Nach langer Corona-Pause

Repaircafé in Rohrdorf war nur einmal offen: Aussicht auf ein neues Domizil

Hurra, die Nähmaschine geht wieder – Claudia Tittel und andere Repaircafé-Kunden waren glücklich, dass in Thansau kurz vor dem erneuten Lockdown nach monatelanger Pause noch einmal geöffnet war.
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Hurra, die Nähmaschine geht wieder – Claudia Tittel und andere Repaircafé-Kunden waren glücklich, dass in Thansau kurz vor dem erneuten Lockdown nach monatelanger Pause noch einmal geöffnet war.
  • vonJohannes Thomae
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Nach sieben Monaten Coronapause hatte das Repaircafé Rohrdorf im Carport in St. Anna endlich wieder offen. 25 Menschen waren gekommen, um die Dienste in Anspruch zu nehmen. Nach einem Termin ist das Repaircafé nun wieder zu. Aber es gibt Hoffnung.

Rohrdorf – Coronabedingt war im Seniorenwohnen St. Anna im Rohrdorfer Ortsteil Thansau seit März keine Möglichkeit mehr gewesen, das Repaircafé zu öffnen. Auch kurz vor dem erneuten Lockdown fand die Veranstaltung nicht innerhalb des Hauses, sondern gewissermaßen halb im Freien statt, in einem Carport auf dem Gelände des Seniorenheims.

Schräubchensuche im Freien ist mühsam

Warum man auf diese Idee des „Outdoor-Repaircafés“ nicht schon früher gekommen war? Weil, so Geraldine Herrmann, die Gründerin des Reparatur-Treffs, ein Repaircafé im Freien nicht wirklich optimal ist: „Wir richten ja vor allem auch elektrische Geräte, die haben nicht nur Schrauben, sondern auch Schräubchen – da im Freien was wiederzufinden, wenn etwas auf den Boden fällt, wird schwierig“.

Die letzte Chance für Monate

Trotzdem saß das Team um Geraldine Herrmann an diesem Samstag vor den reparaturbedürftigen Geräten – im Anorak und teilweise mit fingerlosen Handschuhen bewehrt. „Uns war klar“, erklärt Geraldine Herrmann, „dieser Monat wäre bis weit ins nächste Frühjahr hinein die letzte Chance das Repaircafé noch einmal im Freien durchzuführen. Und wir wollten unbedingt ein Zeichen setzen: Dass es uns noch gibt, und dass es mit dem Repaircafé auch weitergeht. Deswegen haben wir trotz des ungemütlichen Wetters geöffnet“.

Stumpfe Messer wieder scharf

Ein deutliches Lebenszeichen, das von den „Kunden“ mit Erleichterung aufgenommen wurde. Ingrid Geisler zum Beispiel war mit einem ganzen Schwung Küchenmesser gekommen: „Eins nach dem anderen wurde seit Februar zu stumpf, um es noch vernünftig hernehmen zu können. Aber ich wüsste in ganz Rosenheim niemand, der mir sonst meine Messer schleifen würde.“

Kunden kamen bis aus Bad Aibling

Auch Claudia Tittel war begeistert, dass ihre Nähmaschine wieder zum Laufen gebracht wurde. „Die stand seit dem Frühjahr nutzlos rum, über den Sommer war das nicht ganz so schlimm, da näht man sowieso weniger. Aber jetzt, wo die kalte Jahreszeit kommt, bin ich heilfroh, dass sie wieder geht“.

Selbst aus Bad Aibling hatte sich ein Ehepaar eingefunden, mit einem defekten Tischkühlschrank. „Wir wollen eigentlich hauptsächlich wissen, ob er wirklich definitiv kaputt ist, oder ob man ihn doch noch irgendwie retten kann, haben aber im ganzen Landkreis kein Repaircafé gefunden, dass derzeit Veranstaltungen abhält.“

Unterstützung vom Bürgermeister

In Thansau hingegen stehen die Zeichen für weitere Veranstaltungen in den Monaten nach der zweiten Corona-Welle mittlerweile günstig. Schon im Vorfeld hatte Bürgermeister Simon Hausstetter nicht nur über den Bauhof für Unterstützung für das Freiluft-Repaircafé gesorgt, denn mit die wichtigste Voraussetzung war die Stromversorgung. Er hatte auch in Aussicht gestellt, dass sich in der Gemeinde für die nächsten Monate ganz sicherlich ein Ausweichquartier fände, wenn denn die allgemeine Corona-Lage Veranstaltungen zulasse.

Ein neues Domizil für „nach Corona“

Nach dem Repair-Nachmittag gab es aber auch positive Nachrichten vom Seniorenheim. Der Ablauf des Nachmittags, inklusive eines funktionierenden Hygienekonzeptes, hatte offenbar so überzeugt, dass, wie Geraldine Herrmann erleichtert verkünden konnte, dem Repaircafé in Zukunft wohl zumindest ein Nebenraum zur Verfügung gestellt werden könnte. Der habe einen separaten Eingang und lasse sich auch sonst vom eigentlichen Seniorenheim trennen.

Voraussetzung auch hier: Die allgemeine Lage muss Veranstaltungen überhaupt zulassen.

Nicht unterkriegen lassen

Für Geraldine Herrmann aber ist schon die prinzipielle Möglichkeit wichtig, nicht nur um ihr Team zusammenzuhalten und nicht nur, um Messer, Fahrräder oder Nähmaschinen richten zu können. Sie ist überzeugt: „Wenn wir, sobald die Corona-Ampel in Rosenheim nicht mehr auf dunkelrot steht, wieder loslegen können, ist das für alle, für die Besucher ebenso wie für diejenigen, die reparieren, ein Zeichen: Corona hin oder her – wir lassen uns nicht unterkriegen“.

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