Mit politischem Doppelherz

Landtagspräsidentin Barbara Stamm (hier im Gespräch mit Eveline Rösner und Trissl-Talk-Moderator Rudolf Erhard) zeigte sich vom Rundgang durch die Klinik Bad Trissl ebenso wie der "dreifache Ministerpräsident" Wolfgang Krebs (Zweiter von links) begeistert. Klinikbetreiber Peter Rösner (links) unterstrich den Therapiecharakter der Talkshow. Foto gruber
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Landtagspräsidentin Barbara Stamm (hier im Gespräch mit Eveline Rösner und Trissl-Talk-Moderator Rudolf Erhard) zeigte sich vom Rundgang durch die Klinik Bad Trissl ebenso wie der "dreifache Ministerpräsident" Wolfgang Krebs (Zweiter von links) begeistert. Klinikbetreiber Peter Rösner (links) unterstrich den Therapiecharakter der Talkshow. Foto gruber

Fernsehjournalist Dieter Kronzucker bezeichnete sie als "einzige Talkshow gegen Langeweile", jetzt konnten Patienten, Prominente, Mediziner und Politiker eine erfolgreiche Neuauflage der Trissl-Talk-Show in der onkologischen Fachklinik in Oberaudorf erleben.

Oberaudorf - Die Präsidentin des bayerischen Landtags, Babara Stamm, und Wolfgang Krebs, bekannt als Double von Edmund Stoiber, Günther Beckstein und Horst Seehofer, knüpften an die "interessanteste, intimste und amüsanteste Talkshow des Landes", wie sie von Beobachtern vom Fach in der Vergangenheit oft genannt wurde, sozusagen als politisches Doppelherz an. Landtagskorrespondent Rudolf Erhard, selbst ein gebürtiger Oberaudorfer, fungierte als Moderator.

Schon Erhards Anfangsmoderation, dass die damalige Sozialministerin Barbara Stamm 2001 von Edmund Stoiber "im Rinderwahnsinn" entlassen worden sei, ließ ahnen, dass auf die über 300 Gäste wohl ein kurzweiliger Abend zukommen wird. Und tatsächlich gelang es Erhard, das Augenmerk nicht nur auf die Politikerin, sondern auch auf den Menschen Stamm zu lenken. Natürlich wurden die von Höhen und Tiefen geprägten politischen Stationen Stamms eingehend beleuchtet, Intimität entstand aber durch Fragen zur Rolle der Frauen in der Politik oder zum überbordenden Terminkalender politischer Granden.

Hier traf Erhard die Landtagspräsidentin, die bisweilen in den Medien auch als "emotionale Tante" bezeichnet wird, am Nerv. So erinnerte sich die dreifache Mutter - immer noch fassungslos - an eine Aussage eines CSU-Politikers, Frauen im gebärfähigen Alter hätten in der Politik nichts verloren. Inzwischen seien Politiker tatsächlich die Sklaven des Terminkalenders, förmlich "Getriebene im politischen Alltag", wie Stamm bedauerte. Kein Wunder also, dass keine Zeit fürs Zuhören bleibe.

Auch deshalb hätten die Wähler mehr und mehr ihr Urvertrauen in die Politik verloren. Messerscharf analysierte die Landtagspräsidentin die Stimmenverluste ihrer Partei: "Wir haben uns von Wahl zu Wahl von den Prozenten leiten lassen, aber nie mit der immer weniger werdenden Wahlbeteiligung beschäftigt." Stamm forderte deshalb nicht nur wieder ein Stück Bescheidenheit der Politiker ein, sondern auch den Abbau des zum Teil lähmenden Bürokratismus. Der Staat müsse auch Freiräume gewähren und wieder den Menschen vertrauen, die Sehnsucht nach Werten, nach Nähe, nach einem Miteinander hätten.

Als politisch hochinteressierter Mensch präsentierte sich der "dreifache Ministerpräsident" Wolfgang Krebs, wie ihn Rudolf Erhard bezeichnete. Krebs, der sogar schon für den Bundestag kandidierte, sieht sich selbst mit Blick auf seine politische Überzeugung als "einziger schwarzer Kabarettist". Erhard verwies auch auf die eher unbekannte Seite des Stimmenimitators: auf seine Kinderbücher. So ermöglichten etwa die sieben Einschlafmärchen in seinem Buch "Sternreisen" Entspannung - "eine Grundvoraussetzung für meine Arbeit". Und Entspannung hat Krebs sicher nötig, befindet er sich in seinem neuen Programm "Ja, wir kennan" doch im Dreiergespräch mit einem schäumenden EU-Entbürokratisierer Edmund Stoiber, einem Aldi-Schnäppchenjäger Günther Beckstein und einem Guttenberg-genervten Horst Seehofer.

Eine kleine Kostprobe dieser Dreierkonferenz rührte die Talkshow-Zuhörer zu Tränen - Lachtränen wohlgemerkt. "Das ist auch eine Therapieform für Krebspatienten, gehen doch Krankheit und seelische Grundstimmung Hand in Hand", wie Klinikbesitzer Peter Rösner unterstrich. ge

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