Piloten-Glück: In Brannenburg starten Benedikt und Felix ins Fliegerleben

Daumen hoch nach der bestandenen praktischen Segelflugprüfung für Benedikt Bursian (links) und Felix Herold (rechts). Prüfer Karl Schmaus (Mitte) vom Luftamt Südbayern zeigte sich sehr zufrieden mit den Prüflingen.
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Daumen hoch nach der bestandenen praktischen Segelflugprüfung für Benedikt Bursian (links) und Felix Herold (rechts). Prüfer Karl Schmaus (Mitte) vom Luftamt Südbayern zeigte sich sehr zufrieden mit den Prüflingen.

Der Flugsportverein Rosenheim freut sich über zwei Segelflugpiloten, die ihre Prüfung in Brannenburg abgelegt haben. Sobald der Flugschein im Briefkasten ist, können Benedikt Bursian (17) und Felix Herold (16) in die Lüfte starten. Etwas an sich Selbstverständliches dürfen sie hingegen nicht.

Brannenburg– Autofahren dürfen sie beide noch nicht – aber fliegen. „Ich war ziemlich angespannt“, berichtet Benedikt Bursian aus Raubling. Ein bisschen Aufregung bei der praktischen Segelflugschein-Prüfung sei aber auch normal. Der 17-Jährige startete als erster von zwei Anwärtern des Flugsportvereins Rosenheim (FSV) vom Flugplatz in Brannenburg gen Himmeln. Bislang sei immer sein Fluglehrer, eine vertraute Person, hinter ihm gesessen. Bei der Prüfung saß ihm der Prüfer Karls Schmaus vom Luftamt Südbayern buchstäblich im Nacken.

Beste Bedingungen für die Prüfung

Vereins-Kollege Felix Herold aus Flintsbach legte seine Segelflugschein-Prüfung am gleichen Tag ab. „Wir hatten ein bisschen Angst, dass wir nicht starten können“, erläutert er. Denn am Vormittag kam der Wind leicht aus südlicher Richtung, „und mit Südwind können wir nicht starten“, so der 16-Jährige. Doch dann drehte der Wind und kam aus Nordrichtung. Beste Voraussetzungen, um sein Können unter Beweis zu stellen. Die theoretische Prüfung hatten beide Flugschüler am 25. Juni beim Luftamt Südbayern in München abgelegt und bestanden. Dabei müssen Segelflugschein-Anwärter Fragen aus den Bereichen Meteorologie, Navigation, Technik und Luftrecht beantworten. Aber auch Fragen zu menschlichem Verhalten kommen in der Prüfung dran. Ebenfalls Voraussetzung für die praktische Prüfung: ein 50-Kilometer-Flug alleine.

Benedikt war schon als Kind fasziniert

Da das Fliegen als Freiluftsport gilt, durften Bursian und Herold seit Mitte Mai wieder auf den Platz. Sie konnten ihre Ausbildung trotz Corona fortsetzen und letztlich auch abschließen. Auch während der praktischen Prüfung mussten die beiden theoretisches Wissen unter Beweis stellen. Der Prüfer fuhr mit den Schülern das Gelände ab, sie mussten die Eigenheiten erklären. Auch die Schleppstelle wurde gemeinsam begutachtet. Im Anschluss folgte ein Sicherheitscheck am Flugzeug, bei dem die Schüler auch technische Eigenheiten des Fliegers erklären mussten.

Benedikt Bursian ist seit zwei Jahren beim FSV Rosenheim. Schon immer habe er sich fürs Fliegen und die Luftfahrt interessiert. „Schon früher war ich fasziniert, als wir am Flughafen waren und in den Urlaub flogen“, erinnert er sich. Im Verein habe er seine Liebe zum Fliegen ausleben können. Bis er den Segelflugschein in den Händen halten kann, muss er sich noch ein paar Tage gedulden. Bis zu zwei Wochen dauert die Bearbeitung. Dann landet der Schein per Post im Briefkasten. Erst dann dürfen Bursian und Herold ohne offiziellen Flugauftrag durch einen anwesenden Fluglehrer allein in die Lüfte steigen.

Felix ging mit seinem Vater Gleitschirmfliegen

Auch Felix Herold liebt das Fliegen. Mit seinem Vater hat er schon früher Gleitschirmflüge unternommen. Weil es aber keine Gleitschirme in seiner Größe gab, wechselte er zum Segelfliegen. „Ich liebe die Freiheit beim Fliegen, das Gefühl unerreichbar zu sein“, schwärmt der 16-Jährige. Trotzdem war auch er zu Beginn der Prüfung aufgeregt. „Als es losging, war die Nervosität aber wie weggewischt und ich war sehr konzentriert“, berichtet er.

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Mit 13 Jahren begann Herold mit den Flugstunden. Mit 14 absolvierte er seinen ersten Alleinflug – noch unter kritischer Beobachtung seiner Vereinskameraden und seines Fluglehrers. Sobald er selbstständig weiterfliegen kann, als nur die übliche Runde über dem Landkreis, will er zur Zugspitze fliegen. „Für den Anfang“, wie er sagt.

Die zwei Jung-Piloten sind auch für den FSV ein Gewinn. „Wir freuen uns sehr. Das sind die ersten beiden Vereinsmitglieder seit neun Jahren, die den Segelflugschein machen“, sagt Gabriele Tengler vom FSV-Beirat. Zwar habe es in der Zwischenzeit einen Piloten gegeben, der über den Verein die Prüfung ablegte. Dieser blieb dem Verein aber nicht erhalten.

Dass sich mit Bursian und Herold zwei junge Menschen für den Verein engagieren sei laut Gabriele Tengler etwas ganz Besonderes. „Benedikt hat bereits die Ausbildung zum Windenfahrer abgeschlossen, Felix ist noch dabei“, berichtet sie. Denn ohne einen Windenfahrer, der das Flugzeug mit einem ein Kilometer langem Seil in die Lufte zieht, kann man auch nicht Fliegen.

Verein freut sich über Neuzugang

Zudem gibt es beim FSV einen neuen Flugschüler. Michael Pöllinger (39) aus Grainbach ist „der Neue“ unter den Flugschülern des Vereins. Am Tag der Prüfung von Felix Herold und Benedikt Bursian legte er seinen ersten Start hin.

„Wir freuen uns, weil wir nur sehr wenige Mitglieder im mittleren Alter bei uns im Verein haben“, sagt Gabriele Tengler. In diesem Alter stünden häufig Familie und Karriere im Vordergrund. Der Zuwachs sei daher eine große Freude für den Verein. „Fliegen ist ein Teamsport“, stellt Benedikt Bursian klar. Und auch Vereinskollege Felix Herold stimmt mit ihm überein: „Alleine geht da nichts.“

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