Rauhnächte: Sprechende Stalltiere und wilde Geister am Nachthimmel

Agnes Pfeiffenthaler aus Bad Feilnbach hat in ihrem Hofladen eine ganze Regalwand voller Räuchermischungen.
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Agnes Pfeiffenthaler aus Bad Feilnbach hat in ihrem Hofladen eine ganze Regalwand voller Räuchermischungen.

Um die Rauhnächte ranken sich viele Mythen. Und obwohl Kreisbäuerin Katharina Kern aus Oberaudorf weiß, dass vieles von den Volksgeschichten vielleicht nur Aberglaube ist, vollzieht sie dennoch in der Zeit „zwischen den Jahren“ so manches Ritual.

Von Johannes Thomae und Barbara Forster

Bad Feilnbach/Oberaudorf –  Zwischen Weihnachten und Heilig-Drei-König wird keine Wäsche gewaschen und auch nicht zum Trocknen aufgehängt. So heißt es im Volksmund. Eine alte Regel, die auf die sogenannten Rauhnächte zurückgeht: Damit sind die zwölf Nächte vom 24 Dezember bis zum 6. Januar gemeint – die Nächte zwischen dem Sonnen- und Mondjahr. Der Sonnenkalender (365 Tage) unterscheidet sich vom Mondkalender (354 Tage) genau um elf Tage und zwölf Nächte. Viele Bräuche werden in diesen mystischen Nächten vollzogen – vor allem in der Landwirtschaft. Auch Katharina Kern, Kreisbäuerin aus Oberaudorf, weiß noch um den ein oder anderen Brauch.

Stalltiere bekommen besondere Kräuter

„Ich weiß noch, dass meine Oma immer penibel darauf geachtet hat, dass in den Rauhnächten ja nicht gewaschen wird.“ Früher, so erzählte man sich, trieb auch die „Wilde Jagd“ – ein Heer aus jenseitigen Geistern – ihr Unwesen. Aus Angst, einer dieser Geister könnte sich in einem der Wäschestücke verfangen, hütete man sich davor, Kleidung aufzuhängen. „Das ist halt so ein Aberglaube“, sagt Kern. Sie selbst sei da zwar entspannter – trotzdem würde sie während der Rauhnächte nicht waschen. Weil es ihnen zuhause so beigebracht wurde.

Für Kern sind im Wesentlichen drei Nächte besonders wichtig: der Heiligabend, die Silvesternacht und die Nacht vor Heilig-Drei-König. An Weihnachten bekommen ihre Stalltiere besondere Kräuter unters Futter gemischt: getrocknete Kräuter, die an Christi Himmelfahrt gesammelt wurden und zu einem Buschen zusammengebunden wurden. „Diese Kräuter reiben wir auf und mischen es dem Vieh unters Futter – zusammen mit Salz, das in der Osternacht geweiht wurde.“

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Früher ging es wohl darum, dem Vieh in einer Jahreszeit, in der kräftige Nahrung zusehends Mangelware wurde, gewissermaßen aufzuhelfen. Unter diesen Kräutern seien neben Pfefferminze auch Schafgarbe, Johanniskraut und wilder Majoran, erzählt Kern. „Ich kann mir vorstellen, dass man mit diesem Brauch ein wenig Sonnenlicht in den Stall hineinholen wollte“, überlegt sie. Auch das Ausräuchern von Stall und Haus gehört bei Familie Kern zum gängigen Ritual an Heiligabend. „Auch haben wir als Kinder früher gelernt, nach Mitternacht nicht mehr in den Stall zu gehen – weil die Tiere dann das Reden anfangen.“ Diese Möglichkeit nutzen die Tiere, so sagt der Volksmund, um den Hausgeistern zu sagen, ob sie auch gut behandelt worden sind. War dies nicht der Fall, hatten die Menschen im folgenden Jahr alle möglichen Zwischenfälle zu erwarten.

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Dieser Brauch des besonderen Fütterns wird auch heute noch in einigen Bauernfamilien wachgehalten, vermutet Kern. Es sei aber einer, der eher still und für sich gepflegt wird.

In der Silvesternacht und am 5. Januar räuchert sie zusammen mit ihrer Familie erneut mit Weihrauch Stall und Wohnhaus aus – um böse Energien und Geister zu vertreiben.

Räuchermischungen für alle Lebenslagen

Das Räuchern, so scheint es, hat offenbar Eingang in die moderne Lebenswelt gefunden. Eine Expertin im Räuchern ist Agnes Pfeiffenthaler aus Bad Feilnbach. In ihrem „Alchemilla-Hofladen“ hat sie eine ganze Regalwand voller Räuchermischungen stehen. Und wie sie verrät: Für die Rauhnächte eignet sich besonders eine Mischung aus Weihrauch, Kampfer und Wacholder.

Einer der Tage, an denen das Räuchern noch praktiziert wird, ist der 6. Januar, Heilig-Drei-König. Dieser Tag bildet den Abschluss dieser mystischen Zeit.

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