Preisverdächtiges Wohnprojekt: Seniorenwohnen in Schechen

Bürgermeister Hans Holzmeier führte bei der Einweihung die Gäste über das Gelände der Modest-Mitterhuber-Wohnanlage. Heinz

Architekturpreise gehen immer in die Großstädte? Nein, nicht unbedingt. Es gab schon Preisträger aus der Region. Und es könnte bald wieder einen geben: die Modest-Mitterhuber-Seniorenwohnanlage in Schechen, einem Dorf mit knapp 5000 Einwohnern.

Schechen – Das Modest-Mitterhuber-Seniorenwohnen kommt nicht nur in der Gemeinde gut an. Jetzt gibt es Anerkennung sogar aus Berlin: Als eines von 33 Projekten wurden es für den Deutschen Bauherrenpreis 2020 nominiert.

Der geförderte soziale Wohnungsbau in der Marienberger Straße ist im Mai feierlich eingeweiht worden. Auf einem 4000 Quadratmeter großen Grundstück sind dort 16 barrierefreie, altersgerechte Wohnungen mit Balkonen oder Terrassen entstanden. Außerdem gibt es einen Gemeinschaftsraum, der von allen Schechenern genutzt werden kann, Laubengänge und Freiflächen als soziale Treffpunkte. Die Wohnanlage ist kein klassisches „Betreutes Wohnen“. Rat und die Vermittlung von Hilfe gibt es aber über das ehrenamtlich betriebene Seniorenbüro.

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Guter Mix bei den Mietern gewünscht

Vergeben werden die Wohnungen über ein Punktesystem. Bevorzugt werden ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung. Vorrangig behandelt werden außerdem Personen aus dem Gemeindebereich oder mit Angehörigen in Schechen. Bei der Vergabe wird zudem auf einen Mix unterschiedlicher Einkommensschichten geachtet. Aktuell sind alle Einheiten vermietet.

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Ein Blockheizkraftwerk im Keller wird mit Erdgas betrieben und versorgt die Anlage, aber auch einige Wohnhäuser der Gemeinde sowie das neue Seniorenheim am Bahnhof mit Wärme. Beim Bau wurde auf die Verwendung nachwachsender Rohstoffe geachtet.

Ein Geschenk machte es möglich

Eine weitere Besonderheit an dem Projekt: Es wurde erst möglich durch ein Geschenk. Der verstorbene Schechener Modest Mitterhuber, ein „Menschenfreund“, wie er von Angehörigen beschrieben wird, vermachte der Gemeinde als Bauherrin das Grundstück. Über eine Stiftung wurde der Kommune Erbbaurecht eingeräumt. Nach einem Architektenwettbewerb, den das Büro Deppisch aus Freising gewonnen hatte, erfolgte Ende März 2017 der Spatenstich.

Das größte Hochbauprojekt des Dorfes

Mit rund 4,4 Millionen Euro ist es das größte Hochbauprojekt, das Schechen je realisiert hat. 1,3 Millionen Euro Zuschuss und einen zinslosen Kredit über 1,5 Millionen Euro gab es vom Freistaat, weitere 33 000 Euro von der Sparkassenstiftung Zukunft des Landkreises für den Innenausbau sowie 36 000 Euro vom Zentrum Bayern Familie und Soziales für eine Demenzgruppe.

Dass hier in Zeiten von Wohnraummangel etwas Besonderes geschaffen wurde, das war spätestens bei der Einweihung klar. Der erste Erfolg in der „Vorrunde“ des Deutschen Bauherrenpreis zeigt nun, wie das Projekt auch über die Schechener Grenzen hinaus Beachtung findet. Die Idee, am Wettbewerb mitzumachen, hatten die Architekten des Büros Deppisch.

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Der wichtigste Preis beim Wohnbau

Der Deutsche Bauherrenpreis gilt als der wichtigste Preis im Bereich Wohnbau in Deutschland und wird vom Bund deutscher Architekten, dem Deutschen Städtetag und dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen ausgelobt. Gegründet wurde der Wettbewerb von der Arbeitsgruppe „Kooperation GdW-BDA-DST“ zur Unterstützung positiver Lösungsansätze im Wohnungsbau im Jahr 1986. „Die Auslober verfolgen die Absicht, auch und vor allem Projekte mit experimentellem Charakter, in denen Gewohntes und Herkömmliches, aber auch Normen und Vorschriften in Frage gestellt worden sind“, heißt es in den Auslobungsunterlagen.

Gesellschaftliche Verantwortung beim Wohnungsbau

Gesellschaftliche Verantwortung und Bewusstsein für die Qualität von Lebensräumen müssten demnach im Wohnungsbau das Ziel aller Beteiligten bleiben. Die Projekte werden zum Beispiel nach ihrer Wirtschaftlichkeit, Architektur, ihrem städtebaulichen Kontext, der Energieeffizienz und dem sozialen Anspruch beurteilt.

Gute Chancen für das Seniorenwohnen. „Sicherlich ist das Projekt in erster Linie von der Optik der Architektur einzigartig“, betonte Bürgermeister Hans Holzmeier. In der Gestaltung unterscheide sich das Bauwerk vom herkömmlichen „Einheitsbrei“. Einzigartig sei aber auch die Art der Nutzung. „Die Bewohner leben nicht allein, sondern in der Mitte des Ortes“, so der Bürgermeister. Man unterstütze sich gegenseitig, bekomme auch Hilfe von außen.

Der Bürgermeister fährt nach Berlin

In einem Schreiben vom Deutschen Städtetag wurde Holzmeier nicht nur über den ersten Erfolg informiert. Er wurde auch zur Preisverleihung im Februar 2020 nach Berlin eingeladen, wo die Preisträger bekannt gegeben werden. Mit „ziemlicher Sicherheit“ werde er hinfahren, vielleicht in Begleitung der Architekten, so der Bürgermeister.

Von den 33 Nominierten können bis zu elf Projekte den Deutschen Bauherrenpreis erhalten. Für die Gewinner gibt es zwar kein Preisgeld. Wohl aber eine Urkunde sowie eine Bronze-Plakette zum Anbringen am Gebäude. Und natürlich Ruhm, Ehre und deutschlandweite Anerkennung – vielleicht auch für das innovative Wohnprojekt in Schechen.

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