Pflanzen rücken in Fokus

Projektleiter Dr. Alexander Ruhl. Foto ammelburger
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Projektleiter Dr. Alexander Ruhl. Foto ammelburger

Durch das Bundesforschungsministerium wurde eine Allianz aus 14 Projektpartnern geschmiedet. Deren Ziel ist es, herkömmliche Rohstoffe aus der petrochemischen Herstellung durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen.

Mit dabei ist die Naturhaus Naturfarben GmbH in Riedering. Für ihre bisherige Arbeit erhielt das Unternehmen vor kurzem eine Auszeichnung vom Stifterverband der deutschen Wirtschaft.

∗ Die Naturhaus Naturfarben GmbH in Riedering beteiligen sich an der Allianz zur Erschließung proteinbasierter nachwachsender Rohstoffe für technische Anwendungen. Um was geht es dabei?

Ziel der Allianz ist die Entwicklung technologisch interessanter Materialien aus pflanzlichen Reststoffen. So sollen aus Pressrückständen der Rapsölgewinnung Proteine isoliert werden, die bezüglich ihrer Eignung als Grundstoffe für Farben, Reinigungsmittel, Baumaterialien, Schmierstoffe, Kunststoffe und andere technische Anwendungen untersucht werden. Unser Anteil dabei wird sein, Proteine auf ihren Nutzen für Farben zu untersuchen und neue Anwendungen im Bereich biobasierter Farben zu erschließen.

∗ Stichwort "Green Chemistry": Was muss man sich darunter vorstellen?

"Green Chemistry" steht für die Entwicklung alternativer, ressourcenschonender und nachhaltiger Technologien in der Chemie. Ziel ist, aus "grünen", biologischen Materialien unter Einsatz energiesparender und umweltfreundlicher Methoden chemische Rohstoffe sowie Produkte herzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Entwicklung und Nutzung neuartiger Techniken grundlegend.

∗ Welche Rohstoffe sind für Sie als Projektleiter interessant?

Besonders attraktiv für uns als Farbenhersteller sind Grundstoffe, aus denen sich neue Anwendungen erschließen, oder deren Eigenschaften besser sind als die herkömmlicher Materialien. Von großem Interesse sind natürliche Rohstoffe, mit denen die Verarbeitbarkeit von Farben, die Fleckempfindlichkeit, Farb- und UV-Stabilität oder die mechanische Belastbarkeit verbessert werden kann und die zudem kostengünstig und umweltschonend sind.

∗ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt diese deutschlandweite Allianz. Welche Unternehmen sind dabei, gibt es Netzwerke?

Die Allianz "Technofunktionelle Proteine" besteht aus 14 Projektpartnern. Dabei übernimmt die IBB Netzwerk GmbH den administrativen Teil. Die Pressrückstände aus der Ölgewinnung werden durch die Bunge Deutschland GmbH sowie SARIA BioIndustries GmbH & Co. KG zur Verfügung gestellt und durch Animox GmbH, Fraunhofer IVV und Clariant Produkte GmbH zu technischen Proteinen aufgereinigt. Die so gewonnenen Proteine werden an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München analysiert und auf Verwendbarkeit für Farben und Lacke (Naturhaus Naturfarben; Kronos; Landshuter Lackfabrik), Kleb- und Schmierstoffe (BioLink; Fuchs Schmierstoffe), als Zusatz in Polymeren (HPX Polymers) sowie in Reinigungsmitteln (Vermop) geprüft.

∗ Wie sehen die konkreten Ziele des firmenübergreifenden Projekts aus?

Zunächst müssen Methoden für die Abtrennung und Reinigung der Proteine aus Pressrückständen erprobt werden. Im nächsten Schritt werden die Proteine und ihre Eigenschaften charakterisiert. Hier besteht die Möglichkeit, durch chemische Modifikationen bestimmte Eigenschaften zu optimieren. Gleichzeitig werden diese Rohstoffe auf Anwendungen überprüft, worauf sich die Entwicklung neuer Produkte oder Technologien anschließt. Ein wichtiger Aspekt ist natürlich die kommerzielle Verwendung dieser Materialien, an die sich auch Patentverfahren und Lizenzvergaben anschließen werden.

Interview: Sigrid Knothe

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