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Raublinger im OVB-Exklusiv-Interview

„Hasardeure werden hier nicht alt”: Olaf Obsommer über sein Leben als Extrem-Kajakfahrer

Extremsportler Olaf Obsommer in seinem Element bei seiner Bike2Boat-Tour 2020.
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Extremsportler Olaf Obsommer in seinem Element bei seiner Bike2Boat-Tour 2020.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Kajakfahrer Olaf Obsommer hat schon so ziemlich jeden Fluss der Welt befahren. Jetzt hat der Raublinger seine Biografie „Sick-Life-Line“ veröffentlicht. Vor seinem Auftritt im Rosenheimer Ballhaus berichtet er exklusiv über die Feinheiten zwischen Extremsport und dem „totalen Wahnsinn”. 

Herr Obsommer, in Ihrem Buch bezeichnen Sie sich als verplanten Redner mit Lampenfieber. Jetzt stehen Sie in Rosenheim zum circa 100. Mal auf einer Bühne, wie passt das zusammen? 

Olaf Obsommer: Das war eine rein pragmatische Entscheidung. Früher habe ich den Film einfach abgespielt und danach ein paar Fragen beantwortet. Irgendwann war aber klar: Bei einer Filmtour wollen dich die Leute erleben. Sie wollen etwas über den Menschen erfahren. Also habe ich umgestellt, sodass ich selbst live kommentiere. Natürlich bin ich mittlerweile sicherer und redegewandter geworden. Aber ich bin nach wie vor aufgeregt.

In „Sick Life Line” dreht sich vieles nicht nur um den Kanusport, sondern auch um die persönliche Reise zu einem glücklichen Leben. Wer hat Sie auf ihren Weg gebracht? 

Obsommer: Was mich in jungen Jahren geprägt hat, waren die Vorträge von Kajak-Pionier Hans Memminger. Außerdem habe ich damals das Buch von Reinhard Karl, dem ersten Deutschen auf dem Mount Everest, gelesen. Er hat dort beschrieben, wie er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht hat, aber dann merkte, dass er so nicht leben will. Das hat mich berührt und so ähnlich ist es bei mir ja dann auch gewesen. 

Bei den vielen Expeditionen auf den gefährlichsten Flüssen der Welt, wie oft sitzt da die Angst mit im Boot? 

Obsommer: Dieses Gefühl hat sich im Laufe meines Lebens gewandelt. Als ich jung war, war ich unsterblich. Da war ich furchtlos und habe gedacht, ich werde schon immer eine Lösung finden. Mittlerweile habe ich aber nicht mehr die Fitness wie mit 25 Jahren, das nagt schon an einem. Es macht zum Beispiel einen großen Unterschied, wenn du weißt, dass du drei Rollen mehr machen kannst, um das Kajak aufzurichten und dich aus gefährlichen Situationen zu befreien. Es ist ein schmaler Grat, da wir immer im Grenzbereich unterwegs sind. Wenn du dann weißt, dass deine Reserven dünner sind, steigt der Stress.

Es gibt Sachen, die waren rückblickend einfach dumm.

Olaf Obsommer, Extremkajakfahrer

Wie oft erleben Sie Erfahrungen, die über die eigene Grenze hinausgehen? 

Obsommer: Hasardeure werden im Extremsport nicht alt. Natürlich haben wir, als wir jung waren, Sachen gemacht, bei denen wir einfach Glück hatten. Da würde ich rückblickend sagen, das war dumm. 

Die Wassermassen des Muksu in Tadschikistan brachten Olaf Obsommer und sein Team an ihre Grenzen.

Wann hat sich Ihre Einstellung zum Extremsport gewandelt? 

Obsommer: Wir wollten die drei schwersten Flüsse der Welt befahren, den Bashkaus in Sibirien, den Saryjaz in Kirgistan und den Muksu in Tadschikistan. Im Jahr 2017 hat uns nur noch der Muksu gefehlt und wir sind in eine Schlucht reingefahren, die noch keiner vorher mit diesen Wassermassen bewältigt hat. Dort habe ich mich in eine Situation begeben, wo ich wusste, dass nicht alles kalkulierbar ist. Das passiert mir jetzt nicht mehr. Die letzten Jahre plane ich so, dass ich alles unter Kontrolle habe und weiß was kommt. Wenn ich etwas nicht genau einschätzen kann, lasse ich die Finger weg. 

