Prutting und das Ringen um das Trinkwasser

Der Hofstätter See und das angrenzende Burger Moos sind seit Jahrzehnten Schauplatz eines Streits zwischen den Stadtwerken Rosenheim, den Anliegergemeinden und der Schutzgemeinschaft Hofstätter /Rinser See, ob eine Grundwasserentnahme Schaden an der Natur anrichtet. Ammelburger

Der eigene Trinkwasserbrunnen bei Sonnen hat zwar noch keine Schutzzone, kann aber ab August Wasser liefern. So weit, so gut. In Prutting und Vogtareuth geht aber die Befürchtung um, die Stadtwerke Rosenheim wollen am Brunnen im Burger Moos Wasser fördern. Und damit womöglich Moos und Hofstätter See schädigen.

von Sylvia Hampel

Prutting – Hans Loy hatte ein erklärtes Ziel: Bevor er mit dem 30. April aus dem Bürgermeisteramt scheidet, wollte er das Schutzgebiet des neuen Pruttinger Brunnens in Sonnen gesichert haben. Das schafft er nicht mehr, hinterlässt das Verfahren seinem Nachfolger Johannes Thusbaß. Er hätte es gerne früher gehabt, so Loy, um mit den betroffenen Landwirten reden zu können, ihnen die Bedenken zu nehmen.

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Seit der vergangenen Woche werden die Rohre zwischen Brunnen und Hochbehälter verlegt, in einem Graben zwischen 1,3 und 1,4 Metern Tiefe und damit frostsicher. Parallel dazu werden Brunnenhaus und Technik gebaut. „Ein unabkehrbarer Weg“ sei eingeschlagen, so Loy. Bis Mitte Mai soll die Rohrleitung fertig sein, ab Anfang August das Pruttinger Trinkwasser vom neuen Brunnen kommen.

Schutzgebiet Sonnen ist auf dem Weg

Das Schutzgebiet sei mittlerweile in der Ausweisung. Da habe er, räumt Loy ein, dem Wasserwirtschaftsamt „etwas unrecht getan“, denn das sei zwar im Gespräch gewesen mit dem von der Gemeinde beauftragten Planer. Das Amt hatte aber noch keinen Plan vorliegen, auf dessen Grundlage eine Entscheidung getroffen werden konnte. Das sei nun so weit.

Der Brunnen bei Sonnen sei ergiebig genug, um gegebenenfalls die Gemeinde Vogtareuth mit anschließen zu können. „Des g‘langt“, so Loy trocken.

Vogtareuth sucht neuen Brunnen

Vogtareuth ist bei der Trinkwasserversorgung zweigeteilt. Beim Wasserbeschaffungsverband ist alles im Lot. Die gemeindliche Wasserversorgung hingegen braucht einen Ersatz für den Brunnen bei Zaisering. Rund 200 000 Kubikmeter soll der Brunnen pro Jahr liefern. Die Gemeinde fand diesen Ersatz in der Nähe von Ziellechen, am Waldesrand Richtung Hofstätter See.

Auf einmal ist Wasserentnahme der Stadtwerke Rosenheim wieder Thema

Und auf einmal tauchte sie wieder auf, die Entnahme von mehr als 1,5 Millionen Kubikmetern Wasser aus dem Brunnen im Burger Moos durch die Stadtwerke Rosenheim. Der Brunnen der Stadtwerke Rosenheim befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hofstätter Sees im südwestlichen Auslauf des Burger Moos‘, ein europaweit sehr seltenes und deswegen geschütztes Hoch- und Niedermoor. Und er ist nicht viel mehr als einen Steinwurf entfernt vom neuen Vogtareuther Brunnen.

Schutzgemeinschaft gibt es seit 20 Jahren

Dass die Stadtwerke Rosenheim dort bis zu 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr pumpen wollen, ist nicht neu. Die Schutzgemeinschaft gründete sich schon vor 20 Jahren, um den Widerstand zu bündeln. Heute wie damals mit dabei: Loy. Und der sagt „Wehret den Anfängen!“ Denn wenn in diesem Schutzgebiet erst einmal etwas kaputt sei, dann sei es „unwiderbringlich verloren“.

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Vor etwa zehn Jahren, so Loy, gab es erste Pumpversuche der Stadtwerke, bei denen das Wasser gleich wieder in den Boden gelassen wurde. Damals seien etwa 26 bis 28 Prozent Seewasser dabei gewesen, „das ist normal“, so Loy. Hofstätter See und Burger Moos passierte nichts, da das Wasser nicht dauerhaft entnommen wurde.

Zankapfel Grundwasser

Seit Jahrzehnten immer wieder Thema: Hängen Hofstätter See und Burger Moos am Grundwasserspiegel? Die Stadtwerke Rosenheim sagen schon immer „nein“ und verweisen unter anderem auf die unterschiedliche Zusammensetzung des Wassers. Die SHR, viele Bürger und etliche Kommunalpolitiker in Prutting und Vogtareuth sagen „ja“. Die Schlammschicht unter dem Hofstätter See reiche bis 27 Meter tief hinunter und damit in den Bereich des Grundwassers, so Loy dazu.

SHR: „Pumpversuch“ unbedingt verhindern

Laut Josef Lechner, Vorsitzender der SHR und Gemeinderat in Vogtareuth, sei seit 2003 bekannt, dass See und Grundwasserbereich verbunden seien und dass See und Moor vom Grundwasser gespeist werden. Die geplante Entnahme sei geeignet, die Seebasis zu beschädigen. Der „Pumpversuch“ müsse auf alle Fälle verhindert werden. Bei einer Veranstaltung in Prutting vor wenigen Wochen teilte Lechner mit, dass eine Anwaltskanzlei für Umweltrecht mit der juristischen Begleitung im Wasserrechtsverfahren am Hofstätter See beauftragt worden sei.

Stadtwerke brauchen Absicherung der Versorgung

Die Stadtwerke Rosenheim stellen ihre Wasserversorgung derzeit in Willing sicher. Was perfekt funktioniere, wie Geschäftsführer Dr. Götz Brühl auf Anfrage sagte. Probleme habe es in den letzten fünf bis sieben Jahrzehnten seines Wissens nach nicht gegeben. Dennoch bräuchten die Stadtwerke den Brunnen im Burger Moos als Absicherung.

Die räumliche Nähe des Stadtwerke-Brunnens und des neuen Vogtareuther Brunnens bedinge ein gemeinsames Schutzgebiet, so Brühl. Was angesichts des in Prutting und Vogtareuth emotional besetzten Themas keine leichte Aufgabe sei.

Das Landratsamt und die kleinen Wasserversorger

Wie emotional besetzt das Thema Wasserentnahme der Stadtwerke am Brunnen im Burger Moos ist, zeigt sich auch daran, dass aus den Reihen der SHR schon der Vorwurf kam, das Landratsamt (zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt zuständige Genehmigungsbehörde, Anm. d. Red.) wolle kleine Wasserversorger vom Markt haben. Die Anfrage der OVB-Heimatzeitungen beim Landratsamt verschlug dessen Sprecher Michael Fischer kurzfristig die Sprache. Seine Antwort nach Rücksprache mit der Fachabteilung des Amtes: „Die Kollegin hat herzhaft gelacht.“

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