KEIN NEUER PFARRGEMEINDERAT FÜR SÖCHTENAU

Ohne Kandidaten keine Wahl

Pater Paul, Pfarradministrator für Halfing/Höslwang/Söchtenau, bleibt angesichts der fehlenden Kandidaten zur Pfarrgemeinderatswahl in St. Margaretha gelassen: „Wir haben trotzdem ein gut funktionierendes Gemeindeleben.“Fischer
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Pater Paul, Pfarradministrator für Halfing/Höslwang/Söchtenau, bleibt angesichts der fehlenden Kandidaten zur Pfarrgemeinderatswahl in St. Margaretha gelassen: „Wir haben trotzdem ein gut funktionierendes Gemeindeleben.“Fischer

Bayernweit wird am morgigen Sonntag in den Kirchengemeinden ein neuer Pfarrgemeinderat gewählt. In Söchtenau fällt diese Wahl aus: mangels Kandidaten. Pater Paul, Pfarradministrator für Halfing/Höslwang/Söchtenau, nimmt es gelassen: „Es ist, wie es ist.“

Söchtenau – „Vier Kandidaten hätten wir gebraucht“, erläutert der amtierende Pfarrgemeinderatsvorsitzende Toni Grießer. Seit 16 Jahren gehört der 53-Jährige dem Gremium an. Vor 14 Jahren übernahm er den Vorsitz. „Viele von uns sind bereits seit Jahren im Gemeinderat aktiv. Zwischen acht und 18 Jahren dauert die Amtszeit einiger Kollegen“, beschreibt er die Situation. Mancher von ihnen wollte schon bei der letzten Wahl vor vier Jahren nicht wieder kandidieren, aber auch damals sei die Suche nach neuen Kandidaten zäh verlaufen. „Diesmal sollte nun tatsächlich ein Wechsel stattfinden“, so Grießer. „Ein bisschen Neuerung hätte nicht geschadet.“

Mindestens vier Kandidaten hätten sich in St. Margaretha aufstellen lassen müssen, damit die Wahl vorschriftsmäßig hätte durchgeführt werden können. „Doch leider wurden nur drei Interessenten gefunden, obwohl wir ab Herbst vergangenen Jahres knapp 80 Gemeindemitglieder im Vorfeld persönlich angesprochen haben.“

Pater Paul, der seit eineinhalb Jahren Pfarradministrator für Halfing/Höslwang/Söchtenau ist, sieht die Lage gelassen. „Manche brauchen vielleicht länger, sich zu entscheiden, ein Amt zu übernehmen“, glaubt er. „Wir warten jetzt mit Genehmigung des Bistums darauf, dass es Kandidaten gibt und dann legt die Diözese einen neuen Wahltermin für Söchtenau fest,“ erklärt er weiter.

Grießer glaubt, dass es im kommenden Herbst so weit sein könnte. Am vergangenen Sonntag hat er im Rahmen des Gottesdienstes noch einmal zur Kirchengemeinde gesprochen. Er habe sie noch einmal eindringlich gebeten, in sich zu gehen und zu überlegen, ob sie nicht doch ein Amt übernehmen könnten.

Genau wie Kardinal Marx in seinem Aufruf zur Pfarrgemeinderatswahl ist Grießer davon überzeugt, dass das Gremium entscheidend zum Gelingen eines lebendigen Kirchenlebens beitragen könne und Mitverantwortung in der Kirche wichtig und wertvoll sei. „Eine lebendige und erfahrbar heilbringende Kirche braucht aber auch Institutionen, die dieses Engagement motivieren, kanalisieren und vernetzen.“ „Du bist Christ. Mach was draus“, lautet auch das Motto der aktuellen Pfarrgemeinderatswahlen in der Erzdiözese München und Freising.

Wie erfüllend es sein kann, im Pfarrgemeinderat mitzuarbeiten, weiß Grießer genau. Er erinnert sich gern an den Kirchentag in München, bei dem der Pfarrverband für den Verkauf von Kaffee und Kuchen zuständig gewesen war: „Es war ein besonderes Erlebnis, einen kleinen aber wichtigen Beitrag zu leisten in dieser großen christlichen Gemeinschaft.“ Aber auch die beeindruckende Lichtershow in der Kirche in Söchtenau und viele schöne Pfarrfeste blieben ihm in Erinnerung.

Annerose Fischer, Schriftführerin im Pfarrgemeinderat, kann ihm da nur beipflichten: „Die Arbeit im Pfarrgemeinderat ist beides: manchmal belastend, weil es viel zu erledigen gibt, aber auch sehr bereichernd, wenn man gemeinsam Projekte verwirklichen kann.“ Wer das Amt ernstnimmt, so führt sie weiter aus, der übernehme eine größere Aufgabe als nur die reine Teilnahme an den Sitzungen. „Warum man das macht?“, lacht sie, „Weil es Spaß macht!“

Fischer hat in der Kirchengemeinde gleich mehrere Aufgaben übernommen. Die fotografische Dokumentation, der Liturgiearbeitskreis und die Erwachsenenbildung waren neben ihrer Funktion als Schriftführerin ihre Schwerpunkte. „Man wächst über die eigenen Grenzen hinaus“, beschreibt sie ihre Erfahrung und möchte damit den hoffentlich folgenden Kandidaten Mut machen.

Voraussichtlich bis zum Herbst wird sie nun zusammen mit ihren bisherigen Pfarrgemeinderatskollegen weiter auf Kandidatensuche gehen und für den Pfarrgemeinderat werben. Aktive Helfer gebe es in der Gemeinde viele, weiß auch Grießer. Nur wenige wollten aber für die nächsten vier Jahre ein festes Amt übernehmen.

„Je mehr Interessenten sich zur Wahl stellen, umso besser“, versichert Grießer, dann bleibe für den Einzelnen dementsprechend weniger zu tragen. „Vier Kandidaten brauchen wir mindestens“, rechnet er vor. Je mehr gewählte Kandidaten es gibt, umso mehr Freiwillige können noch zusätzlich in das Gremium berufen werden, erklärt er weiter. „Schöner wäre deshalb, wenn sich sechs Pfarrgemeinderatsmitglieder finden würden, dann könnten zusätzlich drei Freiwillige berufen werden.“

In der Erzdiözese München und Freising ist Söchtenau mit den mangelnden Kandidaten für die Pfarrgemeinderatswahl nicht allein: Mit St. Margaretha sind es allein im Landkreis Rosenheim sechs Kirchengemeinden, die am morgigen Sonntag nicht wählen können. Wie die Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats München mitteilt, bleibt der alte Pfarrgemeinderat solange im Amt, bis sich ein neuer konstituiert. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass sich der Pfarrgemeinderat entscheide, zurückzutreten. Nachwahltermine würden je nach Situation individuell festgesetzt. Sollten es weiterhin zu wenig Kandidaten geben, dann werde von den Engagierten und Hauptamtlichen nach spezifischen Lösungen vor Ort gesucht.

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