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Unternehmer-Ehepaar bangt um Vitali und Wladimir

Raublinger Klitschko-Freunde: „Vitali hofft, dass wir uns wiedersehen - wenn er denn überlebt“

Putins Krieg in der Ukraine: Wie die Irlbachers aus Raubling Kontakt mit den Klitschkos in Kiew halten.
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Echte Freundschaft: Konrad und Cielo Irlbacher mit Box-Legende Vitali Klitschko, aktuell Kiewer Bürgermeister im Krieg gegen Putin.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Für Deutsche und Amerikaner waren sie Sport-Stars, für die Ukraine sind sie Volkshelden. Und für Cielo und Konrad Irlbacher aus Raubling sind Vitali und Wladimir Klitschlo enge Freunde. Wie das Unternehmer-Ehepaar (iko) Kontakt zu den früheren Box-Champions hält.

Raubling – Im Westen waren sie Stars, in der Ukraine sind sie Volkshelden: Vitali und Wladimir Klitschko sind die prominenten Gesichter des Widerstands gegen Putins Armee. Zwei Raublinger sind in Gedanken bei den beiden früheren Box-Champions, die nun in Kiew die Stellung gegen die Russen halten: Konrad Irlbacher (59) und seine Frau Cielo (60). „Wir sind mit den Klitschkos gut befreundet.“

Sie kennen die beiden ukrainischen Ausnahme-Athleten seit über zehn Jahren. Auch jetzt stehen sie noch mit Kiew in Verbindung. Vor allem mit Vitali tauschen sie Nachrichten aus. Sie schicken ihm Whatsapp-Notizen. „Und er antwortet immer mit Sprachnachrichten“, sagt Konrad Irlbacher.

Was der Sportunternehmer aus Raubling und der Bürgermeister der belagerten Drei-Millionen-Einwohnerstadt Kiew miteinander besprechen, liegt auf der Hand. Es geht um den Krieg, das Leiden der Menschen. Und darum, wie die Menschen in der Region von Rosenheim Solidarität mit den brutal überfallenen Ukrainern üben könnten.

Als die Klitschko-Brüder mal radeln wollten: So lernten sich die Champions und die Irlbachers kennen

Die Klitschkos und die Irlbachers lernten einander über den Sport kennen. Die Klitschkos trainierten damals immer wieder beim Stanglwirt am Wilden Kaiser. Und irgendwann wollten die beiden nicht nur die Fäuste wirbeln lassen, sondern auch die Waden: Die Klitschkos hatten sich Radtouren vorgenommen. Und wandten sich deswegen an Corratec. „Wir konnten auf die Schnelle Räder auf Maß bereitstellen“, sagt Irlbacher.

Die beiden bestanden nicht etwa auf einem Promi-Hundertprozent-Bonus – sie zahlten ihre Räder. „Die beiden begeistern und überzeugen die Menschen, sind aber auch absolut ehrlich und bodenständig geblieben“, sagt Konrad Irlbacher (59). „Das hat die Klitschkos immer ausgezeichnet.“

In Kirgisien, beziehungsweise Kasachstan geboren, wurden die Klitschko-Brüder im Westen zu Stars. Und wohl zu den weltweit bekanntesten Ukrainern. Vitali Klitschko nutzte seine Popularität, um in die Politik der Ukraine einzusteigen.

Die Kitschkos: Ausharren an der Seite ihrer Landsleute

2006 kandidierte er zum ersten Mal als Bürgermeister von Kiew – 2014 hatte er Erfolg. Und nun auch den Status eines Volkshelden: Genau wie sein Bruder Wladimir setzte er sich nicht ins Ausland ab, als die russische Armee die Ukraine überfiel. Vitali und Wladimir halten vielmehr wie ihre Landsleute in der belagerten und bombardierten Hauptstadt Kiew aus.

„Helden waren die beiden aber auch davor schon“, sagt Konrad Irlbacher. „Schon als Sportler waren das herausragende Persönlichkeiten.“ Irlbacher erinnert an den letzten Kampf Wladimirs, am 29 April 2017 im Wembley-Stadion in London. „Als er die Arena betrat, buhten ihn die Leute aus“, sagt der Raublinger. „Als er nach seiner Niederlage gegen Antony Joshua den Ring verließ, spendete ihm das Publikum Beifall – so laut, dass es schon heftig war.“

Kiew, wie es einmal war: Konrad Irlbacher und seine Erinnerungen

Konrad Irlbacher und seine Frau Cielo (60) besuchten die Klitschkos selbst schon in der Ukraine. Das Kiew, das die beiden dabei erlebten, gibt es schon nicht mehr. „In Moskau ist alles zunächst mal einfach groß und mächtig. Kiew ist lieblich, die Leute sind nett“, sagt Irlbacher. Unter Bürgermeister Vitali Klitschko sollte in der ukrainischen Hauptstadt eines der größten Sportzentren entstehen.

„Und jetzt schießen die Russen dort alles kaputt“, klagt der Unternehmer. Eigentlich wollte Vitali die Irlbachers auch wieder einmal besuchen. „Ja, und jetzt läuft er mit dem Gewehr durch die Gegend“, sinniert Irlbacher. Und denkt an einen Spaziergang mit Vitali Klitschko. Den Maidan-Platz habe ihm der Bürgermeister gezeigt, Stellen, an denen im Zweiten Weltkrieg gekämpft wurde. „An einem Punkt hat er gesagt, hier ging der letzte Krieg zu Ende.“ Auch Vitali Klitschko hatte offensichtlich nicht vorausgesehen, was seinem Land drohte.

Spenden für ein verheertes Land

Die Männer bleiben in der Ukraine, Frauen, Kinder und die Alten machen sich vielfach auf den Weg in den Westen. Die Irlbachers spenden, eine Wohnung wollen sie für Flüchtlinge aus der Ukraine zur Verfügung stellen. Sie erleben mit, wie ein einst prosperierendes, hoffnungsvolles Land in Schutt und Asche versinkt.

Ausharren in einer belagerten Stadt: Vitali und Wladimir Klitschko. Foto: dpa

„Es war einfach schön und nett dort“, sagt Irlbacher. „Man hatte das Gefühl, da entsteht was.“ Auch die Geschäftsbeziehungen funktionierten. „Wir haben Räder dorthin geliefert“, sagt Irlbacher. „Und die Polizei nutzt Corratec-Räder – nutzte Corratec-Räder“, korrigiert er sich. Normale Streifenfahrten wird es in Kiew so schnell nicht mehr geben.

Zwei Champions auf Putins Todesliste

Wann der Krieg zu Ende gehen wird? Irlbacher zuckt mit den Schultern. Man könne ja doch nur hoffen, für die Menschen, für das Land. Auch er hat gehört, dass Wladimir und Vitali Klitschkos Namen auf der „Todesliste“ Putins aufgetaucht seien, ebenso wie der Name von Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Kürzlich sei erst wieder eine Sprachnachricht von Vitali eingetroffen, erzählt Irlbacher. „Er hofft, dass wir uns wiedersehen. Wenn er denn überlebt.“

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