Mit 16 Jahren dreht Florian Becker aus Brannenburg erste Runden allein im Segelflugzeug

Im Höhenflug: Florian Becker (16) aus Brannenburg möchte Segelflugpilot werden. Seinen ersten Alleinflug hat er bereits erfolgreich absolviert.
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Im Höhenflug: Florian Becker (16) aus Brannenburg möchte Segelflugpilot werden. Seinen ersten Alleinflug hat er bereits erfolgreich absolviert.
  • vonBarbara Forster
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Er sei einmal mitgeflogen und von da an „total begeistert“ gewesen: Florian Becker (16) liebt Segelflugzeuge. Und vor allem ist er stolz, sie von nun an selbst steuern zu können. Ende Mai hat er seinen ersten Alleinflug gestartet. Zweieinhalb Jahre habe er sich auf diesen Moment vorbereitet.

Brannenburg – Ob er nervös war? Im ersten Moment schon, gibt der 16-Jährige zu. Das Besondere am Alleinflug: Die Fluglehrer sitzen nicht mehr mit im Flugzeug. Sie bleiben am Flugplatz und müssen im Zweifelsfall per Funk genaue Anweisungen geben, wie der Flugschüler wieder sicher am Boden landet. Drei Platzrunden musste Florian Becker drehen.

Brennnessel-Strauß nach dem Flug

Und wie der 16-Jährige berichtet: Es habe alles geklappt. Als Dank habe er von den Fluglehrern einen Brennnessel-Strauß sowie ein paar „Klapse“ auf den Hintern bekommen. „Durch das Pieksen der Brennnessel soll man Gefühl in die Hand bekommen“, erklärt der 16-Jährige den Brauch.

Fliegen nach Corona wieder möglich

Auch der Flugsportverein in Rosenheim wurde von der Corona-Pandemie nicht verschont: Der Flugplatz war für längere Zeit gesperrt. „Happy“ sei Florian Becker gewesen, als das Fliegen endlich wieder möglich war – wenn auch nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Sitzen zwei im Flugzeug, gilt Maskenpflicht

Derzeit dürfen nur Vereins-Mitglieder den Flugplatz betreten. Sobald man im Flugzeug zu zweit sei, herrsche Maskenpflicht, sagt Becker.

Dennoch verbringe er im Moment jede freie Minute am Flugplatz: „Aktuell findet das Pfingstferien-Fliegen statt.“ Vor ein paar Tagen habe er eine weitere Hürde geschafft und einen 30-minütigen Thermikflug absolviert. Dabei musste er mindestens 30 Minuten in der Luft sein und zugleich an Höhe gewinnen. Wie es ihm dabei erging? „Sehr gut“, sagt Becker. Anstatt der geforderten halben Stunde flog er gleich eineinhalb Stunden.

Schon als kleines Kind am Flughafen

Interessiert habe ihn das Fliegen schon immer, sagt der 16-Jährige. Am Flughafen in München habe er als kleines Kind schon immer die Flieger starten und landen gesehen. „Das hat mich total fasziniert“, so Becker. Schnell stand fest, dass er, sobald es möglich sei, dem Flugsportverein in Rosenheim beitreten werde.

Mindestalter: 14 Jahre

14 Jahre alt müsse man sein. Als er das besagte Alter erreicht hatte, habe er mit seinem Vater einen „Schnuppertermin“ beim Flugsportverein vereinbart. Und dieses Schnupperfliegen habe ihn „total gepackt“.

Eine Woche später habe er seine Mitgliedschaft beantragt und eingereicht. Seither fliegt er. Was ihm daran so gefällt: „Man schaltet da oben ab.

Viele neue Freunde gefunden

Die Probleme bleiben am Boden. Man genießt es einfach, in der Luft zu sein, und konzentriert sich nur auf das, was man gerade macht“, schildert er. Das Schöne am Flugsportverein sei auch, dass er dadurch viele neue Freunde gefunden habe. Derzeit gebe es mit ihm drei aktive Flugschüler, die ungefähr im selben Alter seien. „Ich verbringe jede freie Minute am Flugplatz. Ich möchte da gar nicht mehr weg“, so der 16-Jährige.

Durch die Fliegerei würden sich die jungen Leute charakterlich weiterentwickeln und Eigenverantwortung übernehmen, sagt Christian Bayerlein, Ausbildungsleiter beim Flugsportverein Rosenheim. Der Segelflugsport setze Verantwortungsbewusstsein voraus. „Da muss man schon überlegt vorgehen“, betont er.

Persönlichkeit wird geformt

„Durch das Segelfliegen wird die Persönlichkeit des Schülers geformt. Das motiviert mich auch in der Ausbildung.“ Auf seinen Flugschüler Florian sei der Ausbildungsleiter sehr stolz. Gerade in der heutigen Zeit sei es sehr ungewöhnlich, dass sich junge Leute wie er für den Segelflugsport interessieren.

Am 25. Juni wagt sich Florian Becker an die Theorieprüfung am Luftamt Südbayern in München.

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Das, so erklärt Bayerlein, sei der zweite Abschnitt der Segelpiloten-Ausbildung. Im nächsten Abschnitt werden die Schüler dann auf einen Streckenflug vorbereitet. Für die praktische Prüfung sei es Voraussetzung, dass die Schüler einen 50 Kilometer-Streckenflug sowie eine Außenlandung machen. Dann sei der Weg für die praktische Prüfung frei.

Sein Traum: Hubschrauberpilot

Der Traum des 16-Jährigen sei es, später einmal Hubschrauber-Pilot bei der Polizei zu werden. Derzeit besucht er die zehnte Klasse der Montessori-Schule in Rohrdorf. Danach möchte er auf die Fachober-Schule in Rosenheim gehen und dort sein Fachabitur zu machen.

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