Pilzexperte aus der Region Rosenheim: Das müssen Sie bei der Schwammerlsuche beachten

Langsam füllt sich der Korb: Karlheinz Eberspächer zeigt seine Ausbeute.
+
Langsam füllt sich der Korb: Karlheinz Eberspächer zeigt seine Ausbeute.
  • vonAnna Hausmann
    schließen

Giftig oder nicht? Der Pilzsachverständige Karlheinz Eberspächer (76) aus Kolbermoor kennt sich aus in unseren Wäldern: Bei einem Spaziergang durchs Dickicht rund um die Moorstation Nicklheim bei Raubling teilt er seine Tipps für die Schwammerlsaison.

Raubling – Die Schwammerlsaison hat begonnen. Doch was muss man bei der Suche im Wald beachten? Karlheinz Eberspächer (76), der sich selbst als „Schwammerlexperte vom Inntal“ bezeichnet, liest in der Natur wie in einem Buch. Die OVB-Heimatzeitungen hat er mitgenommen auf eine Wanderung durch das Dickicht in der Moorstation Nicklheim.

Auf leisen Sohlen durch den Wald

Ein Vogel zwitschert. Unter den Schuhen gibt der moosige Boden nach, es riecht nach Harz. Ein Ast knackt. „Eigentlich muss man schleichen“, meint Eberspächer. Behutsam streicht er Zweige aus seinem Gesicht. Langsam streift er durch den Wald, den Blick fest auf den Boden geheftet. Da: ein kleiner gelbrötlicher Hut zwischen dem Moos.

Pilze rausdrehen, nicht reißen

Vorsichtig dreht der Kolbermoorer an dem Pilz, langsam löst sich dieser aus der Erde. Was er gerade macht, sei auch mit einem Messer möglich. Dann aber möglichst tief abschneiden, rät der Experte. Sonst verletze man den Hauptteil des Pilzes, das sogenannte Myzel. Eberspächer beäugt den Pilz in seiner Hand. Ein Filziger Milchling.

Die Nase ist entscheidend

Kurzes Riechen. Der Duft von Liebstöckel strömt in die Nase. Genau so, wie man ihn von einem Brühwürfel kennt. „Er wird nicht ohne Grund Maggipilz genannt“, erklärt der Schwammerlexperte und lacht. Er bricht ein Stück ab, wässrige Milch tritt aus dem Pilz heraus. Fein zerrieben sei er ein hervorragender Würzpilz. „Aber auf gar keinen Fall roh essen.“ Sonst könne der Pilz zu Durchfall und Erbrechen führen.

Wenn sich der Pilz nach oben stülpt, sei er schon zu alt. So auch dieser Ockertäubling.

Viele Pilze am Wegesrand

Es geht weiter durch den Wald, zurück auf den Weg. Durch das Blätterdach der Bäume gelange nicht genügend Wasser an den Boden. Anders auf den Wegen. Denn: Pilze lieben Feuchtigkeit, allen voran Maronen. Neben dem geschotterten Pfad sprießt ein Schwammerl nach dem anderen aus dem Boden. In seiner Hand dreht und wendet er einen kleinen orangenen Hut: ein Reizker. Ab in den Korb.

Weiterbildung in der Pilzschule

Der Kolbermoorer ist jeden Tag in den Wäldern unterwegs. „Es geht mir um das Jagdfieber.“ Mit 18 Jahren habe er sich einmal im Wald verirrt, fand stundenlang nicht mehr heraus. Sein Hunger war zu groß, er biss in einen Pilz. „Ich habe mir damals geschworen: Wenn ich das überlebe, lerne ich alles über Schwammerl.“ In einer Pilzschule im Schwarzwald ließ er sich zum Pilzsachverständigen ausbilden. Mittlerweile weiß er: Seine Mahlzeit damals war eine Marone, essbar. Das Erlebnis habe ihn geprägt. Seitdem hat er immer eine Pfeife mit dabei. Um gefunden zu werden.

Korb statt Plastiktüte

Langsam füllt sich der Korb des ehemaligen Krankenpflegers. Die goldene Regel beim Schwammerlsuchen: Niemals eine Plastiktüte verwenden. Sonst verderben die Pilze schneller, sagt der Experte.

Die beste Zeit ist der Vormittag

Statt Lamellen haben manche Pilzen Röhren.

Ein Schritt über einen Baumstamm, der von einem Fichtenporling – einem Baumschwamm – zersetzt wird. Eberspächer kennt die Wälder, die Eigenheiten der Natur. Über die Jahre habe er viel gelernt: Am besten nicht am Montag unterwegs sein, nach dem Wochenende seien die Wälder geradezu leer geräumt. Die beste Zeit für die Schwammerlsuche ist in der Früh. „Dann, wenn die Zecken und Stechmücken noch schlafen.“

Selbst giftige Pilze haben einen Nutzen für die Natur

Er greift nach dem nächsten Pilz: ein dickschaliger Kartoffelbovist. Vorsichtig bricht er ihn auf. Innen ist der Pilz tiefschwarz. Ob er schon mal einen giftigen Pilz erwischt hat? Er schüttelt den Kopf. Schwammerlsucher sollten aber die giftigen Pilze nicht zerstören: „Ohne Pilze würde der Wald ersticken.“

Für Nachfragen erreichbar

Sein Wissen teilt der Kolbermoorer übrigens gerne. Früher bot er Führungen durch den Wald an, mittlerweile lässt er es ein wenig ruhiger angehen. Und: Wer Fragen rund um Schwammerl hat, kann sich gerne bei ihm melden. Karlheinz Eberspächer ist unter Telefon 0 80 31/220 49 70 zu erreichen.

Verhalten bei einer Pilzvergiftung

Pilzsuchen kann ein gefährliches Hobby sein. Das weiß auch Dr. Florian Bonke, Allgemeinarzt mit Praxis in Flintsbach. Im Spätsommer gebe es jedes Jahr einige hundert Fälle von Pilzvergiftungen in Bayern. Die Liste der Symptome ist lang: Unter anderem können Übelkeit, Schwindelgefühl, starkes Schwitzen und Sehstörungen auftreten. Eine Vergiftung könne bis zur Beatmung in der Intensivstation bis hin zum Tod führen, warnt der Arzt. Schnelles Handeln sei erforderlich.

Giftnotrufzentrale anrufen

„Im Falle eines Verdachts sofort die Giftnotrufzentrale in München anrufen unter der Nummer 089/19240.“ Auf keinen Fall sollte der Betroffenen lange auf einen Termin beim Hausarzt warten. „Dann kann es schon zu spät sein.“ Bonke rät dringend davon ab, sich selbst zu therapieren, indem man sich übergibt oder übermäßig viel Wasser trinkt. „Wenn die Symptome akut sind, dann gleichzeitig die 112 wählen.“

Nicht auf eigene Faust Schwammerl suchen

Schnelles Handeln sei erforderlich. Bis zu einer Stunde nach dem Verzehr des Pilzes könne ein Arzt eine Magenspülung durchführen. Sollte diese Stunde schon verstrichen sein, verabreiche der Arzt ein Gegengift. Pilzsammlern empfiehlt Bonke, nur mit einem langjährig erfahrenen Experten unterwegs sein und nicht selbst – etwa mit einem Buch – zu versuchen, die Pilze zu bestimmen. Einen Ratschlag gibt er noch mit auf den Weg: „Am besten die Pilze aufbewahren, diese können im Labor noch analysiert werden.“

Kommentare