Private Schulen Oberaudorf-Inntal: Wie Eltern und Lehrer die Corona-Krise meistern

Für Hannah (links), Daniel und Jonas (rechts) hat der Präsenzunterricht wieder begonnnen. Für Mutter Birgit (auf dem Schoß Nesthäkchen Simona) war der Unterricht mit ihren Kindern zuhause nicht nur herausfordernd, sondern auch bereichernd. privat

Langsam nimmt der Unterricht an den Schulen wieder Form an - auch bei den Privaten Schulen Oberaudorf-Inntal. Pädagogische Gesamtleiterin Rita Mechtl erklärt, wie der Schulstart verlaufen ist und Familie Wagner aus Kolbermoor schildert, warum der Hausunterricht „bereichernd“ war.

Von Barbara Forster

Niederaudorf – Seit etwa drei Wochen seien die Prüflinge wieder an der Schule, sagt Rita Mechtl, Pädagogische Gesamtleiterin der Privaten Schulen Oberaudorf-Inntal. Seit Montag, 11. Mai, seien die Neunt- und Achtklässler sowie die Viertklässler dazugekommen, und seit Montag, 18. Mai, auch die Erst- und Fünftklässler. Keine leichte Zeit, diese Corona-Zeit, gibt Mechtl zu: „Wir werden bis zum Schuljahresende drei Gruppen betreuen müssen.“

Unterricht zu Hause wird fortgeführt

Neben den Schülern, für die der reguläre Unterricht wieder begonnen hat, habe es schon von Anfang an eine Notbetreuungs-Gruppe für Kinder gegeben, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Zudem werde der Haus-Unterricht weiter fortgeführt.

Birgit Wagner aus Kolbermoor, Mutter von vier Kindern, hielt in den vergangenen Wochen zuhause die Stellung. Drei ihrer Kinder sind Schüler der Privaten Schulen Oberaudorf-Inntal: Hannah (12), Daniel (10) und Jonas (7). Und während der Corona-Krise waren sie alle zuhause. Eine Herausforderung? Ja, sagt die Mutter. Aber insgesamt beschreibe sie diese Zeit als „entschleunigend“ und „bereichernd“: Keine Termine und kein Zeitdruck morgens: „Ich habe das auch genossen.“

Eine Struktur musste trotzdem her. Dass die schulischen Pflichten vernachlässigt werden, ließ Birgit Wagner nicht zu: Spätestens um halb zehn hätten sich alle Kinder am Tisch versammelt. Und dann hieß es Hausaufgaben machen. „Ich glaube, ich war strenger als die Lehrer“, gibt Wagner lachend zu.

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Individuelles Lernen. Das sei der Ansatz der Privaten Schulen Oberaudorf-Inntal. „Wir haben zu 100 Prozent versucht, unser Schulkonzept auch zuhause umzusetzen“, sagt Rita Mechtl. Deshalb haben die Lehrkräfte in den vergangenen Wochen die Lerninhalte täglich für jedes Kind angepasst. Hochgeladen wurden Erklär-Videos und Arbeitsblätter auf die sogenannte Klassenhomepage. Darüber hinaus gab es therapeutische und psychologische Förderangebote. „Die wurden auch angenommen“, sagt Mechtl. Täglich wurden auch viele Telefonate geführt. Mechtl, selbst auch Mathelehrerin, habe mit jedem Kind einzeln die Haussaufgaben besprochen. Teilweise sei sie über eine Stunde am Telefon gewesen. Auch während der Krise für die Kinder da zu sein – das sei den Privaten Schulen Oberaudorf –Inntal wichtig gewesen.

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„Wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt“, so das Feedback von Birgit Wagner. Eines ihrer Kinder, Hannah, ist gehörlos und sitzt im Rollstuhl. Zu Beginn des Hausunterrichts habe die Mutter von den Lehrern eine spezielle Einführung bekommen. Täglich sei sie per E-Mail oder Telefon in Kontakt mit ihnen gestanden, auch Unterlagen wurden versendet. „Wir wurden recht gut versorgt.“

Weggebrochen sei hingegen der geregelte Bewegungsablauf für Hannah. Deshalb habe Birgit Wagner auch zuhause eine Routine eingeführt: Radfahren.

Darauf hätte sich Hannah immer am meisten gefreut, erklärt Birgit Wagner. Jeden Tag wurde geradelt – „bei jedem Wetter“. Im Anschluss folgten häusliche Arbeiten wie Kochen oder Putzen. Auch um den kleinsten Nachwuchs – die zweijährige Simona – musste sich Birgit Wagner währenddessen noch kümmern. Manchmal hätte man sich schon dreiteilen können, gesteht die vierfache Mama. Aber ihre Familie täglich um sich zu haben, das sei schon „toll“ gewesen.

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Den Kindern musste sie zunächst einmal den Ernst der Corona-Lage erklären. „Hannah weiß, dass gewisse Dinge jetzt nicht gehen“, sagt Birgit Wagner. Zum Beispiel kein Besuch von Freunden und auch kein Reitunterricht. „Es gibt eine Gebärde für Corona.“ So konnte sie Hannah verständlich machen, dass es sich dabei um eine Krankheit handelt. Gesichtsmasken zu tragen sei für die Zwölfjährige kein Problem: „Sie fordert ihn morgens sogar ein“, erzählt Birgit Wagner lachend.

Mittlerweile seien Hannah, Daniel und Jonas wieder an der Schule. Vor allem der siebenjährige Jonas habe sich sehr darüber gefreut, erzählt die Mutter. Langsam habe ihm der Bezug zur Schule gefehlt, er wollte seine Freunde wiedersehen.

Für den Schulstart mussten die Klassenzimmer den Vorgaben entsprechend umgeräumt werden, schildert Rita Mechtl: Einzeltische mit je 1,50 Meter Sicherheitsabstand zum Nachbarstisch. Während des Unterrichts dürften die Kinder ihre Masken abnehmen, auf den Gängen und in Pausensituationen herrsche hingegen Maskenpflicht. Pro Klasse dürfen es nicht mehr als 15 Kinder sein. Spätestens ab dem 16. Kind wird zum Rollieren angefangen, erklärt Mechtl: Das bedeutet, dass die Klasse gesplittet werde und die Kinder dann abwechselnd wochenweise Hausunterricht und Präsenzunterricht bekommen. Schwierig gestalte sich zudem die Unterbringung von Rollstuhlkindern. „Kinder mit motorischem Handycap brauchen noch mehr Platz“, sagt Mechtl. Spätestens nach den Pfingstferien seien wieder alle Klassen an den Privatschulen Oberaudorf-Inntal vertreten - aber mit rollierendem Rhythmus.

Stolz auf das Schulteam

„Die Corona-Zeit war sehr anstrengend“, sagt Rita Mechtl. Besonders schwierig sei die Planung gewesen, da die Vorgaben des Ministeriums immer sehr spät gekommen seien. Oftmals wurden erst am Freitag die Bedingungen für die kommende Woche bekannt gegeben. So sei die Lehrerschaft gezwungen gewesen, die Sachen „unprofessionell“ anzugehen. „Das hätte sicherlich auch anders laufen können“, ist sich Mechtl sicher. Geschäftsführerin Bettina Brühl ist stolz auf ihre Mitarbeiter: Trotz der Schwierigkeiten habe das Schulteam all das „sehr gut und mit großem Engagement“ gemeistert.

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