Prägendes Erlebnis: Ein Stephanskirchener im Neoprenanzug durch den Königssee

Berg voraus: Im Königssee im Nationalpark Berchtesgaden schwimmt Dr. Hermann Spensberger vor traumhafter Kulisse. Da dürften die acht Kilometer zum anderen Ufer nicht allzu schwer gefallen sein. Privat
  • vonAlexandra Schöne
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Hermann Spensberger (59) aus Stephanskrichen ist im normalen Leben Anästhesist in der Schön Klinik Vogtareuth. Jetzt schwamm er durch den acht Kilometer langen Königssee. Über kristallklares Wasser und Steinschläge.

Stephanskirchen/Königssee – Kristallklares Wasser, blauer Himmel, massive Bergrücken, die Schatten spenden: Was nach einem Vorspann in einer bayerischen Fernsehtelenovela klingt, ist am Königssee im Nationalpark Berchtesgaden Realität. Die se hat Dr. Hermann Spensberger hautnah erlebt. Der 59-Jährige ist Anästhesist und leidenschaftlicher Freiwasserschwimmer. Im Neoprenanzug hat er bei 17 Grad Wassertemperatur den Königssee durchquert und damit ein Herzensprojekt verwirklicht.

Schiffsrouten und Gefahren analysieren

„Es ist nicht unbedingt notwendig, in ferne Länder zu reisen, um atemberaubende Eindrücke zu sammeln“, sagt Spensberger über sein Erlebnis am Königssee. Die Schönheit der Natur dort hat in ihm hörbar Begeisterung ausgelöst. Im Vorfeld des Schwimmprojekts war einiges an Vorbereitung nötig, wie er berichtet. Spensberger fuhr bereits einen Tag vorher zum See, analysierte Schiffsrouten und Gefahrenpunkte. Er musste bedenken, dass es an den Bergwänden immer wieder zu Steinschlägen kommt.

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Wegen der Kühle sei außerdem ein Neoprenanzug Pflichtprogramm gewesen. Doch Spensberger ist das Schwimmen bei Kälte eigentlich schon seit seiner Kindheit gewöhnt. Er kommt eigentlich aus dem Beckenschwimmen, war als Kind seit dem zwölften Lebensjahr im Schwimmverein beim TSV Rosenheim. „Ich habe noch die Zeit erlebt, in der das Rosenheimer Freibad unbeheizt war“, erzählt er.

Stadtmeister und oberbayerischer Meister

Spensberger war mehrfacher Stadtmeister und oberbayerischer Meister. Er schwamm auf bayerischen Meisterschaften auf vordere Plätze und war der vierte Rosenheimer, der die 100 Meter Freistil in unter einer Minute bewältigte.

Nach dem Studium beendete er seine Karriere im Verein und wandte sich dem Freiwasserschwimmen zu. Dabei schätzt er den intensiven Bezug zu den Naturelementen, besonders zum Wasser. „Ich kann nebenbei über vieles nachdenken“, sagt er. „Das ist wie Yoga oder Mediation.“

Früher war Spensberger Sprinter und auf Kurzstrecken spezialisiert. Im Freiwasser widmet er sich den langen Strecken. Auf die Frage, wie man also vom Sprinter zum Langstreckler wird, lacht Spensberger. Am Alter liege das, sagt er. Mit zunehmend mehr Jahren auf dem Schwimmerrücken tendiere er in Richtung Kraftausdauer anstatt Schnellkraft. Und Kraftausdauer braucht man auf der acht Kilometer langen Strecke durch den Königssee allemal.

Route entlang des östlichen Seeufers

Spensberger wählte die Route entlang des östlichen Seeufers. „Sie hat sich als absolut sicher erwiesen“, bestätigt er. In der Gepäckboje, die er um den Bauch geschnallt hatte, transportierte er Verpflegung, Wechselkleidung und eine Kamera. Flüssigkeit musste er nicht extra mitnehmen. Denn: Das Wasser des Königssees hat Trinkwasserqualität, sagt er. Außerdem diente die Boje als zusätzliches Signal für den Schiffverkehr.

Boje mit Verpflegung und Warnfunktion hin oder her: Schwimmen im Freiwasser ist und bleibt ein Risiko. Vor allem, wenn man ohne Beiboot unterwegs ist. Das ist auch Spensberger bewusst. Er hatte Respekt vor dem Königssee, hat generell immer Achtung vor dem Schwimmen in Gewässern. Beeindruckt habe ihn das klare Wasser des Königssees. „Das war ein komisches Gefühl. Im Uferbereich kann man bis zu zehn Meter tief sehen“, schwärmt der „Seensammler“ aus Stephanskirchen.

Sorge um den Simssee

In seinem üblichen Heimatrevier, dem Simssee, ist das Wasser bei Weitem nicht so klar. Hier gibt es auch ein Problem, das ihm „in der Seele weh tut“. Der See scheint Spensberger durch landwirtschaftlichen Eintrag sehr verunreinigt zu sein. Ein Indiz hierfür sei das Anschwellen der Schleimhaut zum Beispiel in der Nase. In anderen Gewässern gebe es das nicht. „Hier muss unbedingt etwas geschehen“, betont er.

So viel steht fest: Der Königssee wird bald wieder Besuch von Hermann Spensberger erhalten. Dann wird er aber vermutlich nicht allein sein, sondern mit Schwimm-Freund Stefan Schöne. Zu zweit schwimmt es sich einfach besser.

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