Prügelei auf Sportlerball: 21-jähriger Kiefersfeldener schlägt Polizisten ins Gesicht

Mindestens drei Faustschläge ins Gesicht erlitt ein Polizeiobermeister auf dem Sportlerball in Raubling von einem 21-jährigen Kiefersfeldener.
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Mindestens drei Faustschläge ins Gesicht erlitt ein Polizeiobermeister auf dem Sportlerball in Raubling von einem 21-jährigen Kiefersfeldener.
  • vonChrista Auer
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„So viel Blut an den Händen“, äußerte sich der 21-Jährige. Der Angeklagte zeigte sich entsetzt über seine Tat. Ein 20-jähriger Kiefersfeldener hat auf dem Sportlerball in Raubling einen Polizisten beleidigt. Ein Polizeiobermeister ging dazwischen. Und damit begann eine fatale Kettenreaktion.

Rosenheim – Wegen gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln verurteilte das Jugendschöffengericht Rosenheim einen 20-jährigen Kiefersfeldener zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung und einem dreiwöchigen Dauerarrest. Ein 21-jähriger Kiefersfeldener wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem zweiwöchigen Dauerarrest verurteilt. Der Grund: Auf dem Sportlerball in Raubling wurde ein Polizist verprügelt.

20-Jähriger beschimpft Polizisten

An diesem besagten Tag hatten die beiden Kiefersfeldener keinen guten Tag erwischt. Beim Aufeinandertreffen mit zwei Polizisten, die sich privat dort aufhielten, nahm das Unheil seinen Lauf. Denn beim Anblick des Polizeibeamten, mit dem der 20-Jährige erst kürzlich beruflich zu tun hatte, sah der mehrfach vorgeahndete junge Mann rot. Er beschimpfte den Gesetzeshüter mit „Scheiß Bullen“ und schubste ihn. Doch damit nicht genug. Wenig später kam es zu einem neuerlichen Zusammentreffen.

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Laut Anklage rempelte der 20-jährige den Polizisten an und schubste ihn mit beiden Armen. Dann holte er mit der Faust zum Schlag aus. Einen Treffer erzielte er nicht, weil er vom Kollegen des Polizeibeamten abgehalten wurde. Der Polizeiobermeister (POM) hielt den aufgebrachten Mann fest und zog ihn weg. Hätte diese Szene nicht den 21-jährigen Freund des Kiefersfeldeners auf den Plan gerufen, hätte die Angelegenheit wohl glimpflich ausgehen können. So aber kam es zu einer Kettenreaktion und einer Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht.

Schläger entschuldigt sich bei seinem Opfer

Der 21-Jährige schlug dem Polizisten mit den Fäusten mindestens dreimal ins Gesicht. Beim Versuch, weitere Schläge abzuwehren, kam es zu einem Gerangel, bei dem Polizist und Angreifer zu Boden gingen. Dabei wurden dem POM von einer unbekannten Person noch zwei Schläge gegen den Hinterkopf zugefügt. Der Geschädigte erlitt einen Nasenbeinbruch, starkes Nasenbluten und starke Schmerzen im Gesichtsbereich.

„So viel Blut an den Händen“, so der 21-Jährige. Auch Monate nach der Tat zeigte sich der Angeklagte noch entsetzt über die Tat. „Ich bin geschockt, dass es so weit gekommen ist.“ Kurz nach der Tat hatte er sich bei seinem Opfer entschuldigt und im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs 2500 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz für die zerstörte Brille vereinbart. Der Angeklagte räumte die Tat vollumfänglich ein und bedauerte „die unsinnige und übertriebene Aktion“.

Ein wenig benebelt – nach 8 Wodka-Red-Bull und 10 Bier

Er habe sich falsch verhalten, sagte der mehrfach Vorgeahndete. Er habe gesehen, dass sein Freund von einem Mann festgehalten wurde und habe ihm helfen wollen. Wohl auch weil er nach etwa acht Wodka Bull und zehn Bier ein wenig benebelt gewesen sei, habe er die Situation falsch eingeschätzt und völlig falsch reagiert. „Ich hab den Polizisten gesehen und mich provoziert gefühlt“, so der 20-Jährige. „Scheiß Bullen“ sei ihm im Affekt rausgerutscht, dann sei die Schubserei losgegangen.

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Von Seiten der Jugendgerichtshilfe wurde für beide Angeklagte eine Ahndung nach Jugendstrafrecht angeregt, weil es sich bei den Taten um Jugendverfehlungen handle und Reifeverzögerungen nicht auszuschließen seien. Für die Anklagevertretung war der Tatvorwurf durch die glaubhaften Zeugenaussagen zweifelsfrei bestätigt. Demnach sei der 20-Jährige nach der freundlichen Nachfrage des Polizisten, wie es denn so gehe, ausgerastet. Er habe mehrfach versucht, den Beamten zu schlagen, und die gefährlichen Schläge gegen dessen Kollegen nicht verhindert.

Angeklagter zeigt Reue und übernimmt Verantwortung

In einer zweiten Anklage musste sich der 20-Jährige wegen unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln verantworten. In Rosenheim wurde er kurz vor der Tat mit 3,36 Gramm Amphetaminen angetroffen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden knapp elf Gramm Marihuana aufgefunden. „Erst Drogen, dann Körperverletzung und eine enorm hohe Rückfallgeschwindigkeit, damit liegen schädliche Neigungen vor“, resümierte die Staatsanwältin. Sie erachtete eine Jugendstrafe von einem Jahr zur Bewährung als tat- und schuldangemessen. Zudem brauche es Suchtberatung und eine Abstinenzweisung.

Alles Weitere wurde ins Ermessen des Gerichts gestellt. Für den 21-Jährigen wurden zwei Freizeitarreste und ein FreD-Aggro-Kurs gefordert, weil die Anklagevertretung keine schädlichen Neigungen sah. Der Angeklagte habe seinem Kumpel helfen wollen, ohne die Vorgeschichte zu kennen und dabei eine falsche Entscheidung getroffen. In seinem Nachtatverhalten habe er jedoch Reue gezeigt und Verantwortung übernommen. Auch er habe Vorahndungen, doch das letzte Urteil sei von 2016.

Mittäterschaftliches Handeln liegt vor

Verteidiger Hans Sachse schloss sich den Ausführungen weitgehend an und plädierte für einen Freizeitarrest. Aus seiner Sicht handelte es sich um keine gefährliche Körperverletzung, weil kein bewusstes gemeinschaftliches Zusammenwirken stattgefunden habe. Die Auseinandersetzungen hätten sich getrennt voneinander abgespielt.

Verteidigerin Gabriele Sachse folgte dieser Argumentation. Der 20-Jährige habe sich nur der versuchten Körperverletzung schuldig gemacht und mit der Tat des 21-Jährigen nichts zu tun. Der Drogenbesitz wurde eingeräumt. Sachse plädierte dafür, die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung auszusetzen. Für das Schöffengericht war es aber eindeutig, dass ein mittäterschaftliches Handeln vorlag. Ein Mitwirken sei nicht notwendig, es reiche ein Fördern, sagte Richterin Verena Köstner in ihrer Urteilsbegründung. Der 21-Jährige habe den einen Polizisten aus dem Spiel genommen, so habe der 20-Jährige dessen Kollegen attackieren können. Die Taten seien deshalb beiden Angeklagten zuzurechnen.

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