Riedering beim Hochwasser „relativ glimpflich davongekommen“ - Dank Rückhaltebecken?

  • vonElisabeth Kirchner
    schließen

Am Ende eines langen Hochwassertages zog der Bürgermeister in der Gemeinderatssitzung eine eher positive Bilanz – und plötzlich waren auch diejenigen froh über das Regenrückhaltebecken nahe des Wertstoffhofes, die vor Monaten noch fanden, es sei überdimensioniert.

Riedering – Bürgermeister Christoph Vodermaier (FWGR) bewertete das Starkregenereignis zu Wochenbeginn in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Ende eines wasserreichen Dienstag mit den Worten: „Wir sind relativ glimpflich davongekommen.“ Dies sei dem großen Einsatz der Feuerwehren und dem Bauhof geschuldet. Seinem Dank schlossen sich die Gemeinderäte und Zuhörer mit lautem Applaus an.

+++ Aktuelle Informationen über die Folgen des Hochwassers in unserem Ticker +++

Übergetretene Bäche, überflutete Straßen

Aber auch das Regenrückhaltebecken am westlichen Ortsausgang Riederings, das schon seit Beginn der Planungen für viel Wirbel und Diskussionen gesorgt hatte und dessen Wirksamkeit und Dimension von so manchem Riederinger bezweifelt wurde, habe schlimmeren Schaden abgewendet. Nichtsdestotrotz habe der Starkregen – „auch wenn wir mit einem blauen Auge davongekommen sind“ – einige Schäden auf Gemeindegebiet verursacht. So wurden Straßen überflutet, Kies liege auf den Straßen, und Bäche seien übergetreten.

+++ Bildergalerie: So sieht die Region nach den andauernden Regenfällen aus +++

Hochwasserschutz noch nicht abgeschlossen

Der Damm sei ausreichend, so Vodermaier weiter, aber noch sei das ganze Hochwasserschutz-Projekt nicht abgeschlossen. Zum einen fehle noch der Schwimmer, dieser werde erst Ende August/Anfang September geliefert und soll dann auch gleich eingebaut werden. Die Durchlassmenge sei bei einem Rohr zu hoch gewesen, das könne mit dem Schwimmer reguliert werden.

Etwas Luft nach oben war am neuen Regenrückhaltebecken, um das es viele Diskussionen gegeben hatte, am Dienstag noch. Das Becken hat sich nach Ansicht des Gemeinderates bewährt und größere Schäden verhindert.

Und zum anderen stehen noch innerörtlich technische und ökologische Gewässerausbau-Maßnahmen wie eine Aufweitung der Böschung aus. Dies soll ab 2021 in zwei Schritten geschehen.

Ein Auslass als Ersatz

Auf Nachfragen Josef Bergmanns (BWGN) erklärte Vodermaier noch einmal die Auslässe am Damm. Der rechteckige Einlauf beim Gitterkasten diene als Schieber, am anderen Ende des Damms seien zwei Auslässe, ein rechteckiger und ein runder. Der runde habe einen separaten Schieber und soll bei einer Fehlfunktion als Ersatz-Auslass dienen. Josef Loferer (FWGR) befand die Bauweise samt Durchlassvolumen für ausreichend, seiner Meinung nach sei der Auslass auf acht Kubikmeter eingestellt.

Bildergalerie: Hochwasser in der Region Rosenheim/Chiemgau am 4. August

Auch in Niedermoosen hätten die Hochwasserausbaumaßnahmen gegriffen: „Das war äußerst knapp,“ aber insgesamt hätten sich die Maßnahmen „bewährt und ausgezahlt.“ Karl Rothmayer (SPD) meldete sich: In Wurmsdorf sei der Auslass zu gering dimensioniert, Richard Mühlbauer (Freie Bürger Pietzing) sah das gleiche Problem in Parnsberg und Irmgard Wagner (SPD) vermeldete, dass in Mitterfeld zwei Bäume umgefallen seien, die den Wasserlauf des Bächleins blockierten. Vodermaier notierte sich die Fälle und versprach, sich darum zu kümmern.

Knapp drei Millionen in Hochwasserschutz investiert

Viel Geld hat die Gemeinde für den Hochwasserschutz in den letzten Jahren in die Hand genommen. Für das Regenrückhaltebecken, das im Januar 2020 eingeweiht wurde, wurden bislang 2,6 Millionen Euro (Stand Ende Januar 2020) ausgegeben, die jedoch zu 65 Prozent bezuschusst werden.

Das Regenrückhaltebecken mit 100.000 Kubikmetern Rückhaltevolumen, für ein Hochwasserereignis von 100 Jahren ausgelegt, wurde in knapp einjähriger Bauzeit errichtet. Schon während der Bauzeit wurde das Fundament zweimal überschwemmt. Im ersten Bauabschnitt wurden aufgrund des schlechten Bauuntergrunds Rüttelstopfsäulen gesetzt, dann erfolgten die Dammschüttung und der Bau des Durchlasses.

Wasserdurchlass erst 2016 erweitert

Die Doppel-Träger aus Stahl bilden den Grobholzrechen für Treibholz, der Gitterkasten am Fuß des Beckens ist für feineres Material gedacht. In Niedermoosen wurde nach dem Jahrhunderthochwasser 2013 mit der Nachbargemeinde Rohrdorf und dem Landratsamt ein Hochwasserschutzkonzept für den Röthbach erarbeitet.

Der Durchlass an der Kreisstraße RO16 wurde 2016 von 14,5 auf 22,4 Quadratmeter Durchlass erweitert und durch eine neue Brücke ersetzt. Die Gesamtsumme dieser Maßnahme belief sich auf gut 400.000 Euro, wovon drei Viertel staatliche Zuschüsse waren, die restliche Summe teilten sich Landkreis mit 50 Prozent sowie Rohrdorf und Riedering mit jeweils 25 Prozent.

Rubriklistenbild: © Kirchner

Kommentare