Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Löcher im Wegenetz

„Gesetzestreue Radfahrer sind in Gefahr“: Von Prutting nach Rosenheim radeln ist eine heikle Sache

Solche brenzligen Situationen erleben Pruttinger Jakob Kern immer wieder. Auf dem Weg von Prutting nach Bamham überholen ihn Autos. An dieser Stelle darf er nicht auf dem Fußgängerweg (links im Bild) fahren.
+
Solche brenzligen Situationen erlebt der Pruttinger Jakob Kern immer wieder. Auf dem Weg von Prutting nach Bamham überholen ihn Autos. An dieser Stelle darf er nicht auf dem Fußgängerweg (links im Bild) fahren.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
    schließen

Schmale Wege, Fahrverbote, Stolperstellen: Mit den Radwegen auf der Strecke Prutting-Rosenheim ist Jakob Kern aus Prutting alles andere als zufrieden. Heimische Politiker wollen jetzt handeln. Eine Radtour von Kerns Heimatdorf in Richtung Stadt zeigt die Problemstellen auf.

Prutting  Jakob Kern ist einer, der gerne lacht und auch mal einen trockenen Witz reißt. Aber wenn es um sichere Radwege geht, dann versteht der pensionierte Lehrer keinen Spaß. Er fährt fast jeden Tag mit dem Fahrrad. Jedenfalls wenn es nicht regnet, sagt er und grinst. Eine seiner Stammstrecken ist die von seinem Wohnort Prutting nach Rosenheim.

Die Probleme beginnen für Kern schon auf dem Weg vom Dorfzentrum in Richtung Ortsausfahrt. Radler müssen hier auf der linken Seite auf einem schmalen Feldweg fahren, der mit Schlaglöchern und erhöhten Gullideckeln gespickt ist.

Neue Konzepte sind geplant

Am Ende des Weges, gleich neben dem Bolzplatz, bleibt Kern stehen. Jetzt muss er die Staatsstraße überqueren. „Hier schießen die Autofahrer manchmal regelrecht um die Ecke“, schimpft er. „Viele fahren schneller als die 60 km/h, die erlaubt sind.“

Jakob Kern fährt oft und gerne Fahrrad. Die Radwege in der Gegend um Prutting hält er für nicht sicher.

Kern wechselt die Straßenseite. Auf dem Weg, der zum Pruttinger Ortsteil Bamham führt, kann er nicht fahren. Hier sind nur Fußgänger zugelassen. Er muss die Straße nehmen. Autos fahren links an ihm vorbei, während er den kleinen Berg hochradelt. Kern behindere die Autofahrer und bringe sich gleichzeitig selbst in Gefahr, weil diese ihn überholten. Für ihn ein nicht tragbarer Zustand.

Lesen Sie auch: Pop-Up Biergarten in Prutting war ein voller Erfolg – Christkindlmarkt ist geplant (Plus-Artikel OVB-Online)

Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß (CSU) weiß um die Probleme. „Um unsere Fahrradwege steht es nicht besonders gut. Beziehungsweise sind sie oft nicht vorhanden“, sagt er. Thusbaß will das ändern. Die Verwaltung sei bereits dabei, Konzepte für Radwege in mehreren Teilen der Gemeinde zu planen – zum Beispiel vom Dorfzentrum nach Haidbichl am Hofstätter See entlang. So kämen die Menschen auch auf diesem Weg sicher Richtung Rosenheim.

Als gesetzestreuer Radfahrer bringt man sich in und um Prutting herum oft in Gefahr.

Jakob Kern

Auch auf der Strecke vom Pruttinger Kreisverkehr in Richtung des Söchtenauer Ortsteils Rins sowie den Pruttinger Ortsteilen Reischach und Bamham sollen gut ausgebaute Wege entstehen. Das Ziel: Gemeindeübergreifende Fahrradstraßen. „Damit man zum Beispiel von Prutting nach Halfing durchfahren kann“, sagt Thusbaß.

Förderungen für Radwege

Einen konkreten Zeitplan gebe es jedoch nicht. Die Verwaltung ist laut dem Bürgermeister dabei, Fördermöglichkeiten durch den Staat zu eruieren. Herausfordernd sei bei dem Projekt auch, dass die für Radwege infrage kommenden Grundstücke nicht immer Eigentum der Kommune seien.

An dieser Stelle beim Pruttinger Ortsteil Ried endet der Radweg und Kern muss auf die Staatsstraße wechseln.

Für Jakob Kern geht es auf seinem Weg nach Rosenheim weiter auf dem Radweg, der an den Pruttinger Ortsteilen Wolkering und Sonnen neben der Staatsstraße auf der rechten Seite entlangführt. Der Weg endet bei den ersten Häusern im Weiler Ried. Dort geht er in einen Fußgängerweg über.

Auch für Sie: Er war Doktor rund um die Uhr: Pruttinger Landarzt Ahmed Nour-El-Din ist tot (Plus-Artikel OVB-Online)

Kern müsste hier entweder auf den Radweg auf der anderen Straßenseite wechseln („Bei hoher Verkehrsdichte eine brenzlige Situation“) oder auf der Staatsstraße weiterfahren – in einer unübersichtlichen Kurve. „Als gesetzestreuer Radfahrer bringt man sich in und um Prutting herum oft in Gefahr.“ Seine Forderung ist klar: Bessere, breitere und sicherere Radwege auf der Strecke Prutting-Rosenheim – nicht nur für die Einheimischen, sondern auch für die vielen Touristen in der Region.

Für die Gesundheit und das Klima

Damit es für Fahrradfahrer einen Ansprechpartner gibt, hat die Gemeinde Prutting einen Posten für einen Fahrradbeauftragten geschaffen. Dr. Markus Reheis ist Rad-Fan. Fünf Stück habe er daheim in der Garage stehen, erzählt er: „Radfahren ist das Beste, das man für die Gesundheit und die Gemeinschaft machen kann.“ Er denkt dabei ans Klima und an die mit Autos verstopften Straßen.

Das könnte Sie auch interessieren: Buntes Leben im Dorfweiher: Im Pruttinger Mösl schwimmt von Aal bis Zander alles (Plus-Artikel OVB-Online)

Und weil er selbst so oft fährt, weiß er auch, dass die Wege „sicherer werden und wieder Freude machen müssen“. Reheis fordert, schon beim Bau von Verkehrsstraßen Radwege einzuplanen. Das werde oft vernachlässigt. Er sagt auch: „Die Planung hört an den Gemeindegrenzen nicht auf.“

Die Strecke der Radtour vom Pruttinger Zentrum in Richtung Rosenheim.

Das findet auch Jakob Kern. Egal, ob sich bei den Fahrradwegen in der Region in absehbarer Zeit etwas ändert oder nicht – eine Sache bleibt gleich: Kerns Vorsicht. „Ich fahre immer wachsam, weil ich weiß, dass gleich etwas passieren könnte.“

Mehr zum Thema

Kommentare