Prof. Dr. Siebeck aus Bad Endorf wird 90: Die heimischen Seen haben ihm viel zu verdanken

Prof. Dr. Otto Siebeck war ein Pionier in der Gewässerkunde.
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Prof. Dr. Otto Siebeck war ein Pionier in der Gewässerkunde.

Er hat die Limnologie an der LMU aufgebaut und die Forschungsstation nach Seeon geholt: Am 3. September wird Prof. Dr. Otto Siebeck aus Bad Endorf 90 Jahre alt.

Bad Endorf – Der Experte für Gewässerkunde und Gründer der Limnologischen Forschungsstation in Seeon, Prof. Dr. Otto Siebeck, wird 90 Jahre alt.

Geboren und aufgewachsen in Heidelberg, studierte Siebeck nach dem Abitur zunächst an der dortigen Universität das Fach Biologie. Nach dem Vordiplom wechselte er an die Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU). Im Laufe seines Studiums entdeckte er sein Interesse an der Limnologie, einer wissenschaftlichen Disziplin, die Binnengewässer als Ökosysteme erforscht.

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Der Limnologie blieb er treu, sowohl bei seiner Dissertation an der biologischen Station Lunz der Österreichischen Akademie der Wissenschaft als auch bei seiner Habilitation an der Karl-Franzens-Universität Graz im Jahr 1966.

Nach einer Station in Würzburg lehrte und forschte Siebeck am Zoologischen Institut der LMU im Fachgebiet Ökologie. In der Limnologie war er ein Pionier und baute den Bereich dort mit auf. 1976 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Aufbau des Limnologischen Zentrums in Seeon

Seeon war schon lange sein Herzensziel gewesen, dort wollte er eine limnologische Forschungsstation aufbauen. 1970 war es soweit und die Dependance der LMU startete in einem ehemaligen Schulhaus.

An der Forschungsstation werden die umliegenden Seen aus der Perspektive verschiedener Wissenschaftszweige untersucht. Heute verfügt das Institut unter anderem über eine begehbare Klimakammer und große Planktonkultivatoren. Das Forschungsinstitut ist dabei nicht nur Fachleuten und Studenten vorbehalten, auch Schulklassen sind dort willkommen, um die Forschung vor Ort zu erleben.

Unter Siebecks Leitung wurden in Seeon vielfältige Untersuchungen über die optische Orientierung und die physiologische Auswirkung von UV-Strahlung am Zooplankton. Gemeint sind damit kleine Organismen im freien Wasser, die über besondere Möglichkeiten verfügen, sich zu orientieren. Welchen Einfluss darauf die Lichtverhältnisse haben, war Teil von Siebecks Forschung.

Zooplankton „bräunt“ sich manchmal

Außerdem befasste er sich mit der Wirkung von UV-B-Strahlung auf Zooplankton. Wegen des Ozonlochs befürchtete man, dass auch Zooplankton davon getroffen und geschädigt werde. Siebeck stellte fest, dass es Verhaltensmechanismen des Zooplanktons gibt, um das Licht abzuwehren: Etwa, in dem die Organismen in die Tiefe gehen oder „braun“ werden, nämlich einen Farbstoff ausschütten.

Doch nicht nur die heimischen Seen kennt Siebeck ganz genau. Forschungsaufenthalte führten ihn nach Äthiopien, Australien, Chile, in die Niederlande und nach Österreich. 1996 übergab Professor Siebeck die Leitung an seinen Nachfolger, den Limnologen Prof. Dr. Sebastian Diehl.

Verbund zweier Schutzgebiete

Dennoch ließen Siebeck die Gewässer nicht los. Dass die Naturschutzgebiete Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und die Seeoner Seen heute in einem Biotopverbund sind, ist Otto Siebeck zu verdanken. Er initiierte als Mitglied im Obersten Naturschutzbeirat des Bayerischen Umweltministeriums die Verbindung, um Arten zu schützen und fördern.

Im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft unterstütze er auch die praktische Umsetzung dieses Vorhabens ehrenamtlich. Für seinen unermüdlichen Einsatz zum Erhalt der Artenvielfalt erhielt Prof. Siebeck zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Umweltpreis der Bayerischen Landesstiftung und die Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt.

Seinen 90. Geburtstag verbringt Otto Siebeck mit seiner Ehefrau Waltraut. Das Paar hat drei Kinder und feierte 2018 Goldene Hochzeitstag.

hgy

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