimaverträgliche Zementproduktion zu erforschen.

Rohrdorf – Die Anlage soll bis Ende Juni in Betrieb gehen. Sie wird pro Tag zwei Tonnen Kohlendioxid abscheiden, das der weiteren Verwendung in der regionalen chemischen Industrie zugeführt werden soll. Die Gesamtkosten der Pilotanlage belaufen sich auf drei Millionen Euro.

Das Fundament für die Anlage auf der Südseite des Zementwerks steht bereits. Auf rund 30 Quadratmetern entsteht ab Mitte März eine 25 Meter hohe Pilotanlage für die CO2-Abscheidung. Eine weitere Anlage an einem Rohrdorfer-Standort ist bereits in Planung.

Blick auf das Rohrdorfer Zementwerk, in dem die Pilotanlage errichtet wird.

Die Anlagen werden in Zusammenarbeit mit der Andritz Gruppe errichtet. Der österreichische Spezialist für Anlagen- und Maschinenbau verfügt über eine langjährige Expertise beim Bau von CO2-Abscheidern in Kohlekraftwerken. In der Pilotanlage werden die technischen, qualitativen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Abscheidung und Umwandlung getestet. Bisher gibt es dazu ausschließlich Erfahrungswerte aus Anlagen, die in der Kohleverstromung eingesetzt werden.

rohr zementwerk re

Ameisensäure wird aus Kohlendioxid gewonnen

Sobald der CO2-Abscheidevorgang ausreichend getestet ist, erweitern Rohrdorfer Ingenieure und Konstrukteure die Anlage, um aus dem abgeschiedenen Kohlendioxid Ameisensäure zu produzieren. Voraussichtlich wird das im Herbst möglich sein. Bereits seit Juli vergangenen Jahres testet Rohrdorfer die Gewinnung von Ameisensäure aus Kohlendioxid im unternehmenseigenen Labor, um für die Produktion in der Pilotanlage optimal gerüstet zu sein. Aus den zwei Tonnen CO2, die in der Anlage pro Tag abgeschieden werden, können etwa 1800 Liter Ameisensäure gewonnen werden. Diese wird zum Beispiel an Chemiewerke in der Region geliefert und dient als Basis für Produkte wie Reinigungs-, Desinfektions- oder Enteisungsmittel. Je nach Reinheitsgrad ist das gewonnene CO2 auch in der Lebensmittelindustrie, etwa für die Kohlensäureanreicherung von Mineralwasser, verwendbar.

rohr zementwerk re3D-Modelle der CO2-Abscheide-Pilotanlage von Rohrdorfer

Einstieg in eine CO2-Kreislaufwirtschaft

Die Ergebnisse des Pilotprojekts sind für Rohrdorfer ein wichtiger Schritt, um das Ziel der deutschen Zementindustrie, bis 2050 klimaneutralen Zement zu produzieren, zu erreichen. Bereits 2022 wird am Standort Rohrdorf Zement mit 45 Prozent weniger CO2 als 1990 hergestellt. Dies gelingt durch Optimierung der Zementsorten und des Brennstoffeinsatzes. Bis 2030 soll eine Reduktion um 65 Prozent gelingen. Die restlichen 35 Prozent können nur durch Abscheidung reduziert werden.

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Die Kohlendioxid-Abscheidung ist außerdem ein wichtiger Beitrag zur Energiewende: Durch die Sektor-Koppelung von chemischer Industrie und Zementindustrie soll der abgeschiedene und umgewandelte Kohlenstoff mittelfristig Erdöl und Erdgas in der chemischen Industrie ersetzen. Das ist der Einstieg in eine CO2-Kreislaufwirtschaft.

Kohlenoxid als Wertstoff statt als Problemstoff

„Wir müssen beginnen, Kohlendioxid als Wertstoff statt als Problemstoff zu sehen. Der Kohlenstoff im CO2 kann zu Methanol, Ethylen oder Ameisensäure und damit Ausgangsstoff für viele Produkte werden, die heute noch auf Erdölbasis hergestellt werden müssen. Mit dem Pilotprojekt ist Rohrdorfer im Begriff, ein verlässlicher Partner für die chemische Industrie, zum Beispiel an den Chemiestandorten Burghausen oder Linz zu werden,“ sagt Dr. Helmut Leibinger, Leiter der Anlagen- und Verfahrenstechnik bei Rohrdorfer. „Mit CO2 als Kohlenstoffquelle kann Deutschland das Klima schützen und zugleich unabhängiger von Erdöl und Erdgas werden. Zudem bleiben die Wertschöpfung und damit auch Arbeitsplätze im Land.“

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rohr zementwerk re

Im Januar hatte Professor Dr. Angelika Niebler, Abgeordnete im Europäischen Parlament und stellvertretende Parteivorsitzende der CSU Bayern, zusammen mit der Rohrdorfer Geschäftsleitung den ersten Spatenstich für die Anlage gesetzt. Sie begrüßte die Initiative des Unternehmens, die Produktion von CO2-neutralem Zement proaktiv voranzutreiben: „Um die auf der Klimakonferenz in Paris vereinbarten Ziele zu erreichen, sind Entschlossenheit und Eigeninitiative gefragt. Das Pilotprojekt von Rohrdorfer ist herausragend und zeigt, dass die deutsche Wirtschaft bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.“

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