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Wahrzeichen der ehemaligen Karfreit-Kaserne

Ringen um die Erinnerungskultur: Darum sorgt eine Bläser-Figur für Unmut in Brannenburg

Ein Stein des Anstoßes: Die ehemalige Karfreit-Statue des „Bläsers“, die im Sommer 2021 an die Gebäudeecke des Seniorenheims in Brannenburg montiert worden ist.
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Ein Stein des Anstoßes: Die ehemalige Karfreit-Statue des „Bläsers“, die im Sommer 2021 an die Gebäudeecke des Seniorenheims in Brannenburg montiert worden ist.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Schlacht um Karfreit wurde vor über 100 Jahren geschlagen. Doch in Brannenburg hallt sie noch immer nach. Es gibt Streit, wie man mit dem Erbe der Karfreit-Kaserne umgehen soll, auf deren Gelände das Viertel „Sägmühle“ entstanden ist. Was hinter der Auseinandersetzung steckt.

Brannenburg – Simon Hausstetter nimmt die Angelegenheit so genau, dass man ahnt, dass es sich nicht um bloßes Privatinteresse handelt. Zweimal sei er in letzter Zeit nach Slowenien gefahren, erzählt der Rohrdorfer Bürgermeister, „ich hab mich umfassend informieren wollen“. Kobarid war Hausstetters Ziel, eine 4500-Einwohner-Gemeinde im Isonzo-Tal. Karfreit hieß sie auf deutsch, Caporetto auf Italienisch. Sogar das Museum von Kobarid habe er sich genau angeschaut, beteuert Hausstätter.

Harmonischer Zweiklang?

Und das alles wegen einer Schlacht im Ersten Weltkrieg, die in Brannenburg noch immer Menschen bewegt. Wegen der Karfreitkaserne, 1935/36 für die Wehrmacht gebaut, 2009 von der Bundeswehr verlassen. Seitdem entstand auf ihrem Gelände der jüngste Brannenburger Ortsteil „Sägmühle“. Hausstetter weiß: kein einfaches Gelände. Nicht jeder dort empfindet Karfreit und Kaserne als harmonischen Zweiklang.

An der Ecke des Seniorenheims

Vor allem die Figur des „Bläsers von Karfreit“, einst Wahrzeichen der Kaserne, bevor sie vergangenes Jahr in die Ecke eines neu gebauten Seniorenheimes eingelassen wurde, sorgte und sorgt für Irritationen. Brannenburgs Bürgermeister Mathias Jokisch sagt es so: „Einige Bewohner des neuen Ortsteils waren überrascht, als der ,Bläser von Karfreit‘ wieder auftauchte.“ Andererseits sei es schon so, dass die Kaserne für Brannenburg viel bedeutet habe. „Da muss man kein Soldat gewesen sein, um das nachvollziehen zu können“, sagt Jokisch.

Simon Hausstetter

Hausstetter, der auch Vize-Vorsitzender des Historischen Vereins Rosenheim ist, wird diese Woche zu all diesen Themen einen Vortrag halten. „Das Wunder von Karfreit. Geschichte und Kritik“, so lautet der Titel. Es geht um die Schlacht, es geht um das Gedenken an die Schlacht. Und die Rolle des blechblasenden Musikanten.

Hausstetter kommt auf Einladung des „Erinnerungsdialogs Kaserne Brannenburg“, eine Initiative, die die Traditionspflege um die ehemalige Gebirgspionierkaserne kritisch unter die Lupe nimmt. Unter anderem an den Infotafeln zur Kasernengeschichte stört sich die Gruppe. Zu sehr aus militärischer Sicht seien die Texte verfasst, sagt etwa Jakob Mangoldt-Boldt vom Erinnerungsdialog.

Es sei nicht angebracht, lediglich vom größten militärischen Erfolg der Mittelmächte zu schreiben, ohne die Tausenden Toten zu erwähnen und dazu den Umstand, dass der Weg zum Sieg durch Tausende Granaten mit Giftgas geebnet worden war. Gerade vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs solle man umdenken: „Man sollte Mahnmale errichten, keine Denkmale.“ Es stelle sich die grundsätzliche Frage, wie mit Geschichte umzugehen sei.

