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Unternehmer und Pionier

Bequem auf den Wendelstein: Wie Otto von Steinbeis die Wendelsteinbahn möglich machte

Achthundert Arbeiter gleichzeitig waren beim Bahnbau eingesetzt. Allein ihre Unterbringung und Versorgung schon eine logistische Meisterleistung. Thomae
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Achthundert Arbeiter gleichzeitig waren beim Bahnbau eingesetzt. Allein ihre Unterbringung und Versorgung schon eine logistische Meisterleistung.
  • VonJohannes Thomae
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Wer von Brannenburg aus nicht zu Fuß auf den Wendelstein will, fährt entweder mit „Otto von Steinbeis“ oder mit „Prinzregent Luitpold“, also mit einem der beiden Triebwagenzüge. Und auch sonst wäre die bequeme, 25-minütige Fahrt ohne die beiden Männer nicht möglich.

Brannenburg – Dem Prinzregenten kommt der kleinere Anteil zu, er hat den Bau der Wendelsteinbahn Anfang des letzten Jahrhunderts nur genehmigt. Geplant und gebaut hat die Zahnradbahn der Brannenburger Unternehmer Otto von Steinbeis.

Seine Leistung wird deutlich, wenn man sich bei der Fahrt durch die spektakuläre Landschaftskulisse klarzumachen versucht, dass beim Bau damals keinerlei Maschinen eingesetzt werden konnten. Wirklich vorstellen kann man es sich aber wohl nicht, es ist für uns Heutige einfach nicht mehr nachzuvollziehen: Keine Bagger, keine Planierraupen, keine Lastkraftwagen, keine Kräne – nichts. Alles, buchstäblich alles wurde von Hand erledigt, mit Schaufel, Pickel und Schwarzpulver.

800 Arbeiter bauten zwei Jahre lang

Und doch betrug die Bauzeit der Strecke, die in den Anfangsjahrzehnten beim Brannenburger Bahnhof begann, damit 9,8 Kilometer lang war und bis auf 1720 Meter führt, nur zwei Jahre, von 1910 bis 1912. Möglich durch 800 Arbeiter, die nach Dokumenten des Wendelsteinbahn-Archivs gleichzeitig auf der Baustelle beschäftigt waren, sechs Tage die Woche. Schon sie unterzubringen und zu verköstigen eine logistische Meisterleistung, denn die Mahlzeiten mussten zu Anfang per Pferd oder Maultier zu den Männern am Berg gebracht werden, so wie Werkzeug und Material auch.

Hohe Achtung vor guter Arbeit

Seine Männer bestens zu versorgen war Otto von Steinbeis immer wichtig gewesen. Er war ein für damalige Zeiten überaus sozialer Arbeitgeber, der vor guter Arbeit hohe Achtung hatte. Das wissen die Urenkel Michael und Hans Steinbeis aus dem Briefwechsel ihres Urgroßvaters zu berichten.

Solch eine Unternehmung wagen – und dann auch erfolgreich durchführen – kann nur jemand, der weiß, worauf er sich einlässt. Und so ein Mann war Otto von Steinbeis. Er, der bei Beginn des Baus schon 71 Jahre alt war, hatte sich laut Hans Steinbeis europaweit einen Namen gemacht als eine Art Logistikspezialist in Sachen Holz.

Holz aus Bosnien in die Welt gebracht

Seit 1892 hatte er in Bosnien die Aufgabe übernommen, in einem bergigen und weitgehend unbewohnten Waldgebiet eineinhalb Millionen Kubikmeter Holz zu schlagen und vor allem: es auch abzutransportieren. Eine Aufgabe, der er gewachsen war, weil er darin bereits eine fast dreißigjährige Erfahrung hatte: Seit 1863 war er Teilhaber und Geschäftsführer eines württembergischen Konsortiums, das die Wälder rund um Brannenburg bewirtschaftete und verwertete. Seit dieser Zeit lebte er in Brannenburg.

Sägewerke und Absatzmärkte aufgebaut

Auch hier war die Herausforderung vor allem die gewesen, das Holz aus den Wäldern heraus und zu Tal zu bringen. Und dann natürlich, es zu verarbeiten. Also waren Sägewerke nötig und vor allem auch Absatzmärkte. Hier kam Otto von Steinbeis auf die Idee, nicht nur billiges Rohholz zu verkaufen, sondern dieses zu veredeln und weiterzuverarbeiten: zum Beispiel zu imprägnierten Eisenbahnschwellen und Telegrafenmasten.

Otto von Steinbeis muss man sich – nach allem, was von ihm überliefert ist – als einen Mann vorstellen, der Techniker, Praktiker sowie Unternehmer in einem war und Probleme nicht als Hindernisse, sondern als Herausforderung ansah.

Praktischer Problemlöser

Die Transportwege in Bosnien für den Abtransport des Holzes fehlen? Bauen wir eben 400 Kilometer Eisenbahnstrecke. Die Bahn auf den Wendelstein soll elektrisch fahren, aber es gibt kein Stromnetz? Bauen wir eben selbst eines auf.

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Der Bau einer Bahn auf den Wendelstein für ihn also von Anfang an sicher nicht so unvorstellbar, wie es uns heute erscheint. Übrigens wurde die Bahn von ihm wohl nie in erster Linie als spätere Geldquelle gesehen. Das meinen zumindest seine Urenkel, die unlängst in der Brannenburger Wendelsteinhalle für die Volkshochschule einen Vortrag über ihren Urgroßvater hielten. Sondern eher als Denkmal für sein Lebenswerk.

Unternehmer mit Auge für Schönheit

Eisenbahnschwellen, Telegrafenmasten, selbst Bahngebäude in der Schweiz und in Konstantinopel sind dafür nicht so recht tauglich. Eine Bahn auf den Brannenburger Hausberg, der mit dem Bau des Wendelsteinhauses 1883 anfing, ein touristischer Publikumsmagnet zu werden, durchaus. Denn, so Michael Steinbeis, sein Urgroßvater habe bei aller unternehmerischer Rationalität sehr wohl einen Blick für landschaftliche Schönheit gehabt, und dabei ein sogar romantisches Auge – das belegen etliche Briefe.

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Sich ein Denkmal zu setzen, ist Otto von Steinbeis auch wirklich gelungen. Mehr als elf Millionen Fahrgäste hat die Bahn seit 1912 chauffiert, die ersten Lokomotiven mit dem Baujahr 1911 sind noch heute einsatzbereit und zumindest für die älteren Brannenburger ist die Wendelsteinbahn, an der die Familie bis 1968 Anteile hatte, noch immer untrennbar mit dem Namen Steinbeis verbunden.

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