Polizeibeamten umgefahren: Biker muss Schmerzensgeld zahlen

Vom Landgericht Traunstein wurde ein Motorradfahrer dazu verurteilt, einem Polizeibeamten Schmerzensgeld in Höhe von 2150 Euro zu zahlen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung hatte den Biker im selben Fall bereits das Amtsgericht Rosenheim verurteilt.
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Vom Landgericht Traunstein wurde ein Motorradfahrer dazu verurteilt, einem Polizeibeamten Schmerzensgeld in Höhe von 2150 Euro zu zahlen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung hatte den Biker im selben Fall bereits das Amtsgericht Rosenheim verurteilt.

Zu schnell und ohne Lappen in die Verkehrskontrolle geraten und dann auch noch einen Polizisten umfahren. Keine gute Idee. Dieses Verhalten trug dem Biker jetzt erhebliche Konsequenzen ein – nicht nur im Verkehrsregister.

Traunstein/Rohrdorf –- Das Amtsgericht Rosenheim verurteilte den Motorradfahrer bereits wegen fahrlässiger Körperverletzung und Fahrens ohne Führerschein zu einer Geldstrafe. Das Landgericht Traunstein sprach dem Polizisten zudem Schadensersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 2 150 Euro nebst Zinsen zu. Der Vergleich wurde kürzlich rechtskräftig.

Schock und schwere Verletzungen

Der Beamte in beiger Uniform und mit weißer Schirmkappe nahm mit einem Kollegen auf der Kreisstraße RO 26 im Gemeindegebiet von Rohrdorf am 26. September 2017 eine Kontrolle vor. Die erlaubte Geschwindigkeit auf der Straße Richtung Achenmühle war in dem Abschnitt auf 60 begrenzt. Der Suzuki-Fahrer mit Sozia passierte die Messstelle mit Tempo 91, wie das Handlasergerät der Polizei anzeigte.

Vom Gas gegangen, aber Kurs gehalten

Der spätere Kläger trat auf die Fahrbahn und winkte aus circa 150 Meter Entfernung mit der Anhaltekelle. Der Zweiradlenker reduzierte zwar seine Geschwindigkeit auf etwa Tempo 60, hieß es vor Gericht, fuhr jedoch nicht an den Straßenrand, sondern blieb auf seinem Kurs – direkt auf den Mann in der Fahrbahnmitte zu. Dabei touchierte das Fahrzeug den Polizeibeamten.

Schock, Prellungen,Risswunden, Schmerzen

Dieser wurde zu Boden gerissen, stürzte mit dem Gesicht nach unten auf den Asphalt und verletzte sich erheblich. Er erlitt, so die Auskunft vor Gericht, neben einem Schock Prellungen am Rumpf und an einem Bein, eine Schulterverletzung, Risswunden an beiden Beinen und Schmerzen über längere Zeit.

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Seine Uniform war ruiniert. Bis Mitte Oktober 2017 war er arbeitsunfähig und konnte bis Anfang November 2017 lediglich Innendienst versehen. Bis heute hat er nach eigener Aussage Beschwerden infolge einer Narbe.

Die Sozia kümmerte sich

Der Suzuki-Lenker hatte damals kurz hinter der Unfallstelle angehalten und sich bei dem Polizeibeamten entschuldigt mit den Worten, er habe ihn nicht gesehen. Die Mitfahrerin kümmerte sich um den Verletzten, bis ein Rettungswagen eintraf und ihn ins Klinikum Rosenheim brachte.

Anliegerin als Augenzeugin

Eine Anliegerin konnte als Augenzeugin des Unfalls bei der Aufklärung des Unfallgeschehens helfen.

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Die Staatsanwaltschaft Traunstein leitete damals strafrechtliche Ermittlungen gegen den Biker ein. Der Polizeibeamte mit Rechtsanwalt Dr. Markus Frank aus Rosenheim zur Seite erhob Zivilklage gegen den Kradfahrer beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherung.

Kein Mitverschulden des Beamten

In der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Traunstein war Thema, ob der Beklagte die gefährliche Situation erkannt hat oder hätte erkennen müssen. Weiter ging es zum Beispiel um den Sonnenstand an jenem Tag mit leicht bewölktem Himmel und eine Blendwirkung für den Unfallverursacher – die letztlich ausgeschlossen werden konnte.

Den falschen Führerschein zu Hause liegen

Der Beklagte besaß zur Zeit des Unfalls zwar, auch wenn er ihn nicht mit sich führte, einen Motorradführerschein. Doch hätte er damit nur Kleinkrafträder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und einem Hubraum von 50 Kubikzentimeter fahren dürfen, nicht aber die Suzuki mit 200 km/h Höchstgeschwindigkeit und 645 Kubikzentimeter Hubraum.

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Eine andere zentrale Frage galt dem eventuellen Mitverschulden des Polizisten. Dazu Klägeranwalt Dr. Markus Frank gegenüber unserer Zeitung: „In der mündlichen Verhandlung wurde dargelegt, dass für ein Mitverschulden meines Mandanten kein Raum besteht.“

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