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Aus dem Schöffengericht Rosenheim

Cannabis-Anlage als Nebenverdienst: Ohne stichhaltige Beweise gibt‘s keine Verurteilung

Im Zweifel für den Angeklagten entschied jetzt das Schöffengericht Rosenheim im Prozess gegen einen wegen Drogenhandels angeklagten Mannes.
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Im Zweifel für den Angeklagten entschied jetzt das Schöffengericht Rosenheim im Prozess gegen einen wegen Drogenhandels angeklagten Mannes.
  • VonTheo Auer
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Eine Cannabiszuchtanlage am Samerberg verschaffte einem Landwirt einen netten Nebenerwerb – bis im Januar 2021 die Kriminalbeamten des K4 auf die Plantage aufmerksam wurden. Über 60 Kilogramm Pflanzenmaterial stellte die Polizei sicher.

Samerberg/Rosenheim –Der Landwirt war umfassend geständig und benannte dazu noch seine Kunden, die sich nun nacheinander vor dem Schöffengericht Rosenheim zu verantworten haben.

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Allerdings ist dies ein zweischneidiges Schwert. Weil die Kronzeugenregelung Beschuldigten etliche Vorteile verschafft, gibt es immer wieder Belastungszeugen, die lediglich darauf spekulieren und die eigene Bestrafung mildern wollen. Nicht selten werden dabei erfahrungsgemäß Unschuldige belastet. Dies zwingt die Staatsanwaltschaft dazu, neben der Aussage des Kronzeugen weitere Beweise gegen den jeweils Bezichtigten zu suchen.

Sechs Kilo Cannabis in fünf Jahren erworben

Christian W. (Name von der Redaktion geändert) war auf Grund der Aussage des Landwirts nun ebenfalls vor Gericht. Etwa sechs Kilogramm hatte er angeblich von diesem im Laufe der zurückliegenden fünf Jahre erworben. Bei solchen Mengen unterstellt die Staatsanwaltschaft, dass der Beschuldigte mit den Drogen auch Handel getrieben habe. So lautete nun die Anklage auf Besitz von und Handeltreiben mit illegalen Drogen.

Der Angeklagte machte keine Angaben

Vertreten durch seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Peter Weizdörfer, machte der 36-jährige Handwerker keinerlei Angaben zu den Vorwürfen. Der Anwalt war von Anfang an bemüht, die belastenden Angaben durch den Drogenanbauer zu entkräften, wollte gar dem Schöffengericht quasi vorschreiben, welche Zeugen es zu hören, beziehungsweise nicht zu hören, habe. Nachdem das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat dem nicht entsprach, versuchte er zweimal, per Befangenheitsantrag die Vorsitzende abzulehnen. Der darüber befindende Richter wies dies zurück.

Bei Durchsuchung kein belastendes Material gefunden

Der ermittelnde Beamte der Kripo Rosenheim musste eingestehen, dass bei der Wohnungsdurchsuchung des Angeklagten kein belastendes Material gefunden wurde. Zwar war Mann bereits drei Mal wegen verbotener Betäubungsmittel verurteilt worden. Im aktuellen Fall sprach aber einzig die Aussage des Haupttäters gegen ihn.

Unterschiedliche Bewertung der Kronzeugenaussage

In seinem Schlussvortrag erklärte der Staatsanwalt, dass die Aussage dieses Zeugen durchaus glaubhaft sei, weil zum einen bei allen anderen Beschuldigten dessen Hinweise zugetroffen hatten und zum anderen der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt sei, immerhin sei er bereits drei Mal einschlägig verurteilt worden.

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Der Verteidiger verwies darauf, dass es neben der Aussage des Belastungszeugen keinerlei Beweise gegen seinen Mandanten gäbe, dieser seine Beschuldigung wegen der Kronzeugenregelung durchaus zum eigenen Vorteil getätigt habe. Er beantragte, seinen Mandanten frei zu sprechen.

Staatsanwaltschaft legt Berufung gegen Freispruch ein

Das Gericht sprach aus diesem Grunde den Angeklagten frei. Es fehle eben an weiteren Beweisen gegen den 36-Jährigen. Er wurde auch umgehend aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Staatsanwaltschaft, die den Belastungszeugen nach wie vor für glaubwürdig hält, hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

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