Riedering: Tinninger See soll wieder gesund werden

Im Tinninger See breiten sich immer wieder Algen aus. Mähen hilft nur kurzfristig, Quarzmehl könnte den Algenbewuchs dauerhaft beseitigen.
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Im Tinninger See breiten sich immer wieder Algen aus. Mähen hilft nur kurzfristig, Quarzmehl könnte den Algenbewuchs dauerhaft beseitigen.

Quarzmehl und die Heilkräfte der Natur könnten dafür sorgen, dass die Algenplage am Tinninger See bald Vergangenheit ist. Ein Baubiologe könnte das Gewässer gesund pflegen. Der Gemeinderat zögert dennoch. 

Riedering – Um der ungefährlichen, also nicht gesundheitsschädlichen, Algen Herr zu werden, setzt die Gemeinde seit Längerem ein Mähboot ein. In der Sitzung des Gemeinderates hatten Dr. Thomas Bittl vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und Edeltraud Wissinger vom Büro Ecozept Freising über die Wasserqualität des beliebten Badesees informiert, nun war Gerd Mappes, Baubiologe der NaturSinn International mit Sitz in Riedering, im Gemeinderat zu Gast, um sein Produkt, ein Quarzmehl, vorzustellen.

Erfolg am Reischenharter See

Seit 25 Jahren laufe beispielsweise am Reischenharter See erfolgreich eine Gewässersanierung nach diesem Prinzip, so Mappes. 2015/16 habe NaturSinn auch am Tinninger See ihr Konzept erprobt, der Versuch sei aber leider abgebrochen worden.

Den Erfolg der Mähkuhbezeichnete er als mäßig, denn das Entfernen der Pflanzen käme einer Flüssig-Düngung gleich.

NaturSinn gehe ursächlich vor und setze mit natürlichen Präparaten auf die Zusammenarbeit mit der Natur. Durch die regelmäßige Einbringung speziell behandelten Quarzmehls im Rahmen eines auf das jeweilige Gewässer abgestimmten Behandlungsplans werde die vorhandene Mikrobiologie aktiviert und unterstützt. Der Gesundungsprozess durch den damit eingeleiteten Abbau der überschüssigen Nährstoffe beginne, so Mappes, auch wenn die Ursachen der Belastung noch gar nicht hinreichend reduziert werden konnten. Ein bis zwei Gramm Quarzmehl pro Kubikmeter See seien ausreichend, so seine Einschätzung.

Die ersten fünf Jahre brauche es eine Grundbehandlung, dann reiche eine sogenannte Erfolgsbehandlung aus. Der Bauhof könne diese Arbeiten erledigen, so Mappes weiter. Auf Nachfrage Matthias Pummerers (FWGR) bestätigte Mappes, dass der Algenwuchs sich nach dem Nährstoffangebot richte. Robert Langzauner (Wählerunion Söllhuben) erzählte, er habe einen Selbstversuch in seiner Zisterne mit Quarzsand eines anderen Herstellers gestartet, das Quarzmehl habe tatsächlich gewirkt. Dennoch hakte er beim Preis nach. Rund 40 000 Euro für die Quarzsand-Behandlung seien recht viel.

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Irmgard Wagner (SPD) befand, dass man den Tinninger See, der ein Moorsee ist, nicht mit dem Reischenharter Baggersee vergleichen könne. Mappes erwiderte, ein Moorsee habe in der Tat eine höhere Regenerationsfähigkeit als ein Baggersee. Der Bauhof habe ihm nach den ersten Versuchen mit Quarzmehl vor gut fünf Jahren bestätigt, dass der See eine andere Qualität gehabt habe.

Während Richard Mühlbauer (Freie Bürger Pietzing) sich für die NaturSinn-Methode begeistern konnte, erklärte Dr. Georg Kasberger (CSU), dass er „ein Problem mit der Dosis“ habe. Für den 25 Hektar großen See brauche es 750 Kilo, das komme teuer. Josef Loferer (FWGR) schloß sich dem an, es gehe hier um öffentliche Gelder. Zudem fehle der wissenschaftliche Nachweis. Sebastian Hamberger (Wählergemeinschaft Söllhuben) erklärte: „Die Wissenschaft kann man sowieso vergessen…“. Andreas Hirzinger (CSU) warb dafür, die Seebesitzer mit ins Boot zu holen. Dominik Summerer (CSU) wandte ein, dass der Einsatz der Seekuh auch teuer käme und dass der Erfolg jeweils nur vorübergehend sei.

Die Seebesitzer mit ins Boot holen

Bürgermeister Christoph Vodermaier (FWGR) beendete die Diskussion: Er schlage ein Seegespräch vor, bei dem sich Betroffene und Gemeinderatsmitglieder über das weitere Vorgehen abstimmen sollten. Es gehe hier um eine erhebliche Summe, man dürfe Entscheidungen nicht übers Knie brechen. Dennoch soll das erste Treffen möglichst bald stattfinden.

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