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Posse am Bau

Stehen ja, fahren nein? Warum die Behelfsbrücke über die A93 bei Raubling womöglich für die Katz war

Pfusch bei der statuk Behelfsbrücke über die A93 bei Raubling muss möglicherweise abgeräumt werden
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Für die Katz? Die Behelfsbrücke bei Raubling muss möglicherweise abgerissen und neu aufgebaut werden.
  • VonFranz Ruprecht
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  • Michael Weiser
    Michael Weiser
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Auf und nieder, und dann wieder? Die Behelfsbrücke über die A93 muss womöglich gleich wieder abgerissen werden, ohne dass ein einziges Auto drübergefahren wäre, und dann schnell wieder neu gebaut werden. Eine Posse.

Raubling – Unten, auf der Inntalautobahn A93 in Höhe der Anschlussstelle Reischenhart, staut sich an Blockabfertigungstagen regelmäßig der Lastverkehr. Probleme, über denen man stehen kann. Im wahren Sinn des Wortes: Denn ein paar Meter über der Autobahn-Fahrbahn, auf der Behelfsbrücke, gibt es das friedlichste Verkehrsaufkommen überhaupt. Keine Spur von einem drüberfahrenden Auto, nirgends. Die Behelfsbrücke steht, nun ja, einfach so herum.

In Raubling herrscht Rätselraten ob der unbenutzten Brücke. Vor einem Jahr begannen die Arbeiten mit Baumfällungen. Und dann lief an der Baustelle für die Behelfsbrücke an der Inntalautobahn A93, Höhe Ausfahrt Reischenhart, erstmal alles wie am Schnürchen. Was die Planungen vorsahen: erstens einen Neubau der ursprünglichen Brücke, und zweitens für die Zeit der Bauarbeiten eine Behelfsbrücke. Damit der Verkehr auf der Staatsstraße weiter über die A93 rollen kann.

Behelfsbrücke bei Raubling: Warten auf die Zulassung

Bauherr ist die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern. Und die Autobahngesellschaft konnte zunächst zufrieden sein. Kurz vor Weihnachten 2021 konnte der Asphalt aufgebracht werden. Und damit war die Zufahrt zum Einschub der Behelfsbrücke möglich. Der Verkehr hätte also über das Provisorium geleitet werden können. Und irgendwann anfangs des nächsten Jahres, voraussichtlich bis Ende Februar, hätten die Abbrucharbeiten der alten Brücke beginnen sollen. So zumindest hatte es Leo Bachmann von der Autobahn GmbH gesagt.

Das ist nun neun Monate her. Und noch immer hat nicht ein einziger Verkehrsteilnehmer die Behelfsbrücke passiert. Und womöglich wird auch nie ein Auto drüber rollen. Denn - der Experte, der die Statik der Brücke im Auftrag der Autobahndirektion prüfte, stieß auf Mängel. Und das kann im äußersten Fall bedeuten: die Behelfsbrücke muss abgerissen werden. „Entweder kann die Baufirma die Mängel abstellen, oder sie baut die Brücke neu“, sagt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Süd. So ganz unwahrscheinlich klingt die letztere Lösung nicht.

Materialermüdung könnte ein Problem werden

Der Fehler steckt im Detail. Denn der unabhängige Experte stieß auf Mängel in der dynamischen Statik. Heißt: Die Brücke ist an sich stark, Schwächen hat sie in der Ausdauer.

Alt und Neu nebeneinander, was sich rührt, ist darunter die Autobahn: So steht‘s an der Brückenbaustelle bei Reischenhart.

„Man könnte einen Panzer darauf abstellen, und die Brücke würde halten“, sagt Seebacher. Um im Vergleich zu bleiben: Stehen geht, nur beim Fahren besagten Panzers läuft man Gefahr. Das Material der Brücke könnte im monatelangen Dauerbetrieb mürbe werden und nachgeben. „Das kann man sich wie einen Draht vorstellen“, sagt Seebacher. „Man könnte ein Auto an diesem Draht aufhängen, und er würde nicht reißen. Aber wenn Sie den Draht 20mal hin- und herbiegen, dann bricht er.“ Den Zuschlag für die gesamten Brückenarbeiten hatte der österreichische Bau-Riese Strabag erhalten. Die Firma muss nun nachbessern lassen, damit nicht noch die Brücke bricht.

Den Steuerzahler kostet das Debakel nichts, sagte die Direktion

Die schlechte Nachricht: Die Bauarbeiten an der Brücke werden sich um mindestens ein Jahr verzögern. Die gute Nachricht: Die Steuerzahler kostet die Posse mit der unbenutzbaren Brücke außer Zeit zunächst nichts. Die Kosten für die Nachbesserung oder gar Abriss und Neubau der Behelfsbrücke muss Strabag tragen. Oder die auf den Bau von Behelfsbrücken spezialisierte Firma, die von Strabag mit ins Boot genommen worden war, so genau war das bis Redaktionsschluss nicht herauszubekommen.

Dem Bauherrn ist‘s ohnehin einerlei. „Den Bau von Behelfsbrücke, Abbruch der alten Brücke und Neubau der neuen Brücke haben wir zu einem Gesamtpreis von rund vier Millionen Euro an die bekannte Baufirma vergeben“, sagt Seebacher. Mehrkosten durch Verzögerung und zusätzliche Baukosten „werden von uns nicht übernommen“.

Wann es weitergeht, ist unbekannt

Wann es mit den Arbeiten wirklich weitergeht, ist offenbar noch nicht ganz klar. „Wir akzeptieren die Brücke nur, wenn sie freigegeben wurde“, betont Seebacher. „Wir wissen nicht, ob die Firma das beheben kann.“ Strabag konnte diese Frage gestern bis Redaktionsschluss ebenfalls noch nicht beantworten. Währenddessen geht viel Geld den Inn hinunter. „Im Grunde ist das eine Frage von unserm Vertragspartner“, sagt Seebacher. „Je länger es dauert, desto teurer wird es.“

Am Ende könnte es für die Baufirma sogar ein Totalschaden werden - wenn die Autobahndirektion lang genug gewartet und sich nach einer anderen Baufirma als Ersatz umgesehen hat.

In einer früheren Version hatten wir von einer Behelfsbrücke für die B15 geschrieben. Tatsächlich ist es die Staatsstraße 2363, die bei Reischenhart über die Autobahn führt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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