Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


AUS DEM GERICHTSSAAL

Reisebus zur Notbremsung gezwungen

Schrecken auf der Autobahn: Eine Reisegruppe befand sich in einem Doppeldecker-Bus auf der Heimfahrt, als ihr Fahrer durch einen rücksichtslosen BMW-Fahrer zu einer Notbremsung gezwungen wurde. Er wurde jetzt vom Amtsgericht Rosenheim zu einer Strafe von 8100 Euro und zehnmonatigem Fahrverbot verurteilt.

Brannenburg –Der Doppeldecker-Bus brachte seine Gäste am Abend des 29. November 2016 vom Christkindlmarkt in Innsbruck zurück nach Rosenheim. Es war bereits dunkel, als sie eine Baustelle auf der Inntalautobahn passierten. Wie der Busfahrer als Zeuge vor dem Amtsgericht Rosenheim berichtete, war ihm der nachfahrende BMW bereits durch die Betätigung seiner Lichthupe aufgefallen. Am Ende der Baustelle blieb der Busfahrer aber dessen ungeachtet auf der linken Fahrspur, um einen vorausfahrenden Lastwagen zu überholen.

Da sei offensichtlich dem Salzburger BMW-Fahrer hinter ihm die Geduld gerissen. Er habe Gas gegeben und sei verkehrswidrig auf der rechten Fahrspur am Bus vorbeigeprescht. Wäre er weiterhin auf dieser Spur geblieben, wäre es nicht zu den weiteren Komplikationen gekommen, so der Busfahrer weiter. Der Autofahrer zog jedoch knapp vor dem Bus wieder nach links – und bremste ab.

Warum er das tat, darüber schieden sich vor Gericht die Geister. Der angeklagte Außendienstler aus Österreich erklärte der Vorsitzenden Richterin Christina Wand, ein rechts vor ihm fahrender PKW hätte urplötzlich zum Überholen angesetzt, weswegen er hätte abbremsen müssen.

Der Busfahrer dagegen war überzeugt, dass der BMW-Fahrer vor ihm so knapp und abrupt bremste, um seinem Ärger Luft zu machen. Der Bus war jedenfalls zu einer starken Notbremsung gezwungen. Sie konnte trotz aller Heftigkeit nicht verhindern, dass der Bus auf den Bremser vor ihm auffuhr. Eine Busreisende, die gerade auf dem Weg zur Toilette war, stürzte aufgrund der Bremsung und verletzte sich nicht unerheblich.

Vier Passagiere, die alle im Bus oben in der ersten Reihe saßen, berichteten vor Gericht einhellig, dass der Autofahrer rücksichtslos vor dem Bus eingeschert sei und unvermittelt gebremst hätte. Eine der Passagierinnen aus der erste Reihe beschrieb: „Ich habe mir noch gedacht: ‚Ja, spinnt denn der?‘ und mich sofort festgehalten, weil ich gewusst habe, jetzt kracht’s gleich. Dass kein größeres Unglück geschehen ist, liegt nur daran, dass unser Fahrer so eine gute Reaktion zeigte.“

Ein anderer Zeuge schilderte: „Der ist so knapp eingeschert, dass ich das Nummernschild nicht lesen konnte – so nah war der dran.“ Der Staatsanwalt legte da raufhin der Verteidigung nahe, ein Geständnis abzulegen und den Einspruch auf Straffolgen zu beschränken.

Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Elena Mühle-Stein, versuchte, dessen ungeachtet, herauszuarbeiten, dass die Zeugen lediglich über ihre eigene Gefühlslage berichten und nicht aber die tatsächlichen Geschehnisse beschreiben würden.

Der Staatsanwalt blieb jedoch in seinem Plädoyer bei einem „Augenblickversagen“ des Salzburgers. Der Angeklagte habe ein unzulässiges Überholmanöver vorgenommen und damit eine Verkehrsgefährdung provoziert, die so nicht hinnehmbar sei. Dabei unterstelle er ihm beim Bremsmanöver noch keine böse Absicht – sonst käme man bei der rechtlichen Bewertung in weit schlimmere Bereiche. Die Strafandrohung des Strafbefehls von 80 Tagessätzen erhöhte er in seinem Schlussantrag auf 100 und beantragte, die Tagessatzhöhe dem Einkommen des Angeklagten anzugleichen.

Die Verteidigerin beantragte Freispruch. Die Zeugenaussagen seien nach ihrer Meinung widersprüchlich und keinesfalls beweiskräftig. Die Verletzung der Reisenden habe diese selber zu verantworten, weil man sich in einem fahrenden Bus immer ausreichend festhalten müsse – deshalb habe sie auch von der Versicherung keinerlei Entschädigung erhalten.

Das Gericht sah das anders. Der Österreicher wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Eine Geldstrafe von 8100 Euro und zehn Monate Fahrsperre in Deutschland sollen ihn künftig zu angemessenem Fahrverhalten in Deutschland bewegen.

Hätte er sich einsichtig gezeigt, so hieß es vor Gericht, und einen Strafbefehl vom Februar 2016 akzeptiert, so wäre er mit einer Geldstrafe von 3200 Euro davongekommen. Man hatte ihm damals nämlich ein geringeres Einkommen unterstellt.

Kommentare