Privater Rachefeldzug wegen einer Anzeige

Wegen eines Racheakts schickte das Schöffengericht eine jungen Bruckmühler ins Gefängnis.
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Wegen eines Racheakts schickte das Schöffengericht eine jungen Bruckmühler ins Gefängnis.

Das Jugendschöffengericht Rosenheim verurteilte einen 19-jährigen Bruckmühler wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Er hatte einem 24-jährigen Raublinger einen Faustschlag verpasst.

Rosenheim − Offenbar hatte der Bruckmühler noch eine Rechnung mit dem Raublinger offen. Der 19-Jährige war offenbar davon überzeugt, dass der 24-Jährige ihn angezeigt hat. In der Folge war der Angeklagte wegen Körperverletzung und Raub zu einer Jugendstrafe zur Bewährung verurteilt worden. Laut Anklage hat der 19-Jährige deshalb den Bruckmühler in einem Hinterhof abgepasst und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Geschädigte bestätigte den Tatvorwurf vor Gericht. Demnach sei er mit seinem Hund Gassi gegangen, als der Angeklagte in einem Hinterhof aufgetaucht sei. Dabei sei die Sprache wieder auf die Anzeige gekommen. Der Angeklagte sei gleich sehr aggressiv geworden und habe mit der Faust richtig durchgezogen. Durch den Schlag sei ihm ein Zahn abgebrochen und zudem habe er eine Unterkieferprellung erlitten, schilderte der Raublinger glaubhaft.

Keine Entschuldigung

Der Angeklagte hatte zum Tatvorwurf lange geschwiegen. In der Hauptverhandlung räumte er den Sachverhalt dann ohne weitere Erklärung ein. Eine Entschuldigung kam ihm dabei nicht über die Lippen. Dabei hätte ihm ein wenig Unrechtsbewusstsein letztlich auch im Hinblick auf das Strafmaß nicht geschadet. Zumal auch seine Bewährung bisher nicht ausgesprochen gut verlaufen ist. Laut Bewährungshilfe ist nämlich nicht erkennbar, dass der Angeklagte sein Leben ändern wolle. Er sei wieder einschlägig straffällig geworden und habe Bewährungsauflagen nicht erfüllt. Ein Drogenscreening habe wegen zu kurzer Haare nicht durchgeführt werden können. Eine Therapie habe er bisher abgelehnt.

„Form von Selbstjustiz“

Für die Anklagevertretung war die Tat auch ein grober Verstoß gegen die Rechtsordnung. Der Angeklagte habe den Geschädigten geschlagen, weil der eine Aussage gemacht habe. „Das ist eine Form von Selbstjustiz“ und das könne man nicht durchgehen lassen. Da auch keine Besserung in Sicht sei, forderte die Anklagevertretung eine Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung.

Verteidigerin Gabriele Sachse betonte, dass ihr Mandant die Tat bedauere. Unter Einbeziehung des Urteils vom November plädierte sie für eine Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Aus Sicht der Verteidigung war durchaus Raum für eine Vorbewährung, weil die bisherige Bewährung im Großen und Ganzen gut gelaufen sei. Aufgrund der Corona-Pandemie habe der Angeklagte noch nicht die Chance gehabt, das auferlegte Anti-Aggressionstraining zu absolvieren.

Gericht lehnt Bewährung ab

Für das Schöffengericht war eine neuerliche Strafaussetzung zur Bewährung keine Option. „Ein Rachefeldzug auf moralisch tiefster Stufe“, sagte Richter Wolfgang Fiedler. Der Angeklagte habe keine Einsicht und Reue gezeigt, was dem Gericht „sauer aufgestoßen“ sei. Der 19-Jährige habe bereits fünf Eintragungen ins Bundeszentralregister und er sei Bewährungsversager, deshalb sei der Vollzug der Jugendstrafe aus erzieherischen Gründen geboten.

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