Verdienter öffentlicher Dank

Bauleiter des Pruttinger Dorfstadls ausgezeichnet: Ludwig Weichselbaumer ist jetzt Ehrenbürger

Der Pruttinger Dorfstadl ist ein Gemeinschaftswerk aller Pruttinger und wäre doch ohne den Einsatz von Ludwig Weichselbaumer nicht möglich gewesen.
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Der Pruttinger Dorfstadl ist ein Gemeinschaftswerk aller Pruttinger und wäre doch ohne den Einsatz von Ludwig Weichselbaumer nicht möglich gewesen.
  • vonJohannes Thomae
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Eigentlich wollte er sich nur um die Arbeiten am Keller kümmern. Dann blieb Ludwig Weichselbaumer, teilte über 200 Pruttinger ein und lieferte selbst über 3000 Stunden ab. Dann war der Pruttinger Dorfstadl fertig und Weichselbaumer ging ein zweites Mal in Rente. Als Dank gab‘s die Ehrenbürgerwürde.

Prutting – Der Dorfstadl ist nicht nur ein Schmuckstück für die Gemeinde, er ist, obwohl am Ortsrand gelegen, auch ein ganz zentraler Ort: Nicht nur für Trachten- und Schützenverein, für Faschingsgilde wie auch die Theatergesellschaft ist er „Heimat“ sondern auch für fast alle sonstigen örtlichen Veranstaltungen. Selbst der Gemeinderat findet in den jetzigen Corona-Zeiten dort genügend Platz, um seine Sitzungen abhalten zu können.

Die Dorfgemeinschaft baute

Dabei ist der Dorfstadl das ureigene Werk der Pruttinger, denn der Bau, für den man einen historischen Stadl aus Heumühle bei Söchtenau umgesetzt hat, wurde allein von der Dorfgemeinschaft erstellt.

Eine Gemeinschaftsleistung, die nur deshalb möglich wurde, weil sich einer fand, der bereit war, für den gesamten Bau die Oberleitung zu übernehmen: Ludwig Weichselbaumer.

Eigentlich wollte er nur den Keller machen

Der ehemalige Maurerpolier, der bei Baubeginn im August 2007 schon 74 Jahre alt war, wollte eigentlich nur die Bauleitung für die Kellerarbeiten übernehmen. „Dann aber“, so erinnert er sich, „hat mich der Bau schon gehabt, zerst hab ich gesagt, ich bleib noch, bis der ganze Rohbau steht, schließlich aber hab ich ihn doch komplett fertig gemacht“.

18 000 Arbeitsstunden geleistet

Dreitausend von den insgesamt rund 18000 aufgewendeten Arbeitsstunden gehen allein auf sein Konto, von August 2007 bis zum November 2008 war er täglich auf der Baustelle, meist von früh bis spät. Und nach der Fertigstellung des Haupthauses kümmerte er sich noch um die Errichtung der ebenfalls historischen Nebengebäude.

Ein Mann, 150 000 Euro Arbeitsleistung

In Geldwert ist dieser Einsatz eigentlich nicht umzusetzen, versucht man es dennoch und setzt als Stundenlohn nur 50 Euro an – für den im realen Leben keine Bauleitung zu bekommen wäre – dann hat Ludwig Weichselbaumer für den Stadel 150 000 Euro aufgebracht.

Ehrenbürgerwürde als Dankeschön

Die Ehrenbürgerwürde, die ihm nun an seinem 87 Geburtstag verliehen wurde und mit der neben ihm nur noch Hans Stöttner ausgezeichnet ist, deshalb ein wirklich gerechtfertigtes Dankeschön der Dorfgemeinschaft an ihn.

Auch an den Sportheimen beteiligt

Zumal der Dorfstadel nicht der einzige Bau ist, den ihm die Pruttinger verdanken: Beim alten wie auch beim neuen Sportheim war er schon mitbeteiligt, beim Sportverein überdies fünfzehn Jahre lang Vorstand. Von daher wusste der „Arbeitskreis Dorfstadl“ sehr gut, beim wem man mit der Bauleitung am besten aufgehoben wäre.

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Denn Ludwig Weichselbaumer ist nicht nur jemand, der sein Handwerk perfekt beherrscht, sondern auch einer „ders ko mit de Leit“. Das ist schon in einem normalen Betrieb für einen Teamchef wichtig, viel wichtiger aber noch bei einem Bauvorhaben, das sich aus lauter Freiwilligen und deshalb lauter Individualisten mit einem eigenen Kopf zusammensetzt. „I hab halt gwusst, wer zammpasst, wen i zammdean ko“, sagt Ludwig Weichselbaumer heute und er wusste auch ganz genau und immer im Voraus, wann er welche Leute mit welchen Fähigkeiten auf der Baustelle brauchen würde.

Stress? Ach was!

Für ihn deshalb der ganze Bau zwar mit viel Zeit und Engagement verbunden, aber nicht mit nervenaufreibendem Stress. Nicht von der technischen Seite her, denn aus seiner Berufszeit her waren für Ludwig Weichselbaumer größere Bauten – Firmenanlagen, Geschäftshäuser – durchaus Alltag. Und auch vom Umgang mit seinen rund 210 Mitstreitern her nicht: „Man muss d‘ Leit blos megn“ sagt er dazu schlicht.

Ein „rundum tolles Team“ am Dorfstadl

Und beweist das schon dadurch, dass er im Gespräch immer wieder die Leistung aller Beteiligten hervorhebt. Man sei einfach ein rundum tolles Team gewesen und er bezieht darin ausdrücklich auch alle Frauen mit ein, die damals über ein ganzes Jahr hinweg die Baustellenmannschaft bekochten.

Wikkommener Service war Berechnung

Nicht nur ein willkommener Service, wie er heute augenzwinkernd gesteht, sondern auch Kalkül: Wäre man zum Mittagessen heimgegangen, wäre vielleicht doch der eine oder nach dem Essen nicht auf die Baustelle zurückgekehrt, sondern auf der Couch geblieben für ein Mittagsschläfchen...

Im Grunde gebührt ein Gutteil der Ehrenbürgerwürde auch ihr: Elisabeth Weichselbaumer hat durch ihr Verständnis und ihre Unterstützung den Einsatz ihres Mannes für den Dorfstadl erst möglich gemacht.

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