Haben Sie schon Wegbegleiter sterben sehen? 

Obsommer: Zum Glück war ich noch nie direkt dabei, wenn Leute ertrunken sind. Aber klar kenne ich einige, denen es so erging. Zwei gute Freunde von mir sind mit dem Kajak verunglückt. 

Wie gehen Sie damit um? 

Obsommer: Zunächst gibt es eine Trauerphase. Mit etwas Abstand wird in unserer Szene häufig analysiert, wie das Unglück passieren konnte. Wenn ich diese Unfälle reflektiere, stelle ich fest, dass sie meistens passieren, weil man fahrlässig ist. Es geschieht selten an den schwierigsten Stellen. Erst wenn die Gefahr scheinbar vorbei ist und man denkt: Da wird schon nix mehr kommen, dann schaut man vielleicht nicht ganz so genau hin - und dann wird es richtig gefährlich. 

Olaf Obsommer live im Rosenheimer Ballhaus

Mehr zu den Abenteuern von Olaf Obsommer gibt es bei einem seiner Vorträge im Rosenheimer Ballhaus. Am Freitag, den 25.11.2022 berichtet er ab 20 Uhr unter anderem von einer Wildwasserfamilie vom Samerberg, den Alpinen Kajak Club und die wilden Gewässer in Norwegen.

Was sagen Ihre beiden Kinder zu Ihrem Beruf? 

Obsommer: Meine Kinder sind acht und zehn Jahre alt. Die können das noch nicht richtig einschätzen. Meine Freunde machen sich natürlich Sorgen. Aber ich sehe im Gegensatz zu ihnen die feinen Unterschiede. Von außen betrachtet machen die Expeditionen vielleicht gar keinen großen Unterschied. Da wirkt alles wie der totale Wahnsinn. Ich kann die einzelnen Abschnitte aber unterscheiden und dir sagen, was gut machbar ist und wann es wirklich gefährlich wird.  

Mittlerweile sind Sie 52 Jahre alt. Nehmen die jungen Fahrer Sie da überhaupt noch mit? 

Obsommer: Es kommt darauf an. Manchmal sagen die Jungen zu mir: Olaf, du hast das nicht mehr im Kreuz. Auch wenn ich das natürlich nicht gerne höre, ist das gut so. Denn bei solchen Team-Expeditionen ist das schwächste Glied der Kette entscheidend. Wenn du mich mit 25 Jahren gefragt hättest, wäre ich nie mit einem 50-Jährigen losgezogen, weil der Leistungsunterschied einfach zu groß ist. Aber die Leute, die mit mir mitfahren, wissen auch, was ich mache. Es ist nicht nur das reine Paddeln, sondern auch das Filmen, die Vermarktung und die Vorträge. Es ist etwas ganz anderes, einen Film zu drehen oder nachher drei Instagram-Videos zu machen. Ich fahre also mit Leuten, die verstehen, dass so etwas Zeit braucht. 

Solche und höhere Wasserfälle warten bei der nächsten Expedition in Gabun auf den Raublinger.

Was sind Ihre nächsten Projekte? 

Obsommer: Im März findet nach der Corona-Pause wieder das Rosenheimer Kajak-Filmfestival statt. Dafür werde ich ein Portrait über Adrian Mattern und seinen Weg zum Kajakprofi erstellen. Mit ihm will ich auch nach Gabun zum Fluss Ivindo reisen. Da sind wir mitten im Urwald auf einer Strecke von 250 Kilometern unterwegs. Auf dem Fluss gibt es vier Felsriegel, die den Urwald durchbrechen. Dort sind ganz viele Wasserfälle, die aber theoretisch befahrbar sind, zumindest für Adrian. Ich bin da auf alle Fälle der Filmer und kann mich Gott sei Dank hinter der Kamera verstecken. 

Nachdem Sie Ihren Weg zur Inspiration im Kajaksport gefunden haben, haben Sie einen Tipp für Menschen, die noch danach suchen? 

Obsommer: Oft geht es darum, den Wandel in seinem Leben zu erkennen, denn vieles ist zeitlich begrenzt. So wie ich zum Beispiel erkannt habe, dass ich kein Weltklasse-Kajakfahrer mehr bin, sondern vielleicht nur noch in der zweiten Liga. Also spezialisiere ich mich noch mehr auf das Filmen und bin glücklich dabei.

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