Pfaffenhofener Pioniertat: Wegen Schwammerl-Wuchs kürzten sie ihren Maibaum – von unten

Der Bürgermeister höchstselbst legte die Säge an: Stefan Adam kürzte den Pfaffenhofener Maibaum um einen guten Meter.
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Der Bürgermeister höchstselbst legte die Säge an: Stefan Adam kürzte den Pfaffenhofener Maibaum um einen guten Meter.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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„Schneidets hoid unten oan Meter weg“ hat der Sachverständige den Pfaffenhofenern empfohlen. Sonst müssten sie ihren Maibaum umlegen. Wollten sie nicht. Also: gesagt, getan, gesägt.

Schechen – Ein Schwammerl sorgte im Ortsteil Pfaffenhofen für eine gemeinschaftliche Trotzreaktion. Das Schwammerl, ein Tannen-Blättling, saß unpassenderweise am Fuß des Maibaums.

Maibaum mit großem Fest aufstellen, sich fünf Jahre daran erfreuen und dann den nächsten aufstellen? So einfach ist es nicht. Es gilt die Verkehrssicherungspflicht, das heißt, ein einmal aufgestellter Maibaum muss jährlich auf seine Standsicherheit getestet werden. Ab dem dritten Jahr ist diese Kontrolle dann nur noch durch einen öffentlich bestellten Sachverständigen zulässig.

Schwammerl am Fuß

Im Mai 2020 teilt der Sachverständige beim gut dreijährigen Maibaum in Pfaffenhofen mit, dass ein Tannen-Blättling in den untersten 70 Zentimetern des Baumes vorhanden ist. Auf die Frage, was man da jetzt machen könne, antwortet der Sachverständige: „Schneidets hoid unten oan Meter weg“. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass die Pfaffenhofener Ortsvereine diesen süffisanten Rat auch in die Tat umsetzen werden, amüsiert sich Bürgermeister Stefan Adam noch im Nachhinein.

Ortsvereine bekamen Hilfe

Und so standen an einem Freitag im August Vertreter von Feuerwehr, Veteranenverein, Trachtenverein, Bulldogclub, Landjugend und Schützenverein mit einem Autokran der Firma BKL aus Schechen und einer Arbeitsbühne des Malerbetriebs Rolle aus Deutelhausen am Kirchplatz zusammen, um den Maibaum zu kürzen.

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„Ohne die beiden Firmen wäre es nicht gegangen“, sagt der Bürgermeister, hätten sie das Gerät mieten müssen, wäre der Maibaum eben doch umgelegt worden. Obwohl er auf Langlebigkeit ausgelegt, eigens mit einer luftdurchlässigen Farbe angemalt wurde.

Herausforderung angenommen und gemeistert: Die Vereinsvertreter mit ihrem wieder standsicheren Maibaum. Das nach der Aktion eigentlich fällige Dorffest fiel dem Coronavirus zum Opfer, freuen tun sich die Pfaffenhofener trotzdem. re

Der Bürgermeister sägt Maibaum selbst

Der Baum, nach wie vor mit seinen Schildern geschmückt, bekam im oberen Drittel einen Gurt verpasst, wurde dann am Haken des Autokrans eingehängt. Der rund 1,5 Tonnen schwere Maibaum erhob sich aus seiner Halterung in die Luft. Der Feuerwehrkommandant griff zur Säge und kürzte den freischwebenden Baum um 1,10 Meter. „Das habe ich mir nicht nehmen lassen“, lacht Stefan Adam, der Pfaffenhofener Feuerwehrkommandant und Bürgermeister in Personalunion ist.

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Dann sank der Baum zurück in die Verankerung, wurde wieder eingespannt und schmückt mindestens noch ein weiteres Jahr, bis zum nächsten Besuch des Sachverständigen, das Ortsbild. Vermutlich aber länger, denn 2023 ist in Pfaffenhofen Gautrachtenfest, erst dazu soll ein neuer Maibaum aufgestellt werden.

Überrascht aber einverstanden

Und der Sachverständige? „Der war überrascht, aber einverstanden, wollte nicht einmal Fotos sehen“, erzählt Adam amüsiert. Gekürzte Maibäume gibt es immer mal wieder, hat der Bürgermeister festgestellt. „Aber die sind alle oben abgeschnitten worden. Ich habe keinen anderen gefunden, der von unten gekürzt wurde“, freut sich Stefan Adam immer noch über die „starke Aktion“ der Pfaffenhofener.

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