„Eine Kaserne ist eine militärische Einrichtung“, entgegnet Manfred Benkel, ehemaliger Kommandeur der Gebirgspioniere und Autor der Tafeltexte, „da ist es doch klar, dass ich unter militärischen Gesichtspunkten schreibe.“ Er habe angeboten umzuformulieren, was nachweislich falsch sei. Ansonsten aber seien die Einwände auch subjektiv gefärbt. So wie der Hinweis auf Giftgas – das hätten schließlich auch die Italiener eingesetzt, und zwar schon vor der Schlacht um Karfreit. Den Vortrag wird er sich wohl nicht anhören können, er habe schon vor über zwei Wochen wegen eines anderen Termins abgesagt, sagt er.

Bürgermeister Jokisch hingegen wird am Mittwoch hingehen. „Eine gute Sache“, findet er, den Vortrag seines Amtskollegen aus Rohrdorf empfindet er als willkommen: „Ich komme gern.“ Etwas weniger begeistert ist er von der Podiumsdiskussion im Anschluss an Hausstetters Vortrag: „Da ist mir durchaus nicht klar, was passieren soll.“ An Texten herumkritteln, deren Inhalt ja nicht falsch sei? „Man muss auch bedenken, dass wir nicht so sehr viel Platz auf diesen Infotafeln haben.“

Eine Gemeinde sei kein Museum

Eine Gemeinde sei ja auch kein Museum. Will sagen: eine Einrichtung, deren Zweck das Bewahren, Forschen und Präsentieren ist. Einen Historiker als Autor neuer Tafeln anzuwerben, so wie es die Bürgerinitiative schon vorgeschlagen hat, dafür kann er sich nicht erwärmen – auch weil der Gemeinderat seinerzeit, vor der Aufstellung der Infotafeln, die Texte abgesegnet habe. Sogar aus Kobarid sei eine Delegation angereist. Zu beanstanden habe auch die nichts gehabt.

Zumindest im Falle des „Bläsers von Karfreit“ scheint eine Lösung nahezuliegen. Auch innerhalb der Bürgerinitiative kann man sich offenbar vorstellen, die Figur dort zu belassen, wo sie ist. Man wolle sie nicht weghaben, sagt Jakob Mangold-Boldt. Nur halt mit eigener Infotafel versehen, die auch über mögliche Instrumentalisierungen der legendenhaften Gestalt durch das NS-Regime aufklären könnte.

Oberst a. D. Manfred Benkel hätte nichts dagegen, wenn der Erinnerungsdialog da seine eigene Tafel anbringt. Er rät darüber hinaus, „nicht dauernd zurückzublicken“. Eine Partnerschaft zwischen Brannenburg und Kobarid, sagt er, „das ist für mich Zukunft“.

Blick in die Geschichte: Geringen Geländegewinn mit viel Blut bezahlt

Für die siegreichen Österreicher und Deutschen wurde es in der Überlieferung das „Wunder von Karfreit“, für die geschlagenen Italiener die „Schmach von Caporetto“: Die zwölfte und letzte Isonzo-Schlacht im Oktober 1917 bescherte den so genannten Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn einen letzten militärischen Triumph. Er brachte ihnen wenig: Etwas mehr als ein Jahr nach dem Durchbruch an der Isonzo-Front schickten sich Deutschland und Österreich unter harten Bedingungen in den Waffenstillstand, der den Ersten Weltkrieg im Westen beendete. Trotz 20000 Toten auf beiden Seiten und insgesamt 300000 gefangenen italienischen Soldaten blieb die „Schlacht von Karfreit“ ohne weitreichende Folgen auf den Kriegsverlauf – typisch für den Ersten Weltkrieg, in dem oft geringste Geländegewinne mit viel Blut bezahlt wurden.

Infoabend in der Wendelsteinhalle

Der Infoabend „Das Wunder von Karfreit. Geschichte und Kritik“ mit Simon Hausstetter findet am Mittwoch, 27. April, um 20 Uhr in der Wendelsteinhalle an der Schloßstraße in Brannenburg statt.